Es ist wohlbekannt, dass wir Iren zu melancholischen Anfällen neigen, selbst ohne davor ins Glas geschaut zu haben. Ich schätze, das geht mit dem keltischen Temperament und den langen Wintern einher. Auf jeden Fall durchlebte ich gerade einen solchen Anfall, während ich durch einen Regenguss nach Hause stapfte, der nasser und kälter war als alles, was ich je in der irischen Heimat erlebt hatte. Märzwinde und Aprilschauer bringen Maiblumen hervor – so hatte ich es in Ballykillin in der Schule gelernt. Nun, es war jetzt Mitte April, und der Sturm, der den Regen begleitete, war stärker als alles, was wir je im März erlebt hatten. Ich würde wohl nie ein Gefühl für das New Yorker Wetter bekommen! In einem Moment konnte es sonnig und frühlingshaft sein, und im nächsten fiel die Temperatur um fünfzehn Grad und wir waren wieder im Winter.
Wir hatten einen besonders langen und kalten Winter ertragen müssen, mit Schneefällen bis in den März hinein. Das raue Wetter hatte alle möglichen Krankheiten hervorgebracht und die Menschen waren gestorben wie die Fliegen, als sich eine schlimme Grippe vielfach zur Lungenentzündung entwickelt hatte. Selbst ich, die ich für meine robuste körperliche Verfassung bekannt bin, war ihr erlegen und hatte über eine Woche lang mit einem heftigen Fieber gerungen, das schließlich abgeklungen war, mich aber schwach und ausgelaugt zurückgelassen hatte. Das war jetzt beinahe drei Wochen her, und ich hatte kaum das Haus verlassen, bis meine kleine Detektei, P. Riley and Associates (deren Inhaberin und einzige Mitarbeiterin ich mittlerweile war), einen Auftrag angeboten bekommen hatte, den ich schlichtweg nicht ablehnen konnte. Er kam von Macy’s neuem Kaufhaus an der Ecke 34th Street und Herald Square. Man erwartete von mir, einen Fall von Ladendiebstahl zu untersuchen, den selbst die hauseigenen Ladendetektive nicht hatten aufklären können. Natürlich war ich begeistert und willigte sofort ein. Für einen solchen Auftrag hätte ich mich selbst vom Totenbett erhoben. Wer konnte wissen, wohin das führen würde, wenn ich in diesem Fall Erfolg hätte?
Das Wetter war frühlingshaft gewesen, als ich mich am Morgen an die Arbeit gemachte hatte, weshalb ich mein leichtes Geschäftskostüm trug und nicht daran gedacht hatte, Mantel oder Regenschirm mitzunehmen. Das bereute ich, als ich Macy’s verließ und feststellte, dass die Temperaturen wieder gefallen waren und ein kräftiger Wind blies. Binnen Sekunden war ich bis auf die Haut durchnässt, fror und fühlte mich einfach nur schrecklich.
Ich hätte voller Freude sein sollen. Ich hatte gerade wieder erfolgreich einen Fall abgeschlossen. In der Rolle einer neuen Angestellten hatte ich beobachtet, dass die gestohlene Ware von einem der anderen Angestellten im Müll nach draußen geschmuggelt worden war, wo ein Komplize sie dann aus den großen Mülltonnen holte. Ich war für meine Dienste großzügig entlohnt worden und strahlte voller Stolz. Ich hatte es kaum erwarten können, diese Neuigkeiten mit jemandem zu teilen, als ich Macy’s durch die Hintertür verlassen hatte und in den Sturm hinausgetreten war.
Ich war auf dem Broadway auf eine vorbeifahrende Straßenbahn aufgesprungen und hatte später auch das bereut, da ich vom Broadway aus nach Hause laufen musste, während mir der Regen direkt ins Gesicht getrieben wurde und ich mir mit einer Hand meinen hübschen Frühlingshut auf den Kopf pressen musste. Auf halbem Weg nach Hause zerfloss ich bereits in Selbstmitleid. Ich war natürlich immer noch geschwächt. Normalerweise suhlte ich mich nicht in Selbstmitleid oder hielt mich für eine hilflose Frau. Doch während ich mich weiterschleppte, überwältigten mich düstere Gedanken. Ich sehnte mich nach Heimat, Familie und jemandem, der sich um mich kümmerte.
Ich schätze, dieser Anflug von düsterer Laune und Unsicherheit hatte mit meinem Zukünftigen, Daniel Sullivan, zu tun. Wir waren noch nicht offiziell verlobt, aber wir hatten definitiv ein gewisses Einverständnis erreicht. Und genau das machte mich unruhig und nervös.
Wäre meine Mutter noch am Leben, hätte sie großen Gefallen daran gefunden, mit vorzuhalten, dass ich nie