: Michael Meisheit
: WATCH – Glaub nicht alles, was du siehst Thriller
: Heyne Verlag
: 9783641262259
: 1
: CHF 6.20
:
: Krimis, Thriller, Spionage
: German
: 416
: Wasserzeichen
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
Eine unschuldige Frau wird zur Gejagten

Das Jobangebot klingt zu gut, um wahr zu sein: Tina soll für ein paar Wochen in einer Wohnung in London ein unauffälliges Leben führen und wird dafür großzügig bezahlt. Einziger Haken: Sie darf während der gesamten Zeit keinen Kontakt zu ihrem jetzigen Leben haben. Keine Anrufe, keine Mails, kein Social Media. Tina lässt sich darauf ein. Und anfangs scheint auch alles ganz harmlos. Doch dann findet sie heraus, wofür sie eingesetzt wird. Plötzlich ist sie ganz allein in einer unbekannten Stadt. Gejagt von einem Feind, der kein Erbarmen kennt. Und er hat seine Augen überall …

Michael Meisheit, 1972 in Köln geboren, studierte an der Filmakademie Baden-Württemberg Drehbuch und ist seit über zwanzig Jahren im deutschen Fernsehgeschäft aktiv. Meisheit lebt mit seiner Familie in Berlin-Kreuzberg.

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Köln

Donnerstag, 9. September

Auf dem Weg ins Krankenhaus hatte Tina zum ersten Mal das Gefühl, dass sie verfolgt wurde. Der schwarzeBMW aus Holland hatte auf der anderen Straßenseite gestanden, als sie in Ehrenfeld mit dem störrischen Fiat Panda ihres Mitbewohners losgefahren war. DerselbeBMW mit dem auffälligen gelben Kennzeichen fuhr eine halbe Stunde später auf den Holweider Parkplatz, von dem aus Tina in den grauen Betonklotz gehen wollte, um ihren Vater zu besuchen. Sie hatte sich die Nummer auf dem Kennzeichen nicht gemerkt, aber wie wahrscheinlich war es, dass zwei identischeBMW aus Holland in Köln unterwegs waren?

Tina blieb stehen, zückte ihr Handy und tippte sinnlos darauf herum. Dabei behielt sie unauffällig das Fahrzeug im Auge. Nachdem der Wagen drei Reihen entfernt hinter einer großen Linde geparkt hatte, blieben die Autotüren geschlossen, der Motor ausgeschaltet. Drei Minuten, fünf Minuten, zehn Minuten. Irgendwann hörte Tina in ihrem Kopf das Meckern ihrer Mutter, da Tina sowieso schon zu spät losgefahren war. Überflüssig natürlich, denn ihr Vater würde so schnell nirgendwohin gehen, aber Pünktlichkeit war für ihre Mutter ein Prinzip. Ein eisernes. Tina beschloss, dass es vielleicht doch zwei holländischeBMW in Köln geben konnte, und in einem davon machte nun jemand ein Nickerchen. Warum sollte man sie auch verfolgen?

In der kardiologischen Abteilung am Bett ihres Vaters musste Tina sich diese Frage erneut stellen. Während eines Monologs ihrer Mutter betrachtete sie auf ihrem Handy die Fotos der letzten Tage. Ein Selfie, das sie zwei Nächte zuvor am Brüsseler Platz gemacht hatte, ließ ihre Nackenhaare in die Höhe schießen. Darauf zu sehen waren ihre Freundin Anna und sie, gut gelaunt, hundert Meter vom Hallmackenreuther entfernt, wo sie zu viele Caipis getrunken hatten. Zu sehen war aber auch der holländischeBMW. Am Straßenrand hinter ihnen, das gelbe Kennzeichen reflektierte das Licht der Laterne.

»Alles okay, Chrissy?«, fragte Papa mitten in Mamas Elegie über die Unfähigkeit der Ärzte, die mal wieder keine Spontanheilung zustande brachten.

Tina sah Sorge in den müden blauen Augen ihres Vaters. Er war gerade erst sechzig geworden, wirkte jedoch mit seinen grauen Haaren und dem blassen Gesicht wie ein Greis, der von der gestärkten weißen Bettwäsche verschlungen wurde. Vielleicht war er auch gar nicht ungewöhnlich blass. Vielleicht kam es Tina lediglich so vor, weil sie ihn eigentlich nur mit hochrotem Kopf kannte und er jetzt durch die Medikamente einen normalen Blutdruck hatte. Als die Werte bedrohlich in die Höhe geschossen waren, hatte Mama ihn am Vortag ins Krankenhaus gebracht. Schnell setzte Tina ein Lächeln auf.

»Ja, ja, Paps. Alles okay.«

»Was schaust du dir denn da an?«

»Fotos … von Anna und mir.«

Papa winkte sie zu sich. Sie setzte sich an den Rand des Bettes und betrachtete das Bild mi