Der Hausvermesser
(Das Arkham-Sanatorium, 2008)
War es Zufall? Vielleicht hatte ich es geträumt. War alles nur ein Traum, der stetig wiederkehrte? Ein böser und schlechter Traum, den mir der Alb, der während des Schlafes auf meiner Brust wachte, in den Kopf gepflanzt hatte?
Fest stand, wenn ich dies alles wirklich und wahrhaftig erlebt und es mit eigenen Augen gesehen hatte, mir dies wirklich widerfahren war, dann widerlegte es meinen Glauben an jeglichen Gott oder den Glauben an ein Jenseits, gleich welcher Art.
Eine bekannte Immobilienagentur beauftragte mich in einem Brief, ein Haus zu vermessen, das etwas weiter Abseits von Dunwich lag.
»Es ist ein sehr geräumiges und altes Anwesen«, hieß es darin, »schwer zugänglich in den Bergen gelegen, dessen Gesamtwohnfläche kaum geschätzt werden kann. Sie werden sicherlich einige Tage für diese Aufgabe benötigen, weswegen wir Sie dazu einladen, für die gesamte Dauer ihrer Arbeit auf Watheley-Castle bei freier Kost und Logis (neben Ihrem üblichen Honorar) zu wohnen.«
Es war absolut keine Frage, ob ich über dieses Angebot nachdenken musste und so nahm ich den Auftrag dankend an.
Die Fahrt dorthin erwies sich als beschwerlicher als von mir angenommen. Dunwich lag in Massachusetts, in den Vereinigten Staaten. Gleich nach Dean’s Corners, an der Kreuzung des Aylesbury Pike nahm ich eine Abzweigung und erreichte ein mir einsam erscheinendes Land. Die Straße stieg neben kaum bebauten Feldern immerwährend an und die Häuser machten auf mich einen alten, verwahrlosten Eindruck. Ich wagte es nicht, die wenigen, einfältigen Einheimischen zu fragen, ob ich auf dem richtigen Weg sei. Schließlich stieg die Straße noch weiter an, und über tiefen Wäldern konnte ich die Berge sehen, wobei sich in mir gleichzeitig ein Gefühl des Unbehagens breitmachte. Ich überquerte unsichere, morsche Holzbrücken und die Anzahl tiefer Schlaglöcher stieg kontinuierlich. Dann fiel der Weg wieder etwas ab, und ich fuhr lange Zeit, an mir unwirklich erscheinendem Marschland vorbei.
Aufgrund der schwülen Sommerhitze kurbelte ich mein Fenster runter und lauschte somit zwangsläufig dem unbeholfenen allabendlichen Schreien der Ziegenmelker, die sich meinem Sichtfeld entzogen, so als seien sie unsichtbar.
Dann war ich in Dunwich.
Ein beunruhigender Ort.
Die Häuser wirkten verlassen und gleichfalls verfallen, wie jene, die etwas außerhalb des Örtchens lagen. Ich erreichte einen alten, unsorgsam eingerichteten Kaufmannsladen, der mir nur deshalb auffiel, weil er von einer Kirche beherbergt wurde, deren Turm auf wundersame Weise geborsten war. Über alledem lastete ein Geruch von äonenalter Fäulnis und Pestilenz. Anders vermag ich diese Widerwärtigkeit gar nicht zu umschreiben.
Die Aufforderung, hierher zu reisen lag bereits eine Woche zurück und nun fand ich mich in einer Gaststätte ein, wo ich bei einem Glas Wein auf die Ankunft des Dieners wartete, der mich zu dem Anwesen geleiten würde. Der Erwartete erschien erst eine halbe Stunde nach der verabredeten Zeit, und so hatte ich bereits ein weiteres Glas bestellt, was ihn dazu bewog, sich zu mir zu setzen, ebenfalls etwas zu bestellen und ein paar Worte mit mir zu wechseln.
»Sie kommen also aus Arkham, ja?«, begann er das Gespräch, »und waren noch nie in dieser Gegend?«
Ich bed