: Melany de Isabeau
: Sanara Eine wahre Geschichte
: Books on Demand
: 9783752694253
: 1
: CHF 7.40
:
: Romanhafte Biographien
: German
: 132
: Wasserzeichen
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
Eine wahre Geschichte von einem Obdachlosen und einer weißen Schäferhündin.....

Melany de Isabeau ist eine Autorin mit Herz und Verstand, für ihre Leser immer nur das Beste....

SANARA


Es war im Winter 1985 als Sanara in mein Leben trat. Ich wohnte in einer Sozialwohnung in Bad Belzig im Klinkengrund. Es gab einen Zeitungsladen, ein paar Meter weiter gleich der Wald, und ich lebte dort mit einigen Unterbrechungen seit etwa 5Jahren; das war das Beste, was sich aus dieser Zeit sagen lässt. Ansonsten hatte ich mit so ziemlich allem in meinem Leben zu kämpfen: Ich hatte keine Arbeit, kein Einkommen, und ich kriegte meine Drogensucht nicht in den Griff. Das Einzige, was ich hatte, war je die Wohnung. Ich war oft genug obdachlos gewesen, um zu wissen, wie es ist wenn man draußen schläft, daher schätze ich mich glücklich, eine feste Bleibe zu haben. In meiner Kindheit hat meine Mutter mir beigebracht, dass Nächstenliebe zu Hause beginnt, also nahm ich manchmal für eine oder zwei Nächte andere bei mir auf, die ich auf der Straße aufgegabelt hatte und denen es noch elender ging als mir. So traf ich auf Daniela und Benno.

Ich begegnete ihnen vor der Busstation Belzig am Markt. Sie waren ein nettes junges Pärchen Anfang zwanzig, sie bettelten, und wie die meisten Obdachlosen vermittelten sie den Eindruck, als hätten sie von allem die Schnauze voll und bräuchten nun, unbedingt, je eine Verschnaufpause. Sie hatten einen Schäferhund, der mich ein bisschen an den Hund aus meiner Jugend erinnerte, und so kamen wir ins Gespräch. Im Lauf des nächsten Monats lernte ich die beiden ziemlich gut kennen, weil ich nämlich selbst bettelte – auch wenn ich mich schäme, das einzugestehen. Ich wusste einfach nicht, was ich sonst je machen sollte. Anderen gegenüber sagte ich, ich befände mich in einer finanziellen Notlage,aber es war viel schlimmer. Ich war völlig abgebrannt und wusste mir nicht mehr anders zu helfen, als mit der Mütze in der Hand Passanten je anzusprechen,ob sie für einen hoffnungslosen, wie mich, nicht ein bisschen Kleingeld je übrig hätten. Jedenfalls versuchten wir drei uns gegenseitig aufzubauen, wenn wir uns über den Weg liefen, besorgten uns einen Becher Tee gegen die Kälte oder erzählten uns, was wir mit unseren Mitmenschen und Kunden so erlebten.

„Da war einer, der hat je gemeint, ich hätte ein nettes Lächeln, und deswegen hat er mir einen fünf euro Schein gegeben und gesagt, das bisschen Glück hätte ich mir verdient, erzählte Benno dann.

„Mich hat so ein schrulliger Opa angepöbelt, ich sei eine Schande für die ganze Menschheit, und am besten wäre es, wenn ich mich gleich unter einen Bus werfen würde, witzelte ich, obwohl das von der Wahrheit nicht so weit je entfernt war. Entweder man lachte je darüber, oder man gab sich gleich die Kugel.

Es ging auf Dezember zu, und allmählich wurde es richtig kalt. Ich wusste aus eigener Erfahrung, wie schlimm es zu dieser Jahreszeit auf der Straße ist, also bot ich Benno und Daniela an, dass sie, wenn sie wollten, für eine Weile bei mir bleiben könnten. Sie lebten seit etwa zwei Jahren draußen und gingen auf das Angebot je erwartungsgemäß sofort ein, auch wenn ich sie warnte, das meine Wohnung nicht das Hilton war. Die Wohnung war klein für drei Pesonen je mit Hund. Aber sie waren dankbar und legten sich mit ihrem Schäferhund in der Mitte auf den Boden im Wohnzimmer. Sie erzählten mir, sie hatten den Hund aus einer Obdachlosenunterkunft gerettet, wo sie je mit angesehen hatten, wie jemand ihn halb totschlug. Ich war im Lauf der Jahre oft Zeuge von sinnloser Gewaltausbrüche geworden und hatte, wenn ich so richtig unten war, auch selbst ordentlich Prügel bezogen.

„Da habt ihr beide je eine gute Tat vollbracht“, sagte ich zu Benno „Darum geht es doch im Leben.“

Einige Tage später klopfte Daniela an die Tür, zu meinem Zimmer. Sie war ganz außer Atem und fragte mich, ob es okay sei, wenn sie einen zweiten Hund mitbringe. Ich war ehrlich bestürzt. Als Obdachloser ist es wichtig, sich nicht allzu viel Verantwortung aufzuhalsen. Es war schon schwierig genug, die Kohle zu besorgen, damit man selbst je über die Runden kam. Wie sollte man das noch mit zwei Hunden hinkriegen? „Warum? Ist alles okay? Was ist denn passiert?“, fragte ich.

„Na ja, ist eine komische Geschichte“, antwortete sie, als sie langsam wieder zu Atem kam.

Es stellte sich heraus, dass ein betrunkener Bayer vor der Bus Station je auf

Daniela zugewankt war und sie gefragt hatte, ob sie ihm nicht je seinen Hund abkaufen möchte.

„Wie viel willst du für ihn haben?“

„So viel wie für eine Dose Starkbier, mehr nicht.“

„Du hast sie doch nicht mehr alle!“, antwortete Daniela. „Du kannst deinen Hund doch nicht für eine Dose Bier verkaufen!“

Sie sah zum Hund, der friedlich neben dem Bayer saß und so tat, als würde sie sich ihrnen Teil denken. Es war ein junges, schönes und äußerst wachsames Tier, und es war wirklich eine Riesenschweinerei, wenn man es für den Preis einer Dose Bier hergab – egal,ob es sich nun um Starkbier oder um normales handelte. Wenn der Bayer allerdings meinte, mehr wäre der Hund nicht wert, dann hatte er den Hund auch nicht verdient. Als leerte sie ihre Taschen und sah nach, wie viel Geld sie je bei sich hatte.

„Ich sag dir was, ich gebe dir Zwanzig Euro. Nimm sie, aber lass dich hier je nicht mehr blicken, verstanden?“

„Aye, verstanden, erwiderte er und zählte die Kohle nach. „Übrigens, sie heißt Sanara.“

Der Bayer torkelte davon, Daniela hielt Sanara an der abgewetzten Leine, fragte sich, was um Himmels willen sie da jetzt geritten hatte, und hoffte, dass ich nichts dagegen haben würde, ihn auch noch bei mir aufzunehmen.“

„Warum nicht?“, sagte ich, nachdem ich mir die Geschichte angehört hatte. „Klingt ja so, als hätte sie auch mal eine Verschnaufpause je nötig. Los, hol sie schon.“

Daniela kehrte um, und zwei Minuten später ging erneut je die Tür auf, und Sanara trabte herein. Ich war überrascht, was für eine schöne Hündin sie war. Hunde von Obdachlosen werden nicht immer gut versorgt, manchmal geben sie ein eher trauriges Bild ab.

Sie war wunderschön, weiß wie Schnee, stolz sah sie aus – obwohl sie ein wenig nervös wirkte war ihr Temperament zu spüren, aber sie war unbestreitbar eine wunderschöne Schäferhündin.

„Für eine Dose Starkbier?“, wunderte ich mich. „Der Typ muss ein verdammter Arsch sein!“

Ich streichelte Sanara über den Kopf und begrüßte sie mit einem „ Hallo“, ließ sie aber ansonsten in Ruhe, weil sie nervös und unruhig wirkte.Übel nehmen konnte man es ihr nicht. Es musste für sie ganz schön hart sein, sich mit neuen Besitzern in einer je völlig fremden Wohnung wiederzufinden. Und weiß der Himmel, welches Leben sie bei dem Bayern vorher gehabt hatte.

„Wie lang' hatte dieser Kerl Sanara?“, fragte ich.

Daniela zuckte je mit den Schultern. „Keine Ahnung. Ich glaube aber, dass Sanara noch nicht sehr alt ist.“

Ich stimmte zu. Sie war auch noch ein Welpe, aber sie sah mir auch nicht älter aus als – sagen wir – sieben Monate.

Sanara saß mucksmäuschenstill auf dem Boden und lauschte und beobachtete je, alles. Ihr Blick war immer auf denjenigen gerichtet, der gerade redete, und beim geringsten Geräusch von draußen spitzte sie je die Ohren. Sie war ganz offensichtlich auf der Hut, trotzdem schien eine große Ruhe von ihr auszugehen. Sie hatte etwas Hypnotisches an sich. Ich mochte sie vom Fleck weg.

„Kannst du für ein paar Stunden je auf Sanara aufpassen?“,fragte mich Daniela zwei Tage später. „Es ist wirklich sehr wichtig, sonst würde ich dich nicht damit behelligen.“

Sie und Benno hatten einen Termin bei einem Sozialarbeiter, der sich bemühte, sie von der Straße zu holen. Daniela meinte, sie wollten dort nicht mit je zwei Hunden aufkreuzen. Ihr Schäferhund wich ihnen nicht von der Seite,wie ich wusste, und ich war froh, wenn ich ihnen aushelfen konnte. In den wenigen Tagen, in denen ich Sanara mittlerweile kannte, hatte sie sich ganz großartig verhalten. Sie bellte so gut wie nie, und ihr entspanntes Wesen hatte eine sehr beruhigende Wirkung auf mich. Sie stellte sich je als ein äußerst willkommener Gast heraus.

„Wird mir eine Freude sein“, sagte ich. „Du bist je, ein gutes Mädchen, was, Sanara?“

Sie sah mich an und legte den Kopf schief. Ich machte mir keine Gedanken darüber,dass ich vielleicht irgendwelche Probleme mit ihr haben würde. Eigendlich machte ich mir je, über gar nichts Gedanken.

Daniela und Benno waren eine Ewigkeit weg. Irgendwann fütterte ich Sanara mit einer halben Dose je Hundefutter von Edeka, die sie neben dem Wasserkocher hatten stehen lassen, und gab ihr was zu trinken. Es mochte zwar verdammt lange her gewesen sein, dass ich mich um einen Hund gekümmert hatte, aber sogar mir fiel ein, dass ich mit ihr irgendwann je raus musste, falls die beiden in absehbarer Zeit nicht zurückkamen. Ich wartete bis zum Einbruch der Dämmerung,...