: Henryk Sienkiewicz
: Die Sintflut. Band III Historischer Roman in sechs Bänden
: apebook Verlag
: 9783961302840
: 1
: CHF 2.70
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: Historische Romane und Erzählungen
: German
Die Reihe DIE SINTFLUT Die sechsbändige Reihe DIE SINTFLUT spielt vor dem blutigen Hintergrund der schwedischen Invasion in das polnisch-litauische Commonwealth in den Jahren 1655-1657. Der wilde junge polnische Soldat Andrzej Kmicic, der sich mit mörderischen Wüstlingen und Verschwendern umgibt, wird zum Verrat verleitet. Doch seine Liebe für die temperamentvolle Alexandra (Olenka) bringt ihn schließlich auf den richtigen Pfad und inspiriert ihn zu seiner zielstrebigen Mission: der Verteidigung seines Mutterlandes. DIE SINTFLUT ist eine Liebesgeschichte zwischen einem Mann und einer Frau, und auch eine Liebesgeschichte zwischen Männern und ihrem Land. Es ist auch eine Geschichte von Täuschung und Verrat und von Loyalitäten, die gehalten und gebrochen werden. Es ist eine meisterhafte Mischung aus Geschichte und Vorstellungskraft, die sowohl ganze Nationen als auch Einzelpersonen zeigt, die in erschütternde Ereignisse verwickelt sind und um ihr Leben kämpfen und sich selbst durch ihre eigenen Verpflichtungen wiederentdecken. Dieses ist der dritte von sechs Bänden. Der Umfang des dritten Bandes entspricht ca. 300 Buchseiten. Die Reihe DAS ÖSTLICHE KÖNIGREICH Die sechsbändige Reihe DIE SINTFLUT ist die zweite eigenständige Sequenz der übergeordneten und insgesamt 13 (bzw. 17) Teile umfassenden Reihe DAS ÖSTLICHE KÖNIGREICH, die aus drei solcher eigenständigen Sequenzen besteht: MIT FEUER UND SCHWERT (4 Teile), DIE SINTFLUT (6 Teile) und RITTER WOLODYJOWSKI (3 Teile). Darüber hinaus kann die eigenständige vierteilige Reihe DIE KREUZRITTER, die im 14. und 15. Jahrhundert spielt, als chronologisches Prequel von DAS ÖSTLICHE KÖNIGREICH betrachtet werden. Insgesamt etwa 5.000 Seiten voller Abenteuer, Tragik, Liebe und Heldentum.

1. KAPITEL


 

Der treue Soroka ritt mit dem Oberst auf der Bahre durch dichte Wälder; er wußte selbst nicht, wohin er gehen und was er beginnen sollte. Kmicic lag noch immer in tiefer Ohnmacht.

Von Zeit zu Zeit rieb ihm Soroka das Gesicht mit einem nassen Tuche ab, er machte an Bächen und Waldseen Halt, um den Oberst durch kaltes Wasser wieder zu sich zu bringen; aber alles vergeblich. Er lag wie tot da, und die noch weniger erfahrenen Soldaten als Soroka fingen an, sich zu beunruhigen, ob er nicht tatsächlich tot wäre.

»Er lebt,« antwortete Soroka auf alle Fragen, »in drei Tagen wird er wie wir alle wieder im Sattel sitzen.«

Nach geraumer Zeit kam Kmicic wirklich zu sich und verlangte zu trinken. Soroka gab ihm die Feldflasche, doch es war ihm vor Schmerzen nicht möglich, den Mund zu öffnen. Seine weitgeöffneten Augen sahen wie abwesend in das Waldesdickicht und auf seine Soldaten. Er fragte nach nichts und machte den Eindruck eines Menschen, der aus starker Trunkenheit erwacht und sich auf nichts mehr besinnt. Er stöhnte auch nicht, als Soroka den Verband wechselte. Starkes Fieber hatte ihn befallen, trotz der Kälte brannten seine Hände. Er begann, einzelne verworrene Sätze auszustoßen:

»Euer Durchlaucht ˗ zwischen uns auf Leben und Tod.«

Es fing an ganz dunkel zu werden, und Soroka dachte besorgt daran, wo sie ein Nachtlager finden würden, denn schon mehrere Stunden ritten sie über einen Sumpf, der noch immer kein Ende nehmen wollte. Plötzlich drang der Geruch von Rauch und Teer zu den Reitern.

»Wahrscheinlich liegt eine Teersiederei in der Nähe,« sagte Soroka.

Wirklich zeigte sich rötlicher Rauch in der Ferne. Beim Näherkommen sah Soroka eine Hütte, einen Brunnen und eine große, aus Kiefernbalken gezimmerte Scheune vor sich stehen. Die erschöpften Pferde fingen bei diesem Anblick an froh zu wiehern; frohes, vielstimmiges Wiehern antwortete ihnen aus der Scheune. Ein Mann in einem Schafpelze, dessen Pelzseite nach außen gekehrt war, kam von der Scheune her.

»Hört mal, ist das hier eine Teersiederei?« fragte Soroka.

»Was seid ihr für Leute und woher kommt ihr?« fragte der Mann mit einer Stimme, die Schrecken und Staunen zugleich ausdrückte.

»Fürchte nichts, wir sind keine Räuber.«

»Geht eures Weges, ihr habt hier nichts zu suchen!«

»Halte dein Maul und führe uns in die Hütte; siehst du denn nicht, daß wir einen Verwundeten bei uns haben?«

»Aber erst antworte, wer seid ihr?«

»Nimm dich in acht, daß du keine Antwort aus dem Gewehre erhältst. Führ' uns in die Hütte. Gib uns zu essen und Schnaps. Wir tragen hier einen Pan, der alles bezahlen wird.«

In der Hütte brannte ein Feuer im Ofen, und aus den Töpfen stieg der Duft von geschmortem Fleisch empor. Das Zimmer, in das sie der Teersieder geführt hatte, war ziemlich groß. Soroka bemerkte sogleich, daß an den Wänden sechs Betten standen, die mit Schaffellen bedeckt waren.

»Hier wohnt irgend eine Bande,« flüsterte der Wachtmeister seinen Leuten zu. »Schüttet frisch Pulver auf und seid auf der Hut! Paßt gut auf den Bauer auf, daß er uns nicht entwischt. ˗ Und du,« sagte er zum Sieder, »schütte schnell Fleisch für uns auf die Schüssel, wir sind sehr hungrig. Und spare keinen Hafer für unsere Pferde!«

Die Soldaten legten den schlafenden Pan Andreas auf eins der Betten und setzten sich schnell an den Tisch.

Soroka, der in einer Kammer neben dem Zimmer Schnaps fand, trank nur sehr wenig davon, denn er wollte die ganze Nacht über Wache halten. ˗ Die leere Hütte mit den sechs Betten schien ihm verdächtig. Er hielt sie für ein Räubernest, umsomehr, als er in der Kammer viele Waffen, Pulver und allerlei Geräte fand, die anscheinend aus den Häusern der Schlachta geraubt waren. Soroka beschloß, sich der Hütte zu bemächtigen und sich durch Waffengewalt oder friedliche Verhandlungen fürs