2. Kann, muss aber nicht: Methoden und Techniken als „Sahnehäubchen“ für Ihren Text
Beim Tagebuchschreiben geht es in erster Linie um das Aufschreiben von Erlebnissen, Erinnerungen, Überlegungen und Gefühlen. Welche Form diese Einträge haben, ist zweitrangig. Wichtig ist das absichtslose Sich-ausdrücken-Können ohne Zensur im Kopf. Wenn dies gelingt, gelingt alles. Methoden und Techniken, wie sie in diesem Kapitel vorgestellt werden, sind für das Tagebuchschreiben deshalb vergleichbar mit der Schlagsahne auf der Nachspeise: gut, aber nicht unabdingbar.
Dieses Kapitel wird wahrscheinlich vor allem Schreibende interessieren, die schon seit längerer Zeit ein Tagebuch führen und auf der Suche nach neuen Formen sind. Oder auch Schreibende, die gerne mit der Sprache experimentieren. Es kann lustvoll sein, die Gedanken eines hingeworfenen Rohtextes nochmals aufzunehmen und dann zu versuchen, das Thema von einer anderen Seite her zu beleuchten, um vielleicht so auf neue, ungewohnte Aspekte zu kommen. Dieser Prozess ist vergleichbar mit einem Bild, das nach einer Skizze entsteht. In der Skizze ist zwar schon alles vorhanden, um die Stimmung darin zu erfassen, und man könnte sie in die Skizzenmappe legen. Man könnte sie aber auch als Vorlage für ein neues Bild nehmen. Doch egal, ob gezeichnet oder geschrieben: Es werden vor allem die Skizzen sein, die inhaltlich etwas hergeben, an denen wir noch dranbleiben möchten.
Wenn wir uns mit verschiedenen Schreibtechniken beschäftigen, dann besteht eine Möglichkeit auch darin, sich von Texten anderer Autoren inspirieren zu lassen und dann die eigenen Gedanken aufs Papier zu bringen. Es gibt aber auch Zeiten, da fehlt die innere Ruhe, um vollständige Sätze zu formulieren. Hier sind schnelle, das Gehirn entlastende Techniken gefragt, wie etwa Listen und Elfchen.
Nutzen Sie dieses Kapitel als Anregung, verschiedene Techniken auszuprobieren, um herauszufinden, was Ihnen Freude macht. Es geht jedoch nicht darum, die Form vor den Inhalt zu stellen.
2.1 Intuitives Schreiben
2.1.1 Automatisches Schreiben
Gefühle und Einfälle aufschreiben, völlig unzensiert und ohne Eingreifen des kritischen Ichs – das ist die Methode des automatischen Schreibens. Im Paris der 1920er-Jahre nutzten die Surrealisten André Breton und Philippe Soupault diese „écriture automatique“. Sie haben stundenlang ohne jede Kontrolle der Vernunft drauflos geschrieben und so Seite um Seite gefüllt.
Auch in den USA kennt man diese Technik als Instrument des kreativen Schreibens. Sie wird dort „Free Writing“ genannt, ein Begriff, der auch in unseren Sprachraum gekommen ist.
Anleitung: Automatisches Schreiben
Diese Methode hilft:
- bei Schreibblockaden, Angstgefühlen, Befürchtungen, nicht schreiben zu können,
- bei Unlustgefühlen („Ich sollte endlich beginnen“),
- als Aufwärmübung.
Texte aus automatischen Schreibübungen sind „Ro