: Peter Jäger
: Die Sehnsucht des Puppenspielers Eine Novelle über Kinderspaß und Lebensträume
: Kadera-Verlag
: 9783948218195
: 1
: CHF 6.10
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: Erzählende Literatur
: German
: 176
: kein Kopierschutz
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
Das Gute siegt! Das ist die Botschaft an die Kinder. Kita-Erzieherin Lilo hat den pädagogischen Wert des Kasperspiels erkannt, macht mit und verliebt sich in Puppenspieler Michael, dessen Lebenserfahrung fast zwei Jahrzehnte reicher ist. Viel zu alt für dich, urteilen Lilos Freundinnen. Es knirscht in den Beziehungen und in den Lebensträumen. Michael wünscht sich ein reifes Publikum, möchte mit seinen Puppen in die Theater-Liga; gemeinsam mit Lilo.

Es war eine Odyssee durch viele Berufe, die der 1940 in Stettin geborene PETER JÄGER durchreiste. Im Hamburger Hafen packte er ebenso zu wie in einer Druckerei. Als Bankangestellter fühlte er sich mit Schlips und Anzug overdressed und entdeckte seine Berufung als Lokalreporter und und freier Journalist. Doch die Lust am Schreiben war mit der Zeitung nicht gesättigt, so schrieb er Kinderbücher: »Vierbeiner auf Probe«, »Die Wiese gehört uns!« Bei der historischen Recherche zu Stadtteil-Chroniken reifte die Idee des Hamburg-Romans »Kalte Wasser«. Es folgten moderne Engel-Märchen und mit »Eddie will leben« der zweite Roman, in dem der technische Wandel einer Branche zur Herausforderung neuer Lebensplanungen wird. - Peter Jäger lebt in Quickborn in unmittelbarer Hamburg-Nachbarschaft.

Wo die Liebe hinfällt

Es ist fast noch Nacht, kurz nach sieben Uhr, doch in der Kindertagesstätte »Zwergenburg« herrscht ein hektisches Durcheinander. Mütter und Väter eilen mit ihren Lieblingen über den Flur in die Gruppenräume. Die Zeit sitzt ihnen im Nacken, der Job ruft. Und hier, in der festen Burg für Kinder, übernehmen geschulte Erzieherinnen den Staffelstab, helfen beim Ausziehen der Jacken und Anziehen der leichten Turnschuhe, verteilen Streicheleinheiten an Jungen und Mädchen, die noch nicht ganz wach sind oder am liebsten mit Mutti zur Arbeit gegangen wären.

Lilo und Doris beginnen ihren Dienst erst eine Stunde später, wenn auch die Kinder der »Gleitzeitmütter« eingetroffen sind. Sie leiten die Elementargruppe der drei- bis sechsjährigen »Katzenpfoten«. Diese sanft klingende Bezeichnung warnt davor, dass die Jungen und Mädchen schon mal die Krallen ausfahren, wenn ihnen etwas nicht passt. Aber diese kleinen Stressmomente gehören zum Kita-Alltag.

Die beiden Freundinnen haben trotzdem ihren Spaß beim Spiel mit den Kindern, die dabei auch den freundlichen Umgang miteinander lernen und erste Freundschaften schließen. Denn das ist vielleicht das Wichtigste im Leben. So geht der Vormittag wie im Spiel vorüber – und alle haben ein bisschen hinzugelernt.

Lilo arbeitet nur halbtags. Zur Mittagszeit verabschiedet sie sich frohgelaunt. Und das hat seinen besonderen Grund, denn draußen steigt sie in ein wartendes Fahrzeug, schnallt sich nicht an, sondern legt ihren Kopf in die Arme eines Mannes, genießt sogar dessen leidenschaftliche Küsse.

»Nun sieh dir das an«, sagt Doris in erstaunter Entrüstung zu sich selbst. Nicht, dass sie ihrer Freundin nachspionieren wollte – nein, nur eine Weile entspannend aus dem Fenster ins Grüne gucken wollte sie. Und nun das! Wer ist so unverschämt, eine Mitarbeiterin vor ihrem Kindergarten zu vernaschen? In ihrem Kopf dreht sich ein Gedanken-Karussell. Denn sie hat den schwarzen Zopf des Mannes erkannt und weiß Bescheid: Michael, der Puppenspieler Juckipucki, den alle Kinder lieben, bei dem auch die Erzieherinnen blanke Augen bekommen, wenn er mit lockeren Sprüchen flachst. Na klar, er ist der gewiefte Verführer, und Lilo seine ahnungslose Auserwählte!

Dabei kann Doris nicht entspannen. Diese Beobachtung muss sie dringend unter die Leute bringen. Sie eilt zu Sabine, lockt sie mit einem Fingerzeig aus ihrer Hort-Gruppe auf den Flur und kann gar nicht so schnell reden, wie sie es erzählen möchte: »Wir sind ja alle etwas verknallt in Michael, aber wieso greift er sich Lilo? Kannst du das verstehen? Bei dem krassen Altersunterschied? Das kann nicht gutgehen!«

Sabine findet nicht, dass Lilos Flirt schon eine Festlegung für die lange Strecke bis zur Rente sein muss. »Erstmal genießt sie das Prickeln. Und außerdem ist das doch ihre Sache!«

Das sieht Doris anders. Als sie im Flur auf Kita-Leiterin Andrea Löwe trifft, nimmt sie den nächsten Anlauf. Doch die ist beschäftigt, winkt ab, ohne richtig hinzuhören. »Sei mir nicht böse, ich muss was kopieren. Und lass die Ohren nicht hängen. Ihr versteht euch doch sonst so gut.«

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