Das Tageslicht im Amazonasregenwald schwindet, in einer stillen Bucht begibt sich ein Fischschwarm zur Ruhe. Die Fische sind klein, nur einen halben Daumen groß, mit gegabeltem Schwanz, goldenem Längsstreifen und einem roten Strich über den Augen. Vom Kronendach weit oben sind Blätter ins Wasser gefallen, die versinken und verwesen. Die Fische verstecken sich darunter und lassen sich ausnahmslos von einer raffinierten Botschaft täuschen:Ich bin kein Fisch. Ein Blatt treibt in Richtung Schwarm. Wie die anderen auch ist es braun gefleckt und hat sogar einen Stiel, mit dem es scheinbar einst am Baum hing. Doch plötzlich klappt ein riesiges Maul auf und verschlingt einen nichtsahnenden Fisch aus dem Schwarm. Kaum eine Sekunde später ist der Blattfisch wieder ein Blatt.
Woanders im Amazonasgebiet verharrt ein Spritzsalmler-Männchen, mit großen perlmuttartigen Schuppen und rot geränderten Flossen, reglos unter einem verheißungsvollen Blattwedel und wartet geduldig, dass ein Weibchen vorbeikommt und es hoffentlich erwählt. Wenn ja, dann springen sie gemeinsam aus dem Wasser und saugen sich mit ihren Flossennäpfen an dem Wedel fest. Das Weibchen legt etwa ein Dutzend Eier ab, das Männchen befruchtet sie mit einem Spermaspritzer. Dann plumpsen beide ins Wasser zurück. Und wiederholen das: Wieder und wieder springen sie hoch und fallen ins Wasser zurück. So lange, bis sie ungefähr 200 Eier in einem dichten Laich abgelegt und befruchtet haben. Schließlich schwimmt das Weibchen erschöpft davon und lässt die Kleinen zurück, weit genug von den meisten eierfressenden Wassertieren entfernt und unter der sorgsamen Obhut des Vaters. Er sorgt dafür, dass die wachsenden Jungen nicht austrocknen, und schlägt im Minutenabstand mit der Schwanzflosse, um sie mit Wasser zu benetzen. Obwohl das einfallende Sonnenlicht von der Luft