: Thomas A. Vilgis
: Einfach essen! Gegen den Ernährungswahn in unseren Köpfen
: S.Hirzel Verlag
: 9783777628592
: 1
: CHF 22.20
:
: Naturwissenschaft
: German
: 100
: Wasserzeichen
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
Über Essen und Lebensmittel wird viel gesprochen, geschrieben und gesendet. Im Fernsehen auf Bühnen in Zeitungen wird mit einem bunten Allerlei über Essen geschwurbelt und leider oft auch bessergewusst. Die meisten Diskussionen werden leider ideologisch geführt. Was aber steckt wirklich dahinter? Wie viel von den Worten müssen wir wirklich glauben? Wo befinden sich die Trennlinien von Fakten und Esoterik, von Wissen und Glauben? lässt sich ein naturwissenschaftlich getriebener Leitfaden für Essen und Genuss erstellen, der kulturelle oder soziologische Aspekte keineswegs vernachlässigt. Gerade die Evolution lehrt uns die Ursprünge des Geschmacks.

Prof. Dr. Thomas Vilgis ist Physiker am Max-Planck-Institut für Polymerforschung in Mainz. Er leitet dort eine Arbeitsgruppe zur Theorie der Weichen Materie und eine experimentelle Gruppe zu »Soft Matter Food Physics«. Über seine Erfahrungen beim Kochen schreibt er in verschiedenen Medien und ist Mitherausgeber des Journal Culinaire. Bei Hirzel hat er bereits Die Molekül-Küche und Die Molekülchen-Küche veröffentlicht. Sein Credo: Kreativität ist sowohl in der Küche als auch in der Wissenschaft die Zutat Nummer eins.

Das erste Mal, als Essen in der Menschheitsgeschichte spannend wurde, ist etwa 4,5 Millionen Jahre her. Zu dieser Zeit kam für einen Teil der Menschenaffen der »Obstler« ins Spiel. Zuvor war die Nahrungsaufnahme sehr einfach. All das, was man auf dem Boden, an den Sträuchern und auf den Bäumen fand, wurde gegessen. Wurzeln, Beeren, Früchte. Alles, was unter strenger Begutachtung einer augenscheinlichen Prüfung standhielt, wurde gegessen. Vermutlich auch das eine oder andere Stück Aas, das Raubtiere in der Steppe zurückließen. Erste Versuche im Jagen folgten. Kleinstlebewesen, Insekten, Weichtiere, vielleicht Fische aus Gewässern. Das war’s. Friss oder stirb gleich. Die Natur war roh. Etwas anderes gab es nicht. Gemecker, Befindlichkeiten oder Sätze wie: »Das mag ich nicht!« gab es nicht. Die Menschenaffen hatten nur ein Ziel: den nächsten Tag überleben und den Nachwuchs über die Runden bringen. Die Nährstoffdichte der Lebensmittel war gering. Wurzeln aus der Erde, »Urzeitgemüse«, unreife Beeren und harte Früchte sind je nach Zustand schwer verwertbar. Besonders bei Wurzeln und Blättern verbergen sich die Nährstoffe tief im Inneren der Zellen. Bei stärkereichen Wurzeln, wie sie erst im späteren Paläolithikum verarbeitet und gegessen w