: Helen Scales
: Im Auge des Schwarms Von Fischen, dem Meer und dem Leben
: Folio Verlag
: 9783990371060
: 1
: CHF 15.30
:
: Natur, Technik
: German
: 358
: kein Kopierschutz
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
Eine Reise in die faszinierende Unterwasserwelt.

Fisch beherrschen die Meere und Süßgewässer und damit sieben Zehntel der Erdoberfläche. Seit Millionen Jahren bevölkern sie in vielfältigsten Formen ein gigantisches Wasserreich. Vom 20 m langen Walhai bis zum millimeterkleinen Winzling, würfel- oder ballonförmig, in allen Farben schillernd oder reglos als Blatt getarnt haben Fische einzigartige Lebensstrategien entwickelt - und sind den meisten von uns doch fremd geblieben. Als leidenschaftliche Meeresbiologin nimmt Helen Scales uns mit auf ihre Tauchgänge, erzählt unter anderem von elektrischen, phosphoreszierenden und giftigen Fischen und erklärt, wie sie Botschaften senden, Klänge hören, ozeanweite Wanderwege bewältigen und im Schwarm funktionieren. Ihr faszinierendes Buch ist eine Liebeserklärung an Fische als individuelle, intelligente Wesen mit einer Fülle erstaunlicher Fähigkeiten, die es zu schützen gilt.

Die Meeresbiologin Helen Scales ist passionierte Taucherin und Autorin zahlreicher Dokumentarsendungen für BBC. Ihr Buch Spirals in Time wurde von 'Guardian', 'The Economist' und 'Times' zum Buch des Jahres gewählt. Helen Scales lehrt und lebt in Cambridge.

Prolog: Gedanken über Fische


Das Tageslicht im Amazonasregenwald schwindet, in einer stillen Bucht begibt sich ein Fischschwarm zur Ruhe. Die Fische sind klein, nur einen halben Daumen groß, mit gegabeltem Schwanz, goldenem Längsstreifen und einem roten Strich über den Augen. Vom Kronendach weit oben sind Blätter ins Wasser gefallen, die versinken und verwesen. Die Fische verstecken sich darunter und lassen sich ausnahmslos von einer raffinierten Botschaft täuschen:Ich bin kein Fisch. Ein Blatt treibt in Richtung Schwarm. Wie die anderen auch ist es braun gefleckt und hat sogar einen Stiel, mit dem es scheinbar einst am Baum hing. Doch plötzlich klappt ein riesiges Maul auf und verschlingt einen nichtsahnenden Fisch aus dem Schwarm. Kaum eine Sekunde später ist der Blattfisch wieder ein Blatt.

Woanders im Amazonasgebiet verharrt ein Spritzsalmler-Männchen, mit großen perlmuttartigen Schuppen und rot geränderten Flossen, reglos unter einem verheißungsvollen Blattwedel und wartet geduldig, dass ein Weibchen vorbeikommt und es hoffentlich erwählt. Wenn ja, dann springen sie gemeinsam aus dem Wasser und saugen sich mit ihren Flossennäpfen an dem Wedel fest. Das Weibchen legt etwa ein Dutzend Eier ab, das Männchen befruchtet sie mit einem Spermaspritzer. Dann plumpsen beide ins Wasser zurück. Und wiederholen das: Wieder und wieder springen sie hoch und fallen ins Wasser zurück. So lange, bis sie ungefähr 200 Eier in einem dichten Laich abgelegt und befruchtet haben. Schließlich schwimmt das Weibchen erschöpft davon und lässt die Kleinen zurück, weit genug von den meisten eierfressenden Wassertieren entfernt und unter der sorgsamen Obhut des Vaters. Er sorgt dafür, dass die wachsenden Jungen nicht austrocknen, und schlägt im Minutenabstand mit der Schwanzflosse, um sie mit Wasser zu benetzen. Obwohl das einfallende Sonnenlicht von der Luft