Türen öffnen
Vor jeder Tür
Schmutz von Holzsandalen.
Es ist wieder Frühling.
Issa (1763–1827)7
In Japan stehen einige der weltweit ältesten Holzbauten, darunter auch viele traditionelle Wohnhäuser. Wenn auch vielen dieser Bauten eine strenge Eleganz eigen ist, so sind sie doch nicht immer unbedingt das, was man »schön« nennt. Es ist aber nicht so sehr die minimalistische Anmutung oder die gefällige Schlichtheit deswabi-sabi, die ich daran als spezifisch japanisch empfinde. Es ist vielmehr die Art und Weise, wie jeder einzelne Raum, jedes einzelne Möbelstück darin als praktische Übung in Vorbedacht und Planung gelten kann, als Trachten nach Gleichgewicht – mit der Natur, mit den Rhythmen des familiären Lebens und mit der Harmonie des Hauses selbst.
Lassen Sie mich Ihnen nun einige zentrale Chōwa-Grundsätze vorstellen, die sich von den Holzbalken, den papierbespannten Schiebetüren namensshōji, denTatami-Bodenmatten und den täglichen Abläufen ableiten, die aus einem japanischen Haus ein Heim machen. Das sind Lektionen darüber, wie wir in unseren Häusern leben, aber auch darüber, wie wir dem Ort, an dem wir leben, etwas zurückgeben. Letzteres verlangt von uns, dass wir unserem Zuhause unsere Dankbarkeit mit Mitteln bezeigen, die Sie zunächst vielleicht als verwunderlich empfinden: die Toilette zu putzen, einen Raum für einen unerwarteten Gast schön herzurichten, unsere Wäsche zu trocknen, ein Bad zu nehmen oder nach Hause zu kommen.
Einige der Schlüssellektionen des Chōwa, zu deren Reflexion ich Sie hier anregen möchte, sind:
- Achte die Rhythmen deines Heims. Ich möchte, dass Sie sich Gedanken machen, was jeder Raum möglicherweise braucht, welchen tieferen Sinn Ihre täglichen Verrichtungen tatsächlich haben könnten. Wenn wir uns darauf besinnen, was unser Heim von uns braucht, können wir lernen, uns in unserem Zuhause wirklich daheim zu fühlen.
- Bring dein Zuhause in Harmonie mit der Natur. Beim Chōwa geht es darum, dass wir die Welt so nehmen, wie sie ist. Das heißt, wir müssen Mittel und Wege finden, uns mit dem Auf und Ab, den Gezeiten des Daseins zu versöhnen. Wir müssen Alter und Vergänglichkeit akzeptieren. Wir müssen akzeptieren, dass uns aus heiterem Himmel ein Unglück widerfahren kann. Ich werde Ihnen aber auch einige Möglichkeiten vorstellen, wie Sie die Welt der Natur in Ihr Alltagsleben hereinholen können.
Wabi-sabiundChōwa – was ist der Unterschied?
Das japanische Haus übt seit Jahrhunderten