: Edit Engelmann
: Vom Licht ins Leben Der Kreislauf von Leben und Tod
: Begegnungen - Verlag für Natur und Leben
: 9783946723653
: 1
: CHF 11.70
:
: Lebensführung, Persönliche Entwicklung
: German
: 172
: Wasserzeichen
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
Im Zusammenhang mit dem Tod stellen sich für uns Menschen Fragen über Fragen. Während unseres gesamten Lebens gibt es immer wieder Momente, die uns direkt oder indirekt mit dem Tod konfrontieren und zu einer Auseinandersetzung mit dem Thema drängen. Wenn wir es zulassen macht es uns nachdenklich ... Wie ist das Sterben wirklich? Kommt etwas danach, wie es viele Religionen und Mythen erzählen? Gibt es eine Reinkarnation? Gibt es mehr als ein Leben? Was passiert nach dem Tod? Wie ist das Leben - oder Sein - nach dem Tod? Wie schlimm ist Sterben? Was sind Seelen? Was ist Bewusstsein? Was sind Geister? Edit Engelmann ist diesen Fragen und den Antworten darauf für Sie nähergekommen: 'Wenn ich es vorher nur theoretisch wusste, jetzt weiß ich es sozusagen praktisch und aus eigener Erfahrung: Im Himmel ist die Hölle los ...'

Edit Engelmann wurde 1957 in Eschwege geboren, wo sie auch aufwuchs, die Schule besuchte und die ersten beruflichen Schritte machte. Mehr als 30 Jahre arbeitete sie als Leiterin von Marketing- und Kommunikationsabteilungen im In- und Ausland. Abgesehen von einem anspruchsvollen wie ebenso befriedigenden Berufsleben genoss sie es während dieser Zeit ausgesprochen, neue Kulturen, Denkweisen und Lebensstile kennenzulernen und ausprobieren zu können. Reisen, das Entdecken und Erleben sowie das Sammeln von neuen Erfahrungen gehören auch heute noch zu ihren Leidenschaften. Ihrem Umzug nach Griechenland und der politischen Diskutierfreude ihrer Freunde ist es zu verdanken, dass ihre ersten Bücher 'Krise, Krise - Schulden am Olymp', 'Zitronen aus Hellas' und die imaginäre Gerichtsverhandlung 'Scherben vor Gericht' auf den Markt kamen. Sie arbeitet heute als Schreibcoach und Lektorin, übersetzt Bücher, bringt weitere Geschichten und Bücher auf den Markt, hilft Studenten bei ihren Bachelor- und Masterthesen mit Korrekturen und Kommentaren und arbeitet als Herausgeberin verschiedener Märchen- sowie Koch- und Erlebnisbücher. Zudem ist sie mit Kurzgeschichten in einigen Anthologien vertreten und schreibt hin und wieder Artikel. Edit Engelmann ist Mitglied in diversen Vereinen sowie Initiatorin und Organisatorin des Griechisch-Deutschen Lesefestivals, was in regelmäßigen Abständen in Deutschland und Griechenland stattfindet

Wie ich dazu kam, mich mit diesem Thema zu beschäftigen


    Als Erstes durfte ich die Augen schließen und mit sachter Stimme führte sie mich zurück. Was habe ich gestern gemacht? Letzte Woche? Wie war es, als ich mein Schuldiplom erhielt? Der Tag der Einschulung?

    Bis dahin waren es normale Erinnerungen. Nur plastischer und direkter als sonst. Während eine Erinnerung sonst eher zweidimensional ist, war diese intensiv fühlbar. Hören, fühlen, schmecken, sehen, riechen. Sie konnte wieder mit allen Sinnen erfasst werden und wurde nicht nur aus einem Speicher als Erinnerung abgerufen.

   Jetzt ging ich zurück zum Zeitpunkt meines letzten Todes. Das sagt mir die Stimme, die ich schon längst nicht mehr als die meiner Freundin wahrnehme. Es hätte inzwischen die Stimme eines jeden Beliebigen sein können. Ich war auch nicht mehr neugierig oder gespannt, ob ich etwas zu sehen bekommen würde und wie so eine Rückführung denn wäre. Alles, was mich jetzt noch umfangen hielt, war Ruhe. Einfache, schlichte Ruhe. Stille. Da war nicht einmal mehr ein Gedanke, der sich verstohlen hereinzuschleichen versuchte. Ich folgte der Stimme.

    Plötzlich kam eine Erinnerung, wie zuvor die an meine Schulzeit. Ich stehe in einem Wohnzimmer. Ich wusste einfach, dass ich es war. Ich bin ein Mann. Noch nicht alt. Vielleicht Mitte vierzig. Ich bin in einem hölzernen Haus. Es ist klein. Wenn man hereinkommt, ist man sofort im Wohnzimmer. Von dort geht eine Treppe nach oben. Am Treppenabsatz steht ein kleines Kind in einem weißen, bodenlangen Nachthemd. Sie hält etwas im Arm. Es ist meine Tochter. Rechts von der Treppe steht eine Frau in der Küchentür. Ihr Gesicht kann ich nicht sehen. Im Gegenlicht wirkt sie wie ein dunkler Schatten. Sie steht bewegungslos da und schaut zu mir herüber.

Szenenwechsel.

    Jetzt liege ich im Wasser. Mit dem Gesicht nach unten. In meinem grauen Wollanzug schwimme ich oben auf dem breiten Fluss. Ich bin ein Fährmann. Die Stange halte ich noch in der rechten Hand. Ich sehe mich selbst von oben. Angst habe ich keine. Ich bin ganz ruhig und schaue neugierig auf meinen Körper, der vom Strom weitergetragen wird.

    Zwei riesige Vögel kommen, greifen mich unter den Armen und ziehen mich nach oben weg. Ich will nicht mit. Ich will erst noch sehen, was mit dem schwimmenden Mir passiert. Aber die Vögel nehmen mich mit. Ich schaue nach hinten rechts und links, um die Vögel zu sehen. Ein violetter Schein schimmert um sie herum. Sie sind stark und mächtig. Sie fühlen sich gut an. Sie halten mich warm und fest. Auf einmal verstehe ich. Ich bin tot. Gestorben. Dort unten ist nur noch mein Körper, der Körper des Fährmanns, der davon treibt. Während ich selbst woanders hingehe.

    Die Vögel tragen mich bis zu einem Tunnel und ziehen mich dort hinein. Der Tunnel ist dunkel und ich habe ihn schnell passiert. Die Vögel, die mich zum Tunneleingang brachten, sind nicht mehr da. Ich bin allein. Allein in einem unglaublich großen, schwarzen Raum. Alles ist leer. Einfach ein riesiges, großes, seltsamerweise quadratisches Nichts unendlichen Ausmaßes. In einer Ecke ist eine Gruppe mit drei hellen und mehreren dunklen Gestalten. Sie haben Angst und kauern dicht aneinander. Sie wollen, dass ich zu ihnen komme. Aber ich will nicht. Ich kenne diese Gestalten von irgendwo. Ich mag sie. Sie tun mir so unendlich leid, wie sie dort stehen und leiden. Ich wünschte, ich könnte ihnen helfen. Aber ich weiß, dass ich mich nicht zu ihnen stellen will. Es geht doch weiter. Zu einem schöneren Ort. Ich versuche, sie zu überreden mitzukommen. Aber sie wollen nicht. Ich bekomme nicht einmal eine Antwort. Sie schauen mich nur angstvoll aus großen schwarzen Augenhöhlen an. Ich lasse sie dort. Wende mich ab. Gehe weiter.

Szenenwechsel

    Ein Baum. Dort steht ein riesiger Baum. Ein dicker Stamm und ein unglaubliches Astgewirr. Es ist wohl Winter, denn der Baum trägt keine Blätter. Jetzt kommt ein strahlendes Licht hinter dem Baum zum Vorschein, was stärker und stärker scheint. Es ist ein gleißendes Licht. So hell und fluoreszierend habe ich es noch nie gesehen. Es wärmt nicht, aber es fühlt sich unglaublich wohl und gut an. Ich fühle – ich weiß – ich bin wieder zu Hause.

   So erlebte ich meine eigene, erste kurze Rückführung, die dem Workshop zum Leben und Tod vorange