1
An diesem Sonntag Ende Februar lag schon der Frühling in der Luft. In der Sonne war es angenehm warm, und dass das Blau des Himmels noch etwas winterlich blass war, sah man erst hinterher auf den Fotos. In ganz Porto hielt es niemanden in seinen vier Wänden. Ob als Paar oder allein, ob als ganze Familie, ob mit Hund oder ohne – alles flanierte in der Mittagssonne dahin, und wo immer auf den Café- und Restaurantterrassen ein Tisch frei wurde, war er im Nu wieder besetzt. Auf den Strandpromenaden in Foz do Douro genoss man den Blick übers Meer und das Schauspiel der rauschenden Brandung, zwischen den Säulen der Pergola hielten sich die ersten verliebten Paare umschlungen. Andere bummelten unter den hohen Palmen des Passeio Alegre und die Uferwege am Rio Douro entlang, manche fuhren auch mit dem Fahrrad oder kurvten auf Skateboards zwischen den Spaziergängern hindurch.
Auch an der Ribeira, der Uferzone der Altstadt, war alles entschlossen, diesen geschenkten Frühlingstag zu genießen, schlenderte entspannt an den Kaimauern dahin, hörte den Straßenmusikern zu, fuhr mit Ausflugsbarkassen auf dem Douro hin und her oder saß beim Mittagessen unter den weißen Sonnenschirmen und Markisen.
An einem der Tische saß auch Carlos Brandão, ein Mann von Mitte dreißig, Ingenieur beim Städtischen Bauamt, mit seiner Frau und ihren beiden Kindern. Alle vier aßen eine Francesinha, wie sie es sonntags gerne taten. Sie alle liebten diese Sandwich-Ungetüme, die mit Käse überbacken und dann heiß in tiefen Tellern mit Spezialsoße serviert wurden. Auf die Soße kam es ganz besonders an, und sie bewerteten sie jedes Mal nach einem familieneigenen Punktesystem.
Carlos’ Francesinha war schon halb verspeist, und er reckte ab und zu den Hals, ob sich nicht irgendwo ein Kellner blicken ließ. Es war eine Frage des Timings. Wenn er es jetzt nicht schaffte, sein zweites Bier zu bestellen, dann kam es nicht mehr rechtzeitig, bevor er fertig war.
Da! Ein Kellner – der sich allerdings hartnäckig weigerte, in seine Richtung zu sehen. Carlos hatte schon die Hand zum Fingerschnippen erhoben, als sein Telefon auf dem Tisch zu vibrieren begann.
Er sah auf das Display. Nein, dachte er, nein, ehrlich nicht! Nicht heute!
Einfach nicht rangehen? Er seufzte innerlich, bat seine Frau mit einem Blick um Verzeihung und hob das Telefon ans Ohr. »Ja?«
»Carlos? Ich weiß, dass heute Sonntag ist. Tut mir leid. Aber sonst kann ich niemanden erreichen. Was machst du gerade?«
»Wir sitzen hier friedlich in der Sonne und essen F