Würde des Menschen
SpamAssassin
Das Überleben der digitalen Technologien hängt von Anfang an in hohem Maße auch von ihrem Tötungsinstinkt ab. Diese Gleichung gilt schon für die Emailkommunikation, die nie erfolgreich gewesen wäre ohne die Lösung des Spam-Problems. Der berühmte Algorithmus, der hier früh für Ordnung sorgte, heißt „SpamAssassin“. Ein martialischer Name für einen Filter, der das Rauschen im neuen Kommunikationsmedium durch die Trennung der erwünschten von der unerwünschten Post reduzieren soll. Ein passender Name, denn am Ende geht es von Anfang an immer genau darum: Was überlebt und wer nicht.
Die Müllbeseitigung ist das erste Übungsfeld der künstlichen Intelligenz. Hier lernt die Software Muster zu erkennen und Objekte zu klassifizieren. Hier trifft sie Entscheidungen unter Aufsicht und schließlich auch ohne menschliche Kontrolle: erst in einer gleichen Situation, dann in einer ähnlichen. Alle aktuellen und künftigen Phantasien über intelligente Kühlschränke, autonome Autos, autarke Roboter und andere Formen der künstlichen Intelligenz, die heute die Öffentlichkeit begeistern oder beunruhigen, stammen vom Selbstlernmechanismus des Werbemüllmörders.1
Der jüngere Bruder des SpamAssassin ist der Todesalgorithmus, der in selbstfahrenden Autos im Notfall entscheidet, ob das Fahrzeug eher in eine Gruppe von Fußgängern oder auf ein Kind oder gegen eine Häuserwand fährt. Über diesen Todesalgorithmus gibt es inzwischen hitzige philosophische und auch schon juristische Debatten. Denn als sicher gilt: Das autonome Auto kommt, und wahrscheinlich noch vor den autonomen Waffen und den mechanischen Haustieren. Die Entwicklung ist politisch gewollt, da man zu Recht davon ausgeht, dass autonom fahrende Autos nicht nur die Fahrkosten und den Energieverbrauch drastisch senken werden, sondern auch die Zahl der Unfälle. Immerhin verfügt der Bordcomputer über die Fahrerfahrungaller Computer, verarbeitet viel mehr Info