Kapitel 1
Cami
Zehntausend Dollar. So viel hatte mein Schweigen mir eingebracht. Zu meiner Verteidigung sei erwähnt, dass ich keine Wahl hatte. Achtzehn. Schwanger. Mittellos. Keine Familie. Kein Dach über dem Kopf. Ich tat, was ich tun musste.
Als es passierte, konnte ich es kaum glauben. Welcher Mann schwängert eine Frau, fordert sie anschließend auf, das gemeinsame Kind abzutreiben, und bietet ihr Geld, damit sie sich nicht länger weigert? Doch genau das hatte er getan. Ich war total überfordert gewesen, und so hatte ich es zugelassen. Ich hatte die Dollarscheine genommen, denn ich sah keine andere Möglichkeit, für mich und für das Leben, das in mir heranwuchs, sorgen zu können.
Rückblickend glaube ich, ich hätte ihn unter Druck setzen müssen, ihn zwingen müssen, Verantwortung zu übernehmen. Aber obwohl mein Leben momentan ziemlich hart war und ich jeden Cent zweimal umdrehen musste, war Tanner das alles hundertprozentig wert. Das Zimmer verschwamm vor meinen Augen, sowie ich an jenen Tag vor vier Jahren zurückdachte, als ich zum letzten Mal mit dem Vater meines Sohnes gesprochen hatte.
»Du bist nur eine zweitklassige Hure. Ich hätte wissen müssen, dass die süße Unschuld vom Lande nur eine Masche war. Du bist nur auf die Kohle aus. Ich wette, du hast das alles eingefädelt, um mich einzufangen!«, brüllte er.
»N… nein – hab ich nicht!«, stieß ich erstickt schluchzend hervor. Ich versuchte, nach seinem Arm zu greifen, in dem verzweifelten Wunsch, den Mann festzuhalten, den ich zu lieben glaubte. Angewidert schüttelte er meine Hand ab. Seine Miene war bedrohlich und düster.
»Oh bitte. Du wirst schon bei unserem ersten Fick schwanger? Und das soll ich dir glauben? Ich bin seit fünf Jahren mit meiner Frau zusammen. Fünf. Verdammte. Jahre! Und keine Minute lang gab es auch nur den kurzen Verdacht einer Schwangerschaft.«
Frau. Er hatte eine Frau? Dieses eine Wort dröhnte wie ein Gong in meinem Hirn, ohrenbetäubend, alles übertönend. Schließlich konnte ich seine Worte doch wieder verstehen. »Du und ich, wir haben es nur ein paar Mal miteinander getrieben, und schon bist du schwanger?« Er schüttelte den Kopf und funkelte mich wütend an. »Wahrscheinlich ist es nicht mal von mir!«
»Es ist dein Kind! Du bist der Einzige, Tyler. Ich war dir nie untreu. Ich war noch Jungfrau!«
»Na ja, jetzt bist du’s jedenfalls nicht mehr, Herzblatt. Jetzt schiebst du deinen knackigen Arsch auf direktem Weg in die Klinik und lässt eine Abtreibung vornehmen. Hier ist das Geld.« Er holte ein paar Hundertdollarscheine hervor.
»Ich werde unser Baby nicht umbringen, Tyler. Seien wir doch vernünftig. Wir kriegen das schon hin«, flehte ich, und Tränen strömten mir über das Gesicht, sodass mein Shirt schon ganz nass war. Schützend legte ich die Hand auf meinen Bauch. Er musterte mich und verzog das Gesicht zu einer Grimasse, als er die Jeans bemerkte, die ich jeden Freitag trug, das einzige Paar Schuhe, das ich besaß und das total abgewetzt war, obwohl ich es im Waschbecken des Hotels sauber geschrubbt hatte.
»Hast du