Werden die Menschen ihre Beschäftigung verlieren?
Ich habe das Privileg, drei Monate als Krzysztof Michalski Fellow am Institut für die Wissenschaften vom Menschen zu verbringen und fühle mich geehrt, die diesjährige Jan Patočka Memorial Lecture halten zu dürfen. In diesen drei Wochen, die ich bis jetzt in Wien verbracht habe, hatte ich Gelegenheit, mehr über diese beiden bemerkenswerten Männer, Krzysztof Michalski und Jan Patočka, zu erfahren. Ihre Schriften hatten Einfluss auf das, was ich heute Abend vortragen werde. Sie beide haben das menschliche Bedürfnis hervorgehoben, sich in der Welt „zu Hause“ zu fühlen. Eine Gesellschaft, schrieb Patočka, ist zum Verfall bestimmt, führt sie durch ihre Funktionsweise „zu einem Leben im Verfallensein an etwas, das seinem Seinscharakter nach nicht menschlich ist“.1 In diesem Geist möchte ich die Auswirkungen der Technologie auf die menschliche Existenz und insbesondere auf Arbeit erörtern. Macht die Technologie den Menschen als Produzenten von Wohlstand und Bedeutung materiell und spirituell überflüssig?
Für eine optimistische Beantwortung dieser Frage wende ich mich John Maynard Keynes zu. In seinem Essay aus dem Jahr 1930, „Wirtschaftliche Möglichkeiten für unsere Enkelkinder“, führt Keynes aus, dass der technologische Fortschritt so viel zusätzlichen Wohlstand erzeugen würde, dass wir in 100 Jahren oder sogar in noch kürzerer Zeit die Arbeitszeit auf 15 Wochenstunden be