2. Kapitel
Als Herr Skrzetuski den nächsten Tag früh in Tschechryn eintraf, nahm er Quartier im Hause des Fürsten Jeremias, wo er sich eine Zeitlang aufhalten wollte, um die Leute und Pferde nach der langen Reise aus der Krim, welche infolge des hohen Wasserstandes und der starken Strömung des Dniepr, die eine Fahrt mit Flußkähnen stromaufwärts durchaus unmöglich machten, also zu Lande gemacht werden mußte, verschnaufen zu lassen. Skrzetuski selbst pflegte sich eine Weile, dann erst ging er zu Herrn Sazwilichowski, dem früheren Kommissarius des Freistaates, welcher ein guter Soldat, wenn auch nicht in Diensten des Fürsten Jeremias, doch ein vertrauter Freund Skrzetuskis war. Der Statthalter war begierig zu hören, ob für ihn keine Dispositionen aus Lubnie gekommen waren. Der Fürst hatte nichts Besonderes hinterlassen. Er hatte dem Statthalter sagen lassen, daß für den Fall, daß die Antwort des Khans eine günstige wäre, er langsam heimkehren solle, damit Pferde und Menschen möglichst geschont würden. Die Angelegenheit mit dem Khan war aber folgende: Es handelte sich um die Bestrafung einiger schwarzer Tataren, welche sich widerrechtlich in seine Hinter-Dnieprschen Besitzungen eingedrängt, und welche er selbst schon tüchtig zusammengehauen hatte. Der Khan hatte auf seine diesbezüglichen Klagen wirklich eine günstige Antwort gegeben. Er hatte versprochen, die Ungehorsamen zu strafen, im April einen besonderen Gesandten zu schicken, und da ihm daran lag, sich die Geneigtheit eines so berühmten Kriegers, wie der Fürst war, zu erwerben, so sandte er demselben durch Herrn Skrzetuski ein Pferd edelster Rasse. Skrzetuski war froh, längere Zeit in Tschechryn verweilen zu können, nachdem er seine Botschaft so ehrenvoll durchgeführt hatte, eine Botschaft, deren Zweck allein schon eine ehrenvolle Auszeichnung für ihn war. Dafür war Herr Sazwilichowski sehr bekümmert um das, was seit einiger Zeit in Tschechryn vorging. Sie gingen also zusammen zu dem Walachen Dopula, welcher in der Stadt eine Ausspannung und Weinstube hielt, und dort trafen sie trotz der frühen Stunde eine Menge Adlige, denn es war Markttag. Außerdem hielten an diesem Tage in Tschechryn zahlreiche Viehherden Rast, welche in das Lager des Kronenmilitärs getrieben wurden, was wieder eine Ansammlung von vielen Fremdlingen mit sich brachte. Die Adligen nun versammelten sich am Markte in dem sogenannten Glockenviertel bei Dopula. Es waren dort Pächter der Koniezpolski, Tschechryner Beamte, und Besitzer privilegierter polnischer Ländereien, unabhängiger seßhafter Adel, ferner landwirtschaftliche Beamte, einige Kosakenhauptleute und polnischer Kleinadel, teils in Stellungen, teils auf eigenen Höfen lebend.
Die einen wie die anderen nahmen die Bänke längs der langen eichenen Tische ein, sich laut unterhaltend von der Flucht Chmielnizkis, welche in der Stadt große Bewegung hervorgerufen hatte. Skrzetuski und Sazwilichowski setzten sich abseits in einen Winkel, und der Statthalter fing an zu fragen, wer denn dieser Chmielnizki sei, daß alle von ihm sprächen.
»So wißt Ihr das nicht?« antwortete der alte Soldat. »Es ist der Schreiber der Saporogen-Regimenter, der Besitzer von Subotowo und – setzte er leiser hinzu – mein Gevatter. Wir kennen uns schon lange. Manche Not haben wir gemeinschaftlich durchgemacht, immer erreichte er sein Ziel, was er besonders bei Cecora bewies. Einen in Militärsachen erfahreneren Menschen gibt es kaum noch in der Republik. Man darf nicht laut davon sprechen, aber das ist ein echter Führer, ein kluger, willensstarker Mensch; ihm gehorcht das gesamte Kosakenvolk mehr als allen Hauptleuten und Feldherren. Er ist ein Mensch, welchem auch Tugenden nicht fehlen, aber stolz, unruhig, und wenn Haß ihn befällt, so kann er erschreckend grausam sein.«
»Was ist ihm denn geschehen, daß er aus Tsc