1. Kapitel
Um deutlicher zu schildern, was in Roslogi vorging, müssen wir ein wenig zurückgehen bis zu jener Nacht, in welcher Skrzetuski Rzendzian aus Kudak mit Briefen an die alte Fürstin schickte. Rzendzian bestieg das Boot, welches Grodschizki von Kudak aus sandte, um Pulver zu holen, und machte sich auf den Weg; die Reise ging langsam, denn man fuhr gegen den Strom. Bei Krementschuk stießen sie auf die Heere, welche unter der Führung Krschetschowskis und Barabasch' standen und von dem Hetman dem Chmielnizki entgegengeschickt worden waren. Rzendzian sprach mit Barabasch und erzählte ihm gleich, welche Gefahren seinem Herrn Skrzetuski von der Reise nach der Sitsch drohten. Er bat daher den alten Hauptmann, er möchte, wenn er mit Chmielnizki zusammenträfe, nicht versäumen, dringend die Herausgabe des Gesandten zu fordern. Dann reiste er weiter.
Nach Tschechryn kamen sie beim Morgengrauen. Hier wurden sie bald von den Wachtposten umringt, welche fragten, wer sie wären; sie antworteten, sie kämen aus Kudak und hätten Briefe von Herrn Grodschizki an die Hetmane. Trotzdem rief man den Ältesten und Rzendzian aus dem Boote heran, damit sie sich vor dem Hauptmann verantworteten.
»Vor welchem Hauptmann?« fragte der Älteste.
»Vor Herrn Loboda,« antworteten die Esauls von den Posten, »welchem der Großhetman befohlen hat, alle von der Sitsch nach Tschechryn Kommenden anzuhalten und auszuforschen.«
Sie gingen. Rzendzian schritt kühn einher, denn er erwartete nichts Böses, da er sah, daß die Macht des Hetmans schon bis hierher reiche. Man führte sie unweit des Glockengäßchens in das Haus des Herrn Selenski, wo das Quartier des Hauptmanns Loboda war. Aber hier wurde ihnen gesagt, daß der Hauptmann in aller Frühe nach Tscherkessien geritten sei, und daß der Oberstleutnant ihn vertrete. Sie warteten also ziemlich lange, bis sich die Tür öffnete und der erwartete Oberstleutnant im Zimmer erschien.
Bei seinem Anblick fuhr Rzendzian zusammen.
Es war Bohun.
Die Macht des Hetmans erstreckte sich zwar noch über Tschechryn, aber weil Loboda und Bohun bisher noch nicht zu Chmielnizki übergegangen waren, vielmehr offenkundig der Republik anhingen, hatte der Großhetman gerade sie in Tschechryn stationiert und ihnen die Wache anbefohlen.
Bohun nahm an dem Tische Platz und begann die Ankömmlinge auszuforschen.
Der Älteste, welcher die Briefe Grodschizkis mit sich führte, sprach für sich und Rzendzian. Nachdem der junge Oberstleutnant die Briefe betrachtet hatte, begann er sorgfältig auszufragen, was in Kudak vorgehe. Er hatte offenbar große Lust, zu erfahren, wozu Grodschizki an den Großhetman Menschen und Boote sende. Aber der Älteste konnte ihm darauf keine Antwort geben, und die Briefe waren mit dem Siegel des Herrn Grodschizki geschlossen. Bohun hatte sie ausgeforscht und wollte sie eben fortschicken und in die Tasche greifen, um ihnen ein Trinkgeld zu geben, als sich die Tür öffnete und Herr Sagloba stürmisch ins Zimmer stürzte.
»Höre, Bohun,« rief er, »der Verräter Dopula hat den besten Doppelten verheimlicht; ich gehe mit ihm in den Keller – und sehe: Heu über Heu in dem Winkel. Was ist das? frage ich trocken. Heu, sagte er. Ich schaue näher zu; ei, sieh, da blickt ein Flaschenhals heraus, wie der Tatar aus dem Steppengrase. O, so bist du, mein Söhnchen, sage ich, teilen wir uns die Arbeit, du frißt das Heu, denn du bist ein Ochs, und ich werde den Met trinken, denn ich bin ein Mensch. Da habe ich ein Fläschchen mitgebracht zur Probe, gib nur die Becher her.«
Plötzlich hielt Sagloba inne – er hatte Rzendzian erblickt –, stellte die Flasche auf den Tisch und sagte:
»Ei, bei Gott, das ist ja der Bursche des Herrn Skrzetuski.«
»Wessen?« fragte Bohun hastig.
»Des Herrn Skrzetuski, des Statthalte