4. SEBASTIANS RINGEN MIT SEINEM GEWISSEN
Henrik von Herbst meinte auch noch, er wisse, dass er in ein paar Tagen seinen 18. Geburtstag hatte und es ihm deshalb umso schwerer fiel, ihm das zu sagen. Sein Vater und seine Mutter waren bei einem Flugzeugunglück ums Leben gekommen. Die beiden waren gerade auf der Rückreise eines gemeinsamen Ski-Urlaubs gewesen und kamen in eine Schlechtwetterfront. Sein Vater, der den Privat-Jet flog, wusste von dem aufkommenden Unwetter, aber da er meinte, er sei ein erfahrener Pilot und da er außerdem am nächsten Tag ein wichtiges Meeting hatte, wollte er den Flug nicht verschieben. Jedoch verlor er die Kontrolle im Schlechtwetter und stürzte über den Alpen ab. Aufgrund des Wetters konnten die beiden erst zwei Tage später geborgen werden. Es wurde jedoch festgestellt, dass sie bereits beim Absturz ums Leben gekommen waren und auch sofortige Rettungsmaßnahmen zu spät gekommen wären.
Nun griff Sebastian wirklich zum Cognac, obwohl er eigentlich so gut wie nie trank. Irgendwie fühlte er sich schuldig, weil er sich von seinen Eltern hatte trennen wollen, aber doch nicht auf so eine Weise!
Henrik von Herbst ließ Sebastian nun ein paar Minuten, um das Ganze sacken zu lassen. Danach entschuldigte sich Henrik bei Sebastian dafür, dass er erst so spät von diesem tragischen Unglück erfuhr, jedoch wollte man ihn nicht beunruhigen, bevor man nicht gewusst hatte, was mit seinen Eltern geschehen war.
Sebastian hörte eingedeicht nur noch Stimmen. Das Gesprochene rauchte an seinen Ohren vorbei, ohne dass ehr wahrnahm, was gesprochen wurde. War er Schuld am Tod seiner Eltern? Hatte er sich nicht vielleicht doch ein bisschen gewünscht, seine Eltern wären nicht mehr da? Dann wäre das Leben ja so viel einfacher für ihn. Hatte er sie vielleicht unbewusst umgebracht, indem er sich wünschte, er wäre frei von ihnen? Von den Vorschriften seines Vaters, wie er sein Leben zu führen