: Irene Widmer-Huber
: Zu viel allein ist ungesund Wege zu tragenden Beziehungen
: Mosaicstones
: 9783905290882
: 1
: CHF 6.10
:
: Lebensführung, Persönliche Entwicklung
: German
: 128
: Wasserzeichen
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
Wer kennt es nicht, das Gefühl des Alleinseins, mal subtil, mal quälend. Es lohnt sich, dieses Empfinden als Anstoß zu nehmen, sich aufzumachen zu neuen Beziehungen. Das Buch gibt Anregungen zum Umgang mit Einsamkeit, Wunschträumen und nervigen Artgenossen.

Irene Widmer-Huber ist Gemeindediakonin und Traumacoach und leitet mit ihrem Mann seit vielen Jahren eine christliche Gemeinschaft. Sie wohnt mit ihrer Familie im Gemeinschaftshaus Moosrain in Riehen, das sie mitgegründet hat. Mit ihrem Mann zusammen führt sie die Fachstelle Gemeinschaftliches Leben. Sie ist verheiratet und Mutter von drei erwachsenen Kindern.

2. Zu viel allein ist ungesund: Spannendes aus der Forschung


2.1 Das Beispiel Roseto


Es war Ende der Fünfzigerjahre an einem Ärztesymposium in Amerika. Ein Teilnehmer erzählte einem Kollegen eine beinahe unglaubliche Geschichte: Der Doktor war zuständig für ein kleines Dorf namens Roseto in Pennsylvania. Er bezeugte, dass es in seinem Ort kaum einen Bewohner unter 65 Jahren gäbe, der an einer Herzerkrankung leide. Da sich Herzprobleme in jener Zeit aber eben zu einer regelrechten Volkskrankheit entwickelten, war diese Beobachtung umso erstaunlicher. So wollte der Arztkollege dem eigenartigen Phänomen genauer auf die Spur kommen. Im Jahre 1961 machte er sich auf den Weg nach Roseto, analysierte das Dorf und seine Bewohner und kam zu verblüffenden Resultaten. Kaum jemand unter 55 Jahren war an einer Herzkrankheit gestorben. Bei den Älteren lagen die Erkrankungen um 50 % tiefer als in allen anderen Landesteilen. Auch sonst waren diese Menschen außerordentlich gesund, die Todesrate bei allen untersuchten Krankheiten lag in Roseto 35 % tiefer als im übrigen Amerika. Wie konnte man sich so etwas erklären?

Es lag sicher nicht an ihren Essgewohnheiten. Ihre »Scarpetti«, in Schweineschmalz gebratene Paprikaschoten, trieften vor Fett: Die Rosetonier waren für opulente Schlemmermahlzeiten weitherum bekannt. Viele waren übergewichtig, liebten den Wein und rauchten. Auch am Klima konnte es nicht liegen, waren doch die Bewohner der Nachbardörfer nicht weniger krank als der amerikanische Durchschnitt. Was also war das Geheimnis? Hier half ein Blick in die Geschichte: Die Bewohner aus Roseto waren italienischer Abstammung. Um 1882 waren sie aus Apulien ausgewandert, um in den Schieferbrüchen Pennsylvanias ihr Auskommen zu finden. Das gemeinsame Los hatte die Dorfgemeinschaft zusammengeschweißt: In den Straßen Rosetos sprach man noch immer italienisch, am Abend saß man zum Grillieren zusammen. Oft lebten mehrere Generationen unter einem Dach, die Großeltern genossen großen Respekt und man besuchte fleißig die Messen in der Kirche. Ein junger Pfarrer setzte sich dafür ein, dass eine lebendige Gemeinde entstehen durfte. Auch kulturell entstand vieles: es gab Läden und Restaurants und das 1600-Seelendorf zählte über 22 Vereine. Für alle war gesorgt, die sozialen Verbindungen waren tragfähig, jeder fühlte sich zugehörig. Freud und Leid wurde miteinander geteilt.

1974 titelte »Die Zeit« einen Artikel über Roseto mit: »Ende eines Wunders«. Das Dörfchen konnte sich dem gesellschaftlichen Wandel nicht entziehen. Viele Männer hatten im weiteren Umkreis der Siedlung besser bezahlte Arbeit gefunden. Die Einkommen stiegen – damit aber auch die sozialen Unterschiede: nicht alle konnten sich die teuren Hobbies der Wohlhabenderen leisten, denen sie außerhalb der Dorfgemeinschaft nachgingen. Die Zeit der Folkloreveranstaltungen mit allen war vorbei. Es wurde gesch