: Roberto Simanowski
: Peter Engelmann
: Todesalgorithmus Das Dilemma der künstlichen Intelligenz
: Passagen Verlag
: 9783709250259
: Passagen Thema
: 1
: CHF 14.00
:
: Philosophie
: German
: 144
: Wasserzeichen
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
Algorithmen beherrschen die Welt, so hört man, heute schon und morgen noch viel mehr. Sie sitzen am Steuer selbstfahrender Autos und lenken mehr und mehr gesellschaftliche Prozesse. Wie programmieren wir sie und was passiert, wenn sie sich schließlich selbst programmieren? Die Angst ist so groß wie die Hoffnung und das moralische Dilemma. Dürfen Algorithmen im Ernstfall entscheiden, wer sterben muss? Wird die künstliche Intelligenz dem Menschen den freien Willen nehmen, ihn vor sich selbst schützen und zurück ins Paradies der Entscheidungslosigkeit befördern? Dieses Buch lädt ein zu einer philosophischen Spekulation über unsere Zukunft. Es handelt von den Aporien und Paradoxien der künstlichen Intelligenz. Es vagabundiert im Denken, verbindet das scheinbar Unverbundene und sieht am Ende in den Erfindern des Silicon Valleys nicht mehr und nicht weniger als die Geschäftsführer von Hegels Weltgeist.

Roberto Simanowski, geboren 1963, ist Kultur- und Medienwissenschaftler und seit 2020 Distinguished Fellow of Global Literary Studies im Excellence-Cluster 'Temporal Communities' an der Freien Universität Berlin. Für sein Buch"Todesalgorithmus. Das Dilemma der künstlichen Intelligenz" wurde er 2020 mit dem Tractatus-Preis des Philosophicum Lech ausgezeichnet.

Würde des Menschen


SpamAssassin


Das Überleben der digitalen Technologien hängt von Anfang an in hohem Maße auch von ihrem Tötungsinstinkt ab. Diese Gleichung gilt schon für die Emailkommunikation, die nie erfolgreich gewesen wäre ohne die Lösung des Spam-Problems. Der berühmte Algorithmus, der hier früh für Ordnung sorgte, heißt „SpamAssassin“. Ein martialischer Name für einen Filter, der das Rauschen im neuen Kommunikationsmedium durch die Trennung der erwünschten von der unerwünschten Post reduzieren soll. Ein passender Name, denn am Ende geht es von Anfang an immer genau darum: Was überlebt und wer nicht.

Die Müllbeseitigung ist das erste Übungsfeld der künstlichen Intelligenz. Hier lernt die Software Muster zu erkennen und Objekte zu klassifizieren. Hier trifft sie Entscheidungen unter Aufsicht und schließlich auch ohne menschliche Kontrolle: erst in einer gleichen Situation, dann in einer ähnlichen. Alle aktuellen und künftigen Phantasien über intelligente Kühlschränke, autonome Autos, autarke Roboter und andere Formen der künstlichen Intelligenz, die heute die Öffentlichkeit begeistern oder beunruhigen, stammen vom Selbstlernmechanismus des Werbemüllmörders.1

Der jüngere Bruder des SpamAssassin ist der Todesalgorithmus, der in selbstfahrenden Autos im Notfall entscheidet, ob das Fahrzeug eher in eine Gruppe von Fußgängern oder auf ein Kind oder gegen eine Häuserwand fährt. Über diesen Todesalgorithmus gibt es inzwischen hitzige philosophische und auch schon juristische Debatten. Denn als sicher gilt: Das autonome Auto kommt, und wahrscheinlich noch vor den autonomen Waffen und den mechanischen Haustieren. Die Entwicklung ist politisch gewollt, da man zu Recht davon ausgeht, dass autonom fahrende Autos nicht nur die Fahrkosten und den Energieverbrauch drastisch senken werden, sondern auch die Zahl der Unfälle. Immerhin verfügt der Bordcomputer über die Fahrerfahrungaller Computer, verarbeitet viel mehr Info