Vorwort des Autors
Eine Möglichkeit, einen Lebensweg zu beschreiben, wäre, ihn als Abfolge von Begegnungen mit unterschiedlichen Gewässern zu schildern – als die Zeitspanne, die man im, am, unter oder auf dem Wasser verbringt, unterbrochen von Perioden, in denen man überlegt, wo, wann und wie man das nächste Gewässer erreicht. Mein erstes Gewässer war natürlich das Fruchtwasser im Mutterleib, als ich ein Embryo war. Mein letztes – so stelle ich es mir zumindest im Moment vor – wird wohl der Pazifik sein, in den meine Asche gestreut werden soll. Dazwischen hatte ich das Privileg, mich von vielerlei Teichen, Becken, Flüssen, Flaschen, Tümpeln, Seen, Bächen, Eimern, Wasserfällen, Baggerseen, Wannen, Sprühregen, Ozeanen, Wolkenbrüchen und Pfützen faszinieren lassen zu können.
Als ich klein war, fuhren meine Eltern mit mir in den Ferien in die Karibik. Die Bilder dieser Urlaubsreise wirken so vertraut, dass ich noch immer spüre, wie es damals war, am Strand zu sitzen, direkt am Ozean, und lächelnd in die Sonne der Bahamas zu blinzeln. Kurz nach dieser Reise, vor meinem dritten Geburtstag, hatte ich einen lebhaften Traum, der vom bevorstehenden Kinderfest handelte. Im Traum saßen wir alle um einen runden Tisch unter dem Pfirsichbaum in unserem Garten. Jeder bekam ein Geschenk. Wir tranken Tee, und am Boden der Teetassen befanden sich eiserne Figürchen. Dann wurden wir alle ganz klein und die Tassen riesengroß, so dass wir darin auf den Grund tauchen und unser Geschenk holen konnten. Mein Freund Steve bekam einen Rennwagen. Rusty einen Hund. Ich bekam einen Schwarzbären, der auf allen vier Beinen stand. Ich fand diesen Traum toll – so toll, dass ich ihn jede Nacht vor dem Einschlafen nachzuträumen versuchte. Und jedes Mal, wenn ich einen Bären, ein Spielzeugauto oder einen Hund sah, dachte ich an meinen Traum. Das ging monate- und jahrelang so, mit Träumen und Tagträumen. Ich habe diesen Traum heute noch.
Mit fünf Jahren wollte ich mehr über meine Adoption wissen. Jede Frage führte zu neuen Fragen und schließlich zu einer besessenen Beschäftigung mit den Grundlagen der menschlichen Erblehre. Im selben Jahr bekam ich eine schwere Rückenmarks-Meningitis und lag im Krankenhaus. Dadurch wurde ich neugierig auf mein eigenes Nervensystem und schließlich sehr vertraut damit. Meine Adoptivmutter war Krankenschwester, und Texte und Handbücher aus ihrer Ausbildungszeit wurden zur Heiligen Schrift meiner Kindheit. Naturwissenschaft, Forschung, Medizin und Heilberufe schlugen Wurzeln in meinem Geist.
In der Highschool zog ich mich an den Wochenenden am liebsten mit nichts weiter als einer Packung Kekse, einer Angelrute und Pjotr Iljitsch Tschaikowski mit dem Kanu aufs Wasser zurück. Ob die Fische nun bissen oder nicht, es war ein großartiger Ausbruch aus dem Alltag, des Nachts einsam so dahinzutreiben.
Einige Jahre später, als Collegestudent an der DePauw University, begann ich mich in meinen Naturwissenschaftskursen ernsthaft zu fragen, warum mir Gewässer so wichtig waren. Auf meinen Entdeckungsreisen zu den vielen Bächen, Flüssen und Seen des Mittleren Westens fing ich, eher zufällig allerdings, auch an, das menschliche Gehirn zu entdecken. In meinem zweiten Studienjahr am College gab ich im Rahmen freiwilliger Sozialarbeit in einem örtlichen Pflegeheim Gitarrenunterricht und musizierte acht Monate lang jeden Mittwochnachmittag mit Barbara Daugherty, einer Patientin. Sie hatte fünfzehn Jahre zuvor bei einem Autounfall ihr Gedächtnis – und mit ihm auch ihre Gitarrenkenntnisse – verloren. Der Musikunterricht brachte ihr lange verlorene Erinnerungen zurück, die, einmal in Gang gebracht, oft weiterflossen. Das Pflegepersonal war beeindruckt. Ich auch, und ich war neugierig. Am College versuchte ich, mehr über den Zusammenhang von Musik und Gehirn zu erfahren, ohne viel Erfolg. Heutzutage würde eine einzige Internet-Suchanfrage genügen, um einen unüb