: Henryk Sienkiewicz
: Quo Vadis? Band II Historischer Roman in drei Bänden
: apebook Verlag
: 9783961302529
: 1
: CHF 2.70
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: Historische Romane und Erzählungen
: German
Dieses ist der zweite von drei Bänden des monumentalen Werkes. Der Umfang des zweiten Bandes entspricht ca. 250 Buchseiten. Die QUO-VADIS?-Trilogie Anno 64 n. Chr.: Der dekadente Führungsstil Kaiser Neros lässt zunehmend Unruhe im Volke Roms aufkommen. Nero versucht, das Volk mit Brot und Spielen bei Laune zu halten. Dazu instrumentalisiert er die verbotene Glaubensgemeinschaft der Christen und lässt diese verfolgen und zur Belustigung des Volkes und Sicherung seiner Herrschaft als vermeintlich Schuldige auf grausame Art und Weise hinrichten. Vor diesem geschichtlichen Hintergrund trägt sich die wechselhafte und dramatische Liebesgeschichte zwischen dem römischen Tribun Vinicius und der schönen Christin Lygia zu. Sienkiewicz gelingt auf insgesamt knapp 700 Seiten eine authentische und eindrückliche Darstellung des Gegensatzes zwischen der Kultur des römischen Reiches und dem christlichen Glauben. »Quo Vadis?« war ein maßgeblicher Grund dafür, dass Henryk Sienkiewicz den Nobelpreis für Literatur erhielt. Das Meisterwerk liegt hier in einer Neuauflage als Roman-Trilogie vor.

KAPITEL I


Petronius an Vinicius.


»Es steht schlimm mit dir,carissime! Unzweifelhaft hat Venus dir den Sinn verwirrt und Verstand, Gedächtnis und die Fähigkeit geraubt, an etwas anderes als an die Liebe zu denken. Lies einmal, was du mir auf meinen Brief geantwortet hast, und du wirst daraus entnehmen können, wie gleichgültig du auf alles herabsiehst, was nicht Lygia ist, wie dein Denken sich nur mit ihr beschäftigt, immer wieder zu ihr zurückkehrt und sie gleichsam umkreist wie ein Falke die erschaute Beute. Beim Pollux! Finde sie schnell, sonst wird aus dir, soweit die Flamme dich nicht in Asche verwandeln konnte, ein ägyptischer Sphinx, der, wie man sagt, von Liebe für die blasse Isis ergriffen, taub und gleichgültig für alles ist und nur die Nacht erwartet, um mit versteinertem Auge nach der Geliebten zu schauen.

Durchstreife des Abends verkleidet die Straßen, besuche selbst in Begleitung deines Philosophen die christlichen Bethäuser. Alles, was Hoffnung erweckt und die Zeit totschlägt, ist lobenswert. Aber um meiner Freundschaft willen tu das eine: jener Ursus, der Sklave Lygias, ist anscheinend ein Mann von unglaublicher Körperkraft; dinge dir daher Kroton und gehe nur mit zwei Begleitern aus. Das wird sicherer und vernünftiger sein. Da Pomponia Graecina und Lygia zu den Christen gehören, so sind diese gewiß keine solchen Schufte, wie man allgemein annimmt; bei der Entführung Lygias haben sie aber den Beweis geliefert, daß, wenn es sich um ein Lamm aus ihrer Herde handelt, mit ihnen nicht zu spaßen ist. Wenn du Lygia erblickst, so weiß ich, du wirst dich nicht mäßigen können, sondern den Versuch machen, sie auf der Stelle fortzutragen. Wie solltest du dies aber allein mit Chilon fertig bringen? Kroton aber wird sich schon Rat wissen, selbst wenn zehn solcher Männer wie Ursus Lygia verteidigten. Laß dich von Chilon nicht ausbeuten, spare aber bei Kroton das Geld nicht. Von allen Ratschlägen, die ich dir geben kann, ist dies der beste.

Hier hat man bereits aufgehört, von der kleinen Augusta oder davon zu sprechen, daß sie infolge von Zauberei gestorben ist. Poppaea gedenkt ihrer noch zuweilen, aber des Caesars Geist ist mit etwas anderem beschäftigt; wenn es übrigens wahr ist, daß sich die göttliche Augusta wieder in anderen Umständen befindet, so wird auch bei ihr die Erinnerung an dieses Kind spurlos verschwinden. Wir waren jetzt einige Tage in Neapel oder vielmehr in Bajae. Wenn du noch an etwas zu denken vermagst, so muß ein Echo von unserer Lebensweise an deine Ohren gedrungen sein, denn ganz Rom spricht gewiß von nichts anderem. Wir begaben uns geradeswegs nach Bajae, wo uns anfangs Erinnerungen an die Mutter und Gewissensbisse befielen. Aber weißt du, wie weit es mit dem Rotbart schon gekommen ist? Daß selbst der Muttermord für ihn nichts anderes ist, als ein Stoff zu poetischer Behandlung und zum Vorwurf einer Tragikomödie. Früher fühlte er in der Tat Gewissensbisse, aber einzig und allein nur darum, weil er ein Feigling ist. Jetzt, wo er sich überzeugt hat, daß die Erde nach wie vor unter seinen Füßen feststeht und daß kein Gott an ihm Rache nimmt, heuchelt er sie nur, um das Volk durch sein Schicksal zu rühren. Manchmal springt er in der Nacht auf, da er sich von den Furien verfolgt glaubt – weckt uns, sieht sich scheu um und nimmt die Haltung eines Komödianten an, der die Rolle des Orestes spielt, und zwar eines schlechten Komödianten, deklamiert griechische Verse