: Henryk Sienkiewicz
: Mit Feuer und Schwert. Historischer Roman in vier Bänden. Band III Der Krieg
: apebook Verlag
: 9783961302765
: 1
: CHF 2.70
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: Historische Romane und Erzählungen
: German
Die Reihe MIT FEUER UND SCHWERT Erleben Sie schwer gepanzerte Husaren im Kampf gegen stolze Kosaken und wilde Tataren! Epische Schlachten vor 400 Jahren, in einem Königreich des Ostens, von dem kaum jemand etwas weiß. Und mittendrin: das Schicksal zweier Verliebter, die in den Wirren des Krieges nicht zueinander finden. Als historischer Liebesroman steht MIT FEUER UND SCHWERT Werken wie 'Ivanhoe' von Sir Walter Scott oder 'Die drei Musketiere' von Alexandre Dumas in nichts nach. Und als ernsthafter historischer Roman kann die Tetralogie durchaus mit 'Krieg und Frieden' von Tolstoi konkurrieren. Henryk Sienkiewicz ist einer der großen Erzähler der Belletristik und erhielt für sein episches Schaffen den Nobelpreis für Literatur. Der Historische Roman umfasst über 1000 Seiten und liegt hier in einer überarbeiteten Neuauflage als Tetralogie vor. Dieses ist der dritte von vier Bänden. Der Umfang des dritten Bandes entspricht ca. 250 Buchseiten. Die Reihe DAS ÖSTLICHE KÖNIGREICH Die Tetralogie MIT FEUER UND SCHWERT ist die erste eigenständige Sequenz der übergeordneten und insgesamt 13 (bzw. 17) Teile umfassenden Reihe DAS ÖSTLICHE KÖNIGREICH, die aus drei solcher eigenständigen Sequenzen besteht: MIT FEUER UND SCHWERT (4 Teile), DIE SINTFLUT (6 Teile) und RITTER WOLODYJOWSKI (3 Teile). Darüber hinaus kann die eigenständige vierteilige Reihe DIE KREUZRITTER, die im 14. und 15. Jahrhundert spielt, als chronologisches Prequel von DAS ÖSTLICHE KÖNIGREICH betrachtet werden. Insgesamt etwa 5.000 Seiten voller Abenteuer, Tragik, Liebe und Heldentum.

1. Kapitel


In einer hellen Nacht bewegte sich am rechten Ufer der Waladynka in der Richtung nach dem Dniestr zu ein Reitertrupp.

Die Reiter ritten sehr langsam, fast Schritt für Schritt, vorwärts. An der Spitze, ein Stück den anderen voraus, ritten zweie gleichsam als Vorhut, aber sie hatten augenscheinlich keine Ursache, wachsam zu sein, denn, anstatt die Gegend im Auge zu behalten, unterhielten sie sich die ganze Zeit über miteinander; indem sie alle Augenblicke die Pferde anhielten, sahen sie zurück nach dem Reste des Zuges, und dann sagte immer einer von ihnen:

»Langsam dort! Langsam!«

Und dann bewegte sich der Zug noch langsamer, er schob sich kaum vorwärts.

Endlich, als er hinter einem Hügel vorgekommen war, welcher ihn in seinen Schatten gehüllt hatte, kam der Zug auf einen Platz, welchen das Mondlicht hell übergoß, und nun konnte man verstehen, warum er sich so langsam fortbewegte. In der Mitte der Karawane trugen zwei nebeneinandergehende Pferde eine an ihre Sättel befestigte Sänfte, in welcher eine Gestalt lag. Die Silberstrahlen des Mondes beleuchteten ihr blasses Gesicht mit den geschlossenen Augen.

Hinter der Sänfte ritten zehn Bewaffnete. An den fähnchenlosen Spießen konnte man Kosaken erkennen. Einige führten Saumpferde, andere ritten lose, aber so wenig die beiden voraus Reitenden die Gegend zu beachten schienen, so unruhig und furchtsam blickten jene nach allen Seiten hin. Und dennoch schien die Gegend eine völlige Einöde zu sein.

Die Stille wurde nur durch den Hufschlag der Pferde und den Ruf des einen der vorderen Reiter unterbrochen, welcher von Zeit zu Zeit die Warnung wiederholte:

»Langsam! Vorsichtig!«

Schließlich wandte er sich an seinen Begleiter:

»Ist es noch weit, Horpyna?« fragte er.

Der Begleiter, welchen er Horpyna nannte, und welcher ein riesenhaftes, als Kosak verkleidetes Mädchen war, sah nach dem bestirnten Himmel und antwortete:

»Nicht mehr weit. Vor Mitternacht sind wir dort. Wir passieren jetzt den Grenzpaß, dann die tatarische Ebene, und dahinter sind wir gleich in der Teufelsschlucht. O! Es wäre gefährlich, sie zwischen Mitternacht und dem ersten Hahnenschrei zu passieren; ich darf es, aber für Euch wäre es schlimm.«

Der erste Reiter zuckte die Achseln.

»Ich weiß,« sagte er, »daß der Teufel mit dir verbrüdert ist, aber es gibt Mittel gegen seine Macht.«

»Teufel oder nicht Teufel, Mittel gibt es nicht,« entgegnete Horpyna. »Wenn du, Falke, in der ganzen Welt ein Versteck für deine Prinzeß suchtest, ein besseres würdest du nicht finden. Hier hindurch kommt nach Mitternacht niemand, außer mit mir, und die Teufelsschlucht hat noch kein Menschenfuß betreten. Will jemand sich wahrsagen lassen, so bleibt er vor der Schlucht stehen und wartet, bis ich herauskomme. Fürchte nichts. Dahin kommen weder Lechen noch Tataren oder sonst wer, niemand findet sie. Die Teufelsschlucht ist gruselig, du wirst es sehen.«

»Mag sie so gruselig sein, als sie will; ich sage dir, ich komme, so oft ich die Lust verspüre.«

»Wenn du nur am Tage kommst,« entgegnete die Horpyna.

»Ich werde kommen, wann es mir gefällt. Und stünde der Teufel selbst quer vor der Schlucht, so fasse ich ihn an den Hörnern.«

»Ei, Bohun! Bohun!«

»Ei, Donzowna, Donzowna, sorge du dich nicht um mich. Ob mich der Teufel holt oder nicht, dein Werk wäre das nicht, aber das sage ich dir: wirtschafte du mit deinen Teufeln, soviel du willst, wenn nur der Prinzeß kein Leid geschieht, denn passiert ihr etwas, so ist kein Teufel und kein Gespenst imstande, dich meinen Händen zu entreißen.«

Die Unterhaltung brach ab, man hörte nur den Hufschlag auf den Steinen und gewisse