Frage: Woran erkennst du einen Veganer? Antwort: Er wird es dir sagen! Man möge den kleinen Jokus zu Beginn dieses Kapitels verzeihen. Gleichwohl bringt er das missionarische Bekennertum jener Spezies auf den Punkt, die im Ernährungsdiskurs der letzten Jahre den Takt klopft: die Veganer. Bis ins letzte Dorfgasthaus im Bayerischen Wald haben sie die Speisezettel der Republik verändert. In einer Gesellschaft, die mit zunehmender Verunsicherung und wachsendem Ekel auf die Fleisch-, Milch- und Eierproduktion in den von ihr selbst geschaffenen Monsterställen blickt, haben sie einen radikalen Schnitt vollzogen. Sie spielen nicht mehr mit. Sie essen, tragen, verbrauchen nichts mehr vom Tier. Schluss mit Kükentöten, Schnäbelkürzen, Hoden- und Schwänzeabkneifen. Schluss mit Antibiotika-Orgien und überforderten kranken Hochleistungstieren. Schluss mit Milchlämmern und Stubenküken, die, kaum geboren, schon auf dem Teller landen. Schluss mit Fischen aus Netzkäfigen, mit Fettlebern gestopfter Enten und Gänse und lebenden Hummern im kochenden Wasser. Schluss mit der ganzen Bestialität.
Die kompromisslose Konsequenz dieser Haltung ist beeindruckend. Ohnehin erzeugt eine stark auf Pflanzen basierende Ernährung so viel Sympathie wie die industrielle Massentierhaltung regelmäßiges Schaudern. Die Grundeinstellung gegenüber veganer Kost ist keineswegs so negativ, wie es manchmal scheinen mag. Allerdings stellen die ideologischen Hardliner vom radikalen Flügel der Bewegung unsere Sympathie immer wieder auf harte Proben. So verharrt das Publikum im ambivalent-kulinarischen Wartestand zwischen Beifall und Kopfschütteln.
Viele »Normalesser« fühlen sich durch die teilweise aggressive Kampfrhetorik der Veggiebewegung[18] provoziert. Wer lässt sich schon gern als Aasfresser oder Tiermörder bezeichnen, der Leichenteile verzehrt und für den »Dauerholocaust an Tieren« verantwortlich ist? Hinzu kommt, dass nicht wenige Normalköstler wegen ihres regelmäßigen Verbrauchs von Fleisch aus industrieller Massenhaltung tatsächlich ein schlechtes Gewissen haben und gelegentlich bedrückende Gefühle abwehren müssen. Entsprechend heftig fallen manchmal die Reaktionen auf das Reizwort »vegan« aus. Einige Verstiegenheiten der Szene laden die Kritiker aber auch geradezu ein. Mit schenkelklopfender Polemik werden die Pflanzenköstler dann als wahnhafte Gutmenschen und depperte Salatköpfe verhöhnt. Man pickt sich die bizarrsten Äußerungen heraus, spitzt sie noch ein wenig zu, um sie anschließend mit viel Getöse als »total Banane« zu entlarven.
Udo Pollmer, Enfant terrible und Pausenclown der Ernährungswissenschaft, zelebriert diese Methode gemeinsam mit zwei Co-Autoren aufs Unterhaltsamste und Bösartigste in seinem BuchDon’t Go Veggie!.[19] So argumentiert er allen Ernstes, ein vegetarischer Donnerstag als »fleischfreier Buß- und Bettag« für alle könne den Tierverbrauch keinesfalls senken, weil die Tiere dann eben am Freitag geschlachtet würden. Vegetarier und Veganer werden als gedankenlose Luxusbienen hingestellt, die sich »mitten in der Ern