Tag eins
KONTAKT
1. Land der verlorenen Grenzen
Ein Mann stand mit seinem Feldstecher am Straßenrand, auf einem Hügel über einem kleinen Ort in Arizona. So begann alles – an einem kalten Winterabend.
Lieutenant Roger Shawn hatte sicher Schwierigkeiten mit seinem Feldstecher. Das Metall muss kalt gewesen sein, und sein pelzgefütterter Anorak und die dicken Handschuhe behinderten ihn zusätzlich. Außerdem beschlugen die Linsen von seinem Atem, der im Mondschein dampfte. Er war gezwungen, das Glas immer wieder mit einem Handschuhfinger abzuwischen.
Er kann nicht gewusst haben, wie sinnlos sein Tun war. Kein Feldstecher der Welt konnte in diesen kleinen Ort hineinsehen und seine Geheimnisse lüften. Lieutenant Shawn wäre verblüfft gewesen zu hören, dass die Männer, denen das schließlich gelang, dazu Instrumente benutzten, die millionenfach stärker waren als ein Feldstecher.
Wenn man sich vorstellt, wie Shawn seine Arme auf einen Felsblock stützte und das Glas an die Augen presste, dann geht von diesem Bild etwas Trauriges aus, etwas Lächerliches, Menschlich-Allzumenschliches. Der Umgang mit dem Feldstecher war zwar schwierig, doch fühlte der Lieutenant ihn in seinen Händen wohl als etwas Beruhigendes und Vertrautes. Es sollte eine seiner letzten vertrauten Empfindungen vor dem Tode sein.
Wir können nur raten und versuchen zu rekonstruieren, was von diesem Augenblick an geschah.
Lieutenant Shawn suchte den Ort langsam und gründlich ab. Er sah, dass er nicht groß war und nur aus einem halben Dutzend hölzerner Gebäude bestand, aufgereiht an der einzigen Straße. Alles war sehr ruhig – kein Licht, keine Bewegung; auch der schwache Wind trug keinen Laut an sein Ohr.
Seine Aufmerksamkeit verlagerte sich von dem Ort auf die Hügel ringsum. Sie waren niedrig, staubbedeckt und kahl. Da und dort wuchsen ein paar karge Büsche, hin und wieder ragte eine einzelne, welke, schneeverkrustete Yuccapalme auf. Dahinter lagen weitere Hügel, dann kam die endlose Weite der flachen, wegelosen Mojave-Wüste. Die Indianer nannten die Wüste das Land der verlorenen Grenzen.
Lieutenant Shawn fröstelte im kalten Wind. Der Februar ist hier der kälteste Monat, und es war schon nach zehn Uhr abends. Er ging die Straße entlang, zurück zu dem Ford Econovan mit der großen rotierenden Antenne auf dem Dach. Das leise Brummen des Motors im Leerlauf war das einzige Geräusch, das er hörte. Shawn öffnete die Tür an der Rückseite des Wagens, kletterte hinein und schloss sie wieder hinter sich.
Er wurde in das tiefrote Licht der Nachtbeleuchtung getaucht, die dafür sorgen sollte, dass er nicht geblendet wurde, wenn er ins Freie trat. Die Reihen der Instrumente und elektronischen Geräte schimmerten grünlich.
Der Soldat Lewis Crane, sein Elektroniktechniker, saß, ebenfalls in einen Anorak gehüllt, über eine Landkarte gebeugt. Er stellte Berechnungen an und las dabei gelegentlich die Skalen der Geräte vor ihm ab.