: Joe Abercrombie
: Friedensklingen - Die Klingen-Saga Roman
: Heyne
: 9783641164744
: Die Klingen-Romane
: 1
: CHF 12.60
:
: Fantasy
: German
: 848
: Wasserzeichen
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
Im Königreich des Nordens haben sich die Machtverhältnisse geändert - aber kann man dem neuen Frieden trauen?
Die alten Heldenlieder sind gesungen, und eine neue Zeit bricht an. Eine Zeit, in der neue Kriege drohen, neue Bündnisse geschmiedet und alte Feindschaften erneuert werden. Rikke, die Häuptlingstochter aus dem Norden, muss sich in der Hauptstadt Adua behaupten, während im Norden der junge Statthalter Leo dan Brock nach Ruhm und Anerkennung dürstet. Und auch der Reichtum und Einfluss von Lady Savine dan Glokta, Tochter des obersten Inquisitors, können sie vor neuen Schicksalsschlägen nicht beschützen. Der lange Friede der Union beginnt zu bröckeln ...

Joe Abercrombie arbeitet als freischaffender Fernsehredakteur und Autor. Mit seinen weltweit erfolgreichen 'Klingen'-Romanen hat er sich auf Anhieb in die Herzen aller Fans von packender, düsterer Fantasy geschrieben und schafft es regelmäßig auf die internationalen Bestsellerlisten. Mit 'The Devils' schlägt er nun ein neues Kapitel seines fantastischen Erzählens auf. Joe Abercrombie lebt mit seiner Frau und seinen Kindern in Bath.

DIE UNGERECHTIGKEITEN DER WELT


Ich hoffe, es stört niemanden, wenn wir einstweilen ohne das hier weitermachen?« Mit diesen Worten warf Orso den Stirnreif auf den Tisch. Gold funkelte in einem staubigen Strahl Frühlingssonnenlicht, als sich das Schmuckstück mehrere Male drehte. »Das verdammte Ding drückt ziemlich.« Er rieb sich die wunden Stellen an den Schläfen. Das Ganze hatte etwas Metaphorisches: die Bürde der Macht, das Gewicht der Krone. Indes: Sein Geschlossener Rat hörte dieses Klagelied sicherlich nicht zum ersten Mal.

Nachdem er Platz genommen hatte, zogen auch die Ratsmitglieder ihre Stühle unter dem Tisch hervor. Schmerzvoll verzogen sich ihre alten Gesichter, als sich die alten Rücken krümmten, die alten Ärsche auf harte Sitzflächen trafen und sich die alten Knie unter die schwankenden Stapel von Papieren schoben, die sich auf dem Tisch auftürmten.

»Wo ist denn der Generalinspektor?«, fragte jemand mit Blick auf einen leeren Platz.

»Hat seiner Blase nachgegeben.« Ein Chor aus Brummen und Stöhnen folgte auf diese Erklärung.

»Man kann in tausend Schlachten siegen.« Lord Marschall Brint fummelte an dem Damenring herum, der auf seinem kleinen Finger saß, und sein Blick verlor sich in mittlerer Entfernung, als ob er eine gegnerische Armee in Augenschein nähme. »Aber den Kampf gegen die eigene Blase gewinnt man nie.«

Für Orso, der etwa dreißig Jahre jünger war als die übrigen hier Versammelten, zählte die Blase zu den am wenigsten interessanten Organen seines Körpers. »Eine Sache, bevor wir loslegen«, sagte er.

Alle Augen richteten sich auf ihn. Nur nicht die von Bayaz, der am Ende des Tisches saß. Der legendäre Zauberer blickte weiter aus dem Fenster über die Palastgärten, in denen das Grün gerade die ersten Blüten ansetzte.

»Ich habe beschlossen, eine Rundreise durch die Union zu machen.« Orso tat sein Bestes, um bestimmt zu klingen. »Jede Provinz zu besuchen. Jede größere Stadt. Wann war das letzte Mal ein Monarch in Starikland? Ist mein Vater je dorthin gereist?«

Erzlektor Glokta zog eine Grimasse, sogar mehr noch als üblich. »Starikland galt nicht als sicher, Euer Majestät.«

»In Starikland herrschten stets äußerst unruhige Verhältnisse.« Lord Schatzmeister Gorodets zwirbelte sich den langen Bart selbstvergessen zu einer Spitze, strubbelte ihn dann durch und glättete ihn aufs Neue. »Heute mehr denn je.«

»Aber ich muss eine Verbindung zumVolk aufbauen.« Orso schlug mit der Faust auf den Tisch, um seinen Worten Nachdruck zu verleihen. In dieser Runde fehlten ganz deutlichGefühl undLeidenschaft. In der Weißen Kammer gab es nichts außer kalter, trockener, blutleerer Berechnung. »Den Leuten zeigen, dass wir alle Teil derselben großen Unternehmung sind. DerselbenFamilie. Es soll doch eine Union sein, oder nicht? Dann mü