KAPITEL 1
Besuch von den Großmüttern
»Der Große Rat der Großmütter erschien,
um der Frau ihre Selbstgewissheit wiederzugeben.«
Es schien ein normaler Herbsttag zu sein. Ich wollte einen Spaziergang machen. Wieder so ein klarer Septembermorgen; es war früh, gegen sieben Uhr, und ich hatte den Hund dabei. Nun, da die Sommertouristen weg waren, war die Stadt wieder ruhig und friedlich.
Die Stille, die über der Stadt lag, war genauso nachdenklich wie ich. Seit Tagen überlegte ich, wie es mit meinem Leben weitergehen sollte, und als mir dies so durch den Kopf ging, zog der Hund wieder einmal an der Leine und zerrte mich über den Pacific Coast Highway zum Strand. Wir näherten uns dem Fußweg unterhalb der Klippen, als plötzlich eine Gruppe älterer Frauen vor uns auftauchte. Es war ganz seltsam. Sie waren einfach da.
Die Frauen scharten sich um mich und den Hund; dabei sprachen und gestikulierten sie lebhaft, und wie sie so miteinander lachten und sich zulächelten, winkten sie mir, mich zu ihnen zu gesellen. Ihre Stimmen waren um mich; sie riefen sich etwas zu, und kurz vernahm ich Fetzen eines Liedes, das sie sangen. Mit fröhlichem, mädchenhaftem Gelächter umringten sie mich.
Sie waren reizend, freundlich und so glücklich; ich bemerkte sofort ihre hübschen, offenen Gesichter. Aber aus der Nähe sah ich, dass sie Kleider trugen, die aus fernen Zeiten und von fremden Orten stammten. Ich starrte mit offenem Mund und versuchte zu verstehen, was los war, aber eine der Frauen mit langen grauen Haaren betrachtete mich mit einem so einladenden Lächeln, dass ich für einen Moment ihre Seltsamkeit vergaß.
Dann bemerkte ich, dass ich durch siehindurchschaute. Ich konnte die Bäume sehen, den Weg zum Strand und die Wellen des Ozeans, einfach durch ihre Körper hindurch. Ich schüttelte den Kopf, um wieder klar zu sehen, aber sie waren immer noch durchscheinend. Träumte ich?
Ich starrte sie weiter an und merkte, dass ich die Luft vom Meer riechen und das nasse Gras spüren konnte und die Risse des Bürgersteigs unter meinen Sandalen. In dem Moment winkte mir ein Nachbar zu, der jeden Morgen zur gleichen Zeit wie ich spazieren geht, und er sprach mich an, und ganz automatisch antwortete ich. »Oh, mein Gott«, dachte ich. Ich befand mich in zwei Wirklichkeiten. Das war einespirituelle Erfahrung, eine Vision. Ich hatte eine Vision!
Mein Mund wurde trocken, mir brach der Schweiß aus, und schnell versuchte ich, diese alten Frauen loszuwerden. Das muss ein Hirngespinst sein, nicht wahr? Was denn s