: Noelle Salazar
: Uns gehört der Himmel. Die Flight Girls Roman
: Goldmann Verlag
: 9783641257057
: 1
: CHF 3.60
:
: Gegenwartsliteratur (ab 1945)
: German
: 496
: Wasserzeichen
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
Texas, 1941. Die junge Audrey Coltrane ist eine leidenschaftliche Pilotin. Als sie die Möglichkeit erhält, auf Hawaii als Fluglehrerin zu arbeiten, ist sie überglücklich – nicht einmal der charismatische Lieutenant James Hart kann sie ablenken. Bis der verhängnisvolle Tag kommt, der alles ändert: Bomben fallen auf Pearl Harbor, Audrey hat den Tod vor Augen. Aber ihre Passion für das Fliegen ist stärker, und sie schließt sie sich den »Women Airforce Service Pilots« an, wo sie in der eingeschworenen Gemeinschaft der Fliegerinnen tiefe Freundschaft und eine neue Bestimmung findet. Dann kehrt James von einem Einsatz nicht zurück – und Audrey bricht auf zu ihrer bisher schwersten Mission ...

Noelle Salazar wurde im Pazifischen Nordwesten geboren, wo sie auch aufwuchs. Heute lebt sie mit ihrem Mann und ihren zwei Kindern in Bothell, Washington. »Uns gehört der Himmel« ist ihr erster Roman.

Kapitel 1

O’ahu

Die Brandung wirbelte mir schäumend um die Füße, der laue hawaiianische Passatwind fächelte durch die Palmen und trieb den Geruch von Kokosöl herüber. Ich stand da und starrte zum Horizont.

»Audrey!«

Ich warf einen Blick über die Schulter zu den drei Frauen, die im Sand auf einer großen Decke lagen. Die hatte eine von uns vom Bett geschnappt, als wir zur Tür hinausgestürzt waren in der Hoffnung, den Sunset Beach früh genug zu erreichen, um einen Parkplatz zu bekommen. Die bevorstehenden Winterwellen lockten immer mehr Surfer an. Sie bevölkerten meinen Lieblingsstrand und machten jeden Moment der Stille zunichte. Wie befürchtet, war der Parkplatz fast vollständig belegt von Militärjeeps, holzverkleideten Kombis und Ford Coupés, beladen mit bunten Surfbrettern und anderen Strandutensilien.

»Ja?«, rief ich zurück.

Ruby, Catherine und Jean rekelten sich in der Spätvormittagssonne, ihre Haut glänzte.

»Willst du den ganzen Tag da stehen bleiben?«, fragte Ruby und richtete das Oberteil ihres neuen signalroten Zweiteilers. Catherine hatte ihr unterstellt, ihn absichtlich eine Größe zu klein gekauft zu haben: Das Oberteil bedeckte ihre Brüste nur knapp.

»Schon möglich.«

»Dann rück ein Stück in meine Richtung. Ich könnte etwas Schatten gebrauchen.«

»Das bisschen Schatten, den die wirft, wird dir nicht viel nützen«, meinte Jean, nahm ihren breitkrempigen Strohhut ab und fächelte sich damit Luft zu, während sie mit der anderen Hand die dichten blonden Locken anhob, die ihr im Nacken klebten.

Catherine drehte sich vom Bauch auf den Rücken und setzte sich auf. Sie sah traumhaft aus in ihrem weißen Badeanzug mit Nackenhalter und Rüschen am Saum. »Zwischen meinen Brüsten hat sich ein ganzer See gebildet«, sagte sie, woraufhin zwei Männer, die gerade am Strand vorbeigingen, kurz stehen blieben. Sie schenkte ihnen ein kokettes Lächeln und strich genüsslich mit einer manikürten Hand über das lange Bein.

Als ich mich wieder zum Wasser umdrehte, streifte mein Blick einen Mann, der zehn Meter von mir entfernt auf der Seite lag. Er sah von seinem Buch auf, unsere Blicke begegneten sich.

Lieutenant Hart.

Ich schnappte kurz nach Luft und wandte mich ab. Lieutenant James Hart, der befehlshabende Offizier der Pilotenausbildung auf dem Wheeler Army Airfield und Vorgesetzter meiner Chefin. Aus mir unerklärlichen Gründen brachte er mich durcheinander. Nicht auf bedrohliche Art, nein, es war etwas anderes. Etwas Stilles. Verlockendes. Ein leichtes Flattern, das sich tief in meinem Bauch