Donnerstag, 2. Mai 2019
Er sieht die Zeitung, die noch ungelesen auf dem Tisch vor ihm liegt. Ach, die sollte ich auch noch durchblättern. Sein Blick bleibt an der
Überschrift hängen, und viele Gedanken kommen in ihm hoch.
Die letzten vier Jahrzehnte waren von einer unglaublichen Durchmischung der Völker und Kulturen geprägt. Vielleicht wird man in dreihundert Jahren diese kurze Epoche mit „Zweite Völkerwanderung“ bezeichnen. Zu Beginn des 21. Jahrhunderts – der Alte erinnert sich; da war er gerade einmal 70 – kam es durch die Freizügigkeitsregeln in der Europäischen Union zu einer echten Völkergemeinschaft im Handel und am Arbeitsmarkt. Zusehends wurden die ehemaligen Gastarbeiter durch Arbeitskräfte aus Osteuropa verdrängt. Viele, vor allem Menschen aus den Balkanstaaten, gingen zurück in ihre Heimatländer, die in der Zwischenzeit einen höheren Standard erreicht hatten. Aber dann passierte das, was viele Menschen vorausgesehen hatten. Eine unglaubliche Häufung von kleinen politisch und religiös bedingten Kriegen im vorderasiatischen und im afrikanischen Raum führte zu massiven Flüchtlingsströmen ins „Gelobte Land“ Europa. Die von den Kolonialmächten einst ausgeraubten Gebiete in Afrika waren verödet. Die Landwirtschaft auf dem Niveau des europäischen Mittelalters. Mühsam und grausam wurde von den dereinst Rechtlosen und Unterdrückten versucht, demokratisc