: Albert Moukheiber
: Fake Brain Warum unser Gehirn uns Streiche spielt und wie wir es überlisten können - Die neuesten Erkenntnisse aus der Neurowissenschaft
: Goldmann Verlag
: 9783641261771
: 1
: CHF 3.60
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: Angewandte Psychologie
: German
: 224
: Wasserzeichen
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
Ist das alles wahr? Halbwahrheiten, Fake News und Phobien – tagtäglich fallen wir auf Halbwahrheiten rein, die unser Gehirn uns vorspielt. Eigentlich will es uns mit dem Ausblenden unangenehmer Wahrheiten nur schützen und das Leben erleichtern, doch in Zeiten der permanent auf uns einströmenden Informationsflut geht diese Rechnung nicht immer auf. Denn so sehen wir nicht die realen Fakten, sondern kürzen unsere Denkwege ab und tappen immer wieder in kleine Fallen und Fettnäpfchen. In »Fake Brain« zeigt Dr. Albert Moukheiber uns unterhaltsam und mit zahlreichen Beispielen aus dem Alltag, wann uns unser Gehirn an der Nase herumführt und wie wir das vermeiden können. So lernen wir, die Welt wahrzunehmen, wie sie wirklich ist, und erfahren alles über die Funktionsweisen des Gehirns mit den neuesten Erkenntnissen der Neurowissenschaft.

lbert Moukheiberist Doktor der kognitiven Neurowissenschaft, klinischer Psychologe und forscht und lehrt an der Universität Paris – und das mit Ende Dreißig. Er kennt sich nicht nur mit Zaubertricks und Fake News, sondern auch mit Realitätswahrnehmung und Neurologie aus.

Indem Sie die obere oder untere Version einige Sekunden lang ansehen, können Sie Ihre Wahrnehmung des mittleren Bildes nun beliebig verändern.

Konzentrieren Sie sich nun wieder auf die ursprüngliche Version: Da Sie nun die beiden möglichen Varianten kennen, können Sie Ihre Perspektive mit Leichtigkeit mental verändern und die dargestellte Person von vorne sehen, von hinten, von oben, von unten, ohne dass Sie erneut die Versionen (a) und (b) dieses Bildes betrachten müssen.

Kommen wir nun zu den Einzelheiten dieser Illusion, um zu verstehen, wie dieses Bild auf das menschliche Gehirn einwirkt: Die Bilder (a) und (b) sind eindeutige, stabile Versionen des ursprünglichen Bildes. Man kann sie jeweils nur auf eine Weise deuten. Im Gegensatz dazu ist das ursprüngliche Bild mehrdeutig, weil es mehrere Sichtweisen zulässt – in diesem Fall zwei. Die mittlere Darstellung ist also ein bistabiles Bild.

Deshalb stehen unserem Gehirn nicht genügend Informationen zur Verfügung, um die Mehrdeutigkeit aufzulösen und die Verhältnisse auf eine einzige einheitliche Weise zu interpretieren. Wenn Sie hingegen für einige Sekunden auf eine der beiden stabilen Versionen des Ausgangsbildes blicken, also auf Bild (a) oder Bild (b), wird Ihr Gehirn von vornherein ein eindeutiges Bild erzeugen. Und wenn Sie dann das bistabile Bild erneut betrachten, werden Sie dessen Mehrdeutigkeit reduzieren und in der schwarzen Silhouette entweder eine Person von vorne (a) oder eine Person von hinten (b) erkennen.

Das Gehirn muss die aus der Außenwelt gesendeten Signale interpretieren, um sich daraus eine kohärente und stabile Darstellung zu erschaffen. Das nennt man Komplexitätsreduktion: Sobald dem Gehirn durch mehrdeutige Bilder (bistabil oder multistabil) die Stabilität verweigert wird, trifft es eine Wahl zwischen den verschiedenen Optionen, die das Bild tatsächlich enthält.

Stellen Sie sich nun vor, Sie betrachten diesmal das erste Bild, also das bistabile, gemeinsam mit einem Freund. Keiner von Ihnen hat vorher die stabilen Versionen des Bildes gesehen. Jeder von Ihnen verringert die Mehrdeutigkeit auf seine eigene Weise: Ihnen erscheint die Figur vielleicht von hinten, während Ihr Freund sie von vorne sieht. Siebetrachten zwar beide das gleiche Bild, aber Siesehen zwei verschiedene Dinge. Wenn Sie darüber sprechen, werden Sie einander nicht verstehen, weil Ihre Wahrnehmung nicht dieselbe ist, und doch ist jeder von Ihnen der festen Überzeugung, das Bild so zu sehen, wie es wirklich ist. Sie können nicht einmal sehen, was der andere sieht.

Eine bistabile Illusion machte 2015 von sich reden. Sie wurde in den sozialen Netzwerken verbreitet und warf die Frage auf, ob wir wirklich alle in derselben Welt leben. Eine Tumbler-Nutzerin namens »Swiked« hatte das Foto eines Kleides mit Spitzeneinsätzen und dem folgenden Kommentar gepostet: »Leute, helft mir: Ist dieses Kleid weiß und gold oder blau und schwarz? Meine Freunde und ich können uns nicht einigen, und das lässt uns total ausrasten.« Daraufhin ging das Bild im Internet viral; die ganze Welt war gespalten und hat mehrere Tage lang über die Farbe des Kleides diskutiert! Wenn Sie damals bei der Debatte dabei waren, haben Sie vielleicht gedacht, dass die Hälfte der Leute, die das Kleid nicht in der gleichen Farbe sahen wie Sie,unrecht hätte. Aber jetzt verstehen Sie, dass keine der beiden Gruppen recht oder unrecht hatte; es gab schlicht und einfach zwei Möglichkeiten für das menschliche Gehirn, diese Mehrdeutigkei