1. Nachhaltige Veränderungen: Warum Ratgeber allein nur wenig helfen
Der „Psychoratgeber“-Markt boomt! Ein Blick auf die Bestsellerlisten macht deutlich, dass es einen großen Bedarf an psychologischer Unterstützung gibt. Das ist einerseits bedenklich, andererseits finde ich es aber auch erfreulich, denn es zeigt, dass Menschen sich mit ihrem Innenleben beschäftigen, dass sie versuchen, sich selbst besser zu verstehen, und sich aktiv Rat für ihre Lebensprobleme einholen. Doch ein Buch allein macht noch keinen (Gesundheits-)Meister!
Das Leben stellt uns ständig vor neue Herausforderungen, die wir nur bewältigen können, wenn wir uns weiterentwickeln, Neues dazulernen. Stellen wir uns diesen Herausforderungen nicht, verharren wir in altbekannten Positionen und weigern uns, Veränderung aktiv anzugehen, dann bedroht das unsere seelische Gesundheit. Wir können nicht mehr flexibel auf die sich wandelnden Anforderungen des Lebens reagieren, erstarren und entwickeln vielleicht Krankheitssymptome. Aus diesem Grund bedeutet seelische Stabilität und Gesundheit immer auch: Veränderungsbereitschaft.
1.1 Umsetzen und dranbleiben – leichter gesagt als getan
Ob jemand wirklich nachhaltig von einem Ratgeber (oder anderen Gesundheitstipps und -vorsätzen) profitiert, hängt sehr stark davon ab, ob er nur einen weiteren „Informationsinput“ konsumiert oder ob eine wirkliche Umsetzung (der hoffentlich gewonnenen Erkenntnisse und Einsichten) erfolgt. Eine Umsetzung besteht – vereinfacht ausgedrückt – aus zwei Schritten:
- In einem ersten Schritt werden Erkenntnisse und Einsichten in Form eines konkreten Verhaltens im Alltagausprobiert.
- Der viel weniger beachtete zweite Schritt besteht darin, etwas zu tun, was dazu führt, dass das veränderte Verhalten im Alltag „verankert“ wird.
Meiner Beobachtung – und natürlich auch meiner persönlichen Erfahrung – nach bleiben wir oft beim ersten Schritt stehen. Das führt dazu, dass das neue Verhalten, die neue Erkenntnis, der gute Rat … zwar in der Praxis ausprobiert wird, sich möglicherweise sogar als erfolgreich herausstellt, aber schnell wieder in Vergessenheit gerät.
Was wir dringend brauchen, um Neues nachhaltig zu etablieren, sind sogenannte Anker. Ohne diese Anker „verpufft“ der Veränderungswille und im Sinne des „Eintagsfliegenphänomens“ erleben wir einen Misserfolg mit einer Verletzung unseres Selbstwertgefühls. Ich will es noch etwas überspitzen: Wenn wir nicht bereit sind, uns mit dem zweiten Schritt der Umsetzung zu befassen, können wir uns auch gleich fragen, wie ernst uns der Veränderungswunsch überhaupt ist.
Das Alarmsystem der Seele
Zum Glück haben wir eine Art „Alarmsystem der Seele“, das uns darauf hinweist, dass etwas nicht stimmt, dass etwas verändert werden will. Wir merken es an unserer Stimmung und an unserer Angstbereitschaft. Ich spreche hier bewusst nicht von Depressionen oder Angststörungen, weil es mir darum geht, genau diese leisen Veränderungen wahrzunehmen, die im Vorfeld, als Vorboten einer möglicherweise krankhaften und behandlungsbedürftigen Störung auftauchen. Genau darin steckt die große Chance: dass wir uns vorbeugend um leichtere Störungen unserer seelischen Befindlichkeit kümmern, ihre Botschaft entschlüsseln und entsprechend reagieren. Und ich gehe noch einen Schritt weiter: dass wir gar nicht erst auf diese Veränderungen „warten“, sondern uns durch persönliche Weiterentwicklung seelisch so fit halten, dass Beeinträchtigungen unserer Stimmung seltener auftauchen.
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