Juni 1943
Während die Deutsche Wehrmacht nach dem Rückschlag in Stalingrad auf neue Erfolge an der Ostfront hofft, geht das Leben in den besetzten Niederlanden seinen normalen Gang. Vom Durchgangslager Westerbork werden in zwei Zügen am 6. und 7. Juni 1266 jüdische Kinder nach Sobibór gebracht und direkt nach ihrer Ankunft vergast.
Dienstag, 15. Juni 1943
Sofieke betrat die Gaststätte »De Eikelaar« in Den Haag und sah sich suchend um. Ihr war klar, dass sie sofort die Aufmerksamkeit aller Anwesenden auf sich ziehen würde. Eine Frau ging nicht allein in ein Café.
»Hier bin ich!« Richard Christmann stand an der Theke und hielt ein Glas Bier in der Hand. »Komm, wir setzen uns hier rüber.«
»Moffenmeid«, sagte jemand. Sofieke tat, als habe sie das nicht gehört. Sie war jetzt 21 Jahre alt und lebte seit gut zwei Jahren unter falschem Namen in Den Haag. Bis jetzt war alles gutgegangen. Sie hatte ihre Haare blond gefärbt, und ihr falscherpersoonsbewijs war so gut wie echt. Niemand konnte ahnen, dass sie eine Jüdin war.
Zu dieser Tageszeit waren die meisten Tische im Lokal noch frei.
Sofieke wünschte, Gerhard wäre hier. Ihr deutscher Freund. Aber G