: Katrin Liebelt
: Endlich wieder gute Bilder Eine kleine Politsatire
: Heiner Labonde Verlag
: 9783937507842
: 1
: CHF 6.10
:
: Humor, Satire, Kabarett
: German
: 188
: Wasserzeichen
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
Raumschiff Berlin: Ein heiter-ironischer Blick auf das Alltagsgeschäft hinter den Kulissen der großen politschen Bühne - rein fiktiv natürlich ... Irgendwann war der Spuk, der die Welt und das politische Berlin in Atem gehalten hatte, vorbei. Es sollte endlich wieder richtig gute Bilder geben. Auch von Ministerin Dr. Roswitha Wanninger. Aber aus der generalstabsmäßig geplanten Homestory wird nichts: Statt guter Bilder gibt es eine unschöne Überraschung. Zeugin der Ereignisse ist auch die junge Redenschreiberin Mia Unruh. Nach dem Vorfall blickt Mia auf das vergangene Jahr zurück, in dem sie nicht nur privat, sondern auch beruflich großes Ungemach erleiden musste. Denn nach dem Wahldesaster für Mias Partei ist Frau Dr. Wanninger als neue Ministerin im Bundesministerium für Ernährung, Gesundheit, Lebensqualität und Nachhaltigkeit eingezogen und führt es seitdem mit eiserner Hand. Mia ist nur eines der Opfer des neuen Führungsstils. Ein Racheakt scheint vorprogrammiert. Und doch bleibt bis zum Schluss die spannende Frage, wer den wichtigsten Termin des Jahres verhagelt hat.

Die Autorin: Die Historikerin und Politikwissenschaftlerin Katrin Liebelt wurde 1967 in Arnsberg im Sauerland geboren. Sie lebt und arbeitet in Berlin. Einen Hund hat sie nicht. »Endlich wieder gute Bilder« ist Katrin Liebelts dritter Roman. Schon der erste Roman »Im Norden ein Licht« (2012) erschien im Labonde Verlag.

Homestory, Oktober


Frau Ministerin blickte frohgemut in die Kamera, ganz wie es die Öffentlichkeit und der politische Freund und Feind von ihr gewohnt waren. Das Kinn in die Höhe gereckt, mit hochgezogenen Brauen und strahlendem Lächeln. Das blonde Haar fiel frisch geföhnt und locker auf die schmalen Schultern. Diese steckten heute statt in einem dunkelblauen Blazer über einer hellblauen oder rosa Bluse in einem dem Anlass angemessenen rustikalen Karohemd. Dazu trug Frau Dr. Roswitha Wanninger eine sportliche Leinenhose und flache Schuhe. Ihr Gatte hielt sich vornehm im Hintergrund. Er überragte seine Frau und die beiden fast erwachsenen Töchter um Haupteslänge und blickte stolz auf die Seinen herab.

Die Ministerin plauderte mit den anwesenden Journalistinnen und Reportern und erzählte freimütig, wie sehr sie sich darauf freue, am Nachmittag auf dem nahen Golfplatz an ihrem Handicap zu arbeiten. Am Abend wollte sie mit Mann und Töchtern einen langen Spaziergang über die ausgedehnten Wiesen und Felder unternehmen, die ihr Vater über die Jahre in den Besitz der Familie gebracht hatte. Das Anwesen hatte nichts gemein mit der bayerischen Hofstelle, die der Alte in den fünfziger Jahren von einem studierten, aber praxisuntauglichen Agrarökonomen aus Westfalen übernommen und dann mit Fleiß und Willenskraft auf Vordermann gebracht hatte. Heute gehörte der Vater der Ministerin zu den vermögendsten Landwirten Oberbayerns. Dass ein Spross der Familie in die Politik ging und im fernen Berlin den Interessen der Milch- und Ackerbauern eine starke Stimme gab, war logische Folge dieser Erfolgsstory.

Bevor die Ministerin in ihre Golfkleidung wechseln und ein paar Bälle schlagen konnte, musste der generalstabsmäßig vorbereitete Fototermin über die Bühne gebracht werden. Schließlich hatte der Herrgott vor das Vergnügen die Arbeit gestellt.<