: Daisy Waugh
: Die tote Lady Ein Herrenhaus-Krimi
: Goldmann
: 9783641264482
: 1
: CHF 8.90
:
: Krimis, Thriller, Spionage
: German
: 352
: Wasserzeichen
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
Mit 93 Jahren muss Sir Ecgbert Tode of Tode Hall die irdischen Gefilde verlassen - zur Erleichterung seiner erheblich jüngeren Frau Emma. Die frisch gebackene Witwe träumt von einem stilvollen Lebensabend auf Capri und hat nicht das geringste Interesse, sich um das marode Herrenhaus zu kümmern. Unglücklicherweise will auch keines ihrer lästigen drei Kinder diese Bürde übernehmen, weshalb Tode Hall an einen entfernten Verwandten und dessen glamouröse Ehefrau vererbt wird. Doch nicht lange, nachdem diese eingezogen sind, findet man Lady Todes Leiche im Mausoleum. Und ihr Tod war alles andere als natürlich ...

Daisy Waugh, die Enkelin des britischen Schriftstellers Evelyn Waugh, ist Autorin und Tarotkartenlegerin. Sie hat eine Reihe von Romanen sowie diverse Sachbücher, Zeitungsartikel und Kolumnen verfasst. Zusammen mit ihrer Familie lebt sie in Barnes, South West London. Mit 'Die tote Lady' hat sie eine Reihe von humorvoll-nostalgischen Kriminalromanen um die skurrile britische Landadelfamilie von Tode Hall begonnen.

Zwei


Doch zuerst zur Beisetzung.

Ecgbert und Emma Todes Kinder Nicola, Ecgbert und Esmé (dreiundfünfzig, einundfünfzig respektive neunundvierzig Jahre alt) hatten schon viele Jahre keine gemeinsame Zeit mehr unter dem Dach von Tode Hall verbracht. Dafür gab es zahlreiche Gründe. Nicola war leidenschaftliche Sozialistin. Ihrer Ansicht nach war jeglicher Besitz Diebstahl, weswegen sie sich zutiefst für ihr Elternhaus schämte und sich davon fernhielt. Ecgbert – nun natürlich Sir Ecgbert, der zwölfte Baronet – weilte als »Gast« in einer privat geführten Luxusnervenheilanstalt ganz in der Nähe, während Esmé mit Frau und Familie in Australien lebte. Bei Letzterem spielten also die geografischen Gegebenheiten eine Rolle. Doch hauptsächlich trafen sie sich weder hier noch unter irgendeinem anderen Dach, weil sie einander nicht sonderlich mochten.

So hatten sie nun viele Auseinandersetzungen nachzuholen. In der vergangenen Woche, in der die sterbliche Hülle ihres Vaters in der Kapelle am hinteren Ende des Hauses aufgebahrt gewesen war, hatten sie sich ohne Unterlass gestritten: während sämtlicher Mahlzeiten und auch in den langweiligen Pausen dazwischen. Sie zankten sich über Politik, Religion, den Namen von Nicolas zweitem Pony, darüber, was Mrs Carfizzi ihnen zum Abendessen kochen würde, und vor allen Dingen über jedes noch so winzige Detail der Bestattung ihres Vaters.

Trotz Lady Todes Versprechen am Sterbebett ihres Gatten stellte sich heraus, dass der moderne Leichenwagen es nicht ohne zu schlittern durch das nasse Gras des Parks schaffen würde, weshalb die Familie sich schließlich darauf einigte, den Sarg (aus Ökopappe – worüber man sich selbstverständlich auf unsägliche Weise stritt) auf einen Anhänger zu laden und besagten Anhänger (wieder Gezänk) nicht an Lady Todes praktischem und überdies dem Anlass sehr viel angemessenerem schwarzem Range Rover zu befestigen, sondern am Traktor des Anwesens, der in leuchtendem Orange erstrahlte.

Der orangefarbene Traktor und der schmutzige Anhänger mitsamt biologisch abbaubarem Sarg aus Karton sollten den stattlichen Trauerzug von traditionell knapp einem halben Kilometer durch den Park anführen, beginnend am Großen Nördlichen Tor, an dem Lady Tode, Familie und Gäste nun warteten, dann am See vorbei, hinauf zum Africa Folly (ein kleiner, ziemlich beschwerlicher Umweg, der jedoch einen eindrucksvoll pittoresken Ausblick bot) und schließlich wieder hinunter durch das Feld, auf dem für gewöhnlich Ochsen grasten, und zu den Toren des Mausoleums.

Lady Tode würde unmittelbar hinter dem Anhänger hergehen, begleitet von ihren Kindern und gefolgt von allen anderen: von Freunden (einige), Beschäftigten des Anwesens, Hauspersonal und Pächtern (viele) sowie Trauernden (keine).

Angesichts der Länge des Fußmarschs vom Haus zum Mausoleum und (es war Frühherbst in Yor