: Renée Engel, Denise Fiedler, Luc François, Stefan Junghanns, Sebastian Geiger, Christine Jurasek, Ju
: Christoph Grimm
: Fast menschlich SF-Geschichten
: Eridanus Verlag
: 9783946348245
: 1
: CHF 4.40
:
: Science Fiction
: German
: 394
: kein Kopierschutz
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
Lässt sich Menschlichkeit programmieren? Sie werden uns immer ähnlicher! Von einigen herbeigewünscht, von anderen gefürchtet, schreitet die Entwicklung im Bereich von Künstlicher Intelligenz unaufhaltsam voran. Doch wohin führt uns dieser Fortschritt? Vielleicht sind Androiden bald nicht wegzudenken, sind für uns Helfer, Lebensgefährten, Geliebte. Oder sie werden zur echten Gefahr, sobald sie zu dem Schluss kommen, dass nicht wir, sondern sie selbst die besseren 'Menschen' sind. Lässt sich Menschlichkeit programmieren? Kann aus künstlichem Dasein durch entsprechende Metamorphose eine eigene Lebensform entstehen? Können Androiden genau wie wir mehr als die Summe ihrer Teile sein? Oder ist am Ende gar die Symbiose von Mensch und Maschine die nächste logische Stufe der Evolution? Alles scheint möglich! 25 Autorinnen und Autoren erzählen in 'Fast menschlich' Geschichten, in denen die Grenze zwischen KI und Menschen auf unterhaltsame, aber oft auch erschreckend realistische Weise überschritten wird. Mit 25 Illustrationen.

Abendlicht(Luc François)

 

~ ~ ~

 

Ich möchte jetzt etwas sitzen, Matthew.«

»Brauchen Sie die Decke?«

»Im Moment nicht, danke.«

Mit einem sicheren Handgriff half er mir aus dem Bett, begleitete mich zum Sessel, wo er mir wie üblich ein Glas einschenkte und sich anschließend in den Raumwinkel zurückzog. Ich hatte nie zu denen gehört, die ein lichtdurchflutetes, grellweißes Interieur zu ihren Vorlieben zählten, weshalb Matthew sein Äußeres nun an die satten Rot- und Braun-Töne des Wandteppichs anpasste. Ich trank einen Schluck, einen kleinen nur, um die Lippen zu benetzen.

»Vielleicht heute«, mutmaßte ich.

»Nicht doch«, korrigierte mich Matthew, der es besser wusste. Nicht heute also.

»Sie sind ein Spielverderber!«, raunte ich, das Glas dem Willen nach wohl fest, dem körperlichen Vermögen nach dagegen nur locker umschlossen. »Ein Elender, lassen Sie sich das gesagt sein!«

»Sehr wohl.« Eine Sekunde lang grübelte ich darüber nach, ob ich ihm das Glas nicht an den Kopf werfen sollte, da meldete er sich wieder zu Wort: »Sie wollen wirklich gehen, nicht?«

Das Glas wurde nach links, dann nach rechts geschwenkt. »So soll es wohl sein.«

So vorlaut er dann und wann auch sein mochte, diesmal wusste Matthew keine Antwort vorzubringen. Er stand mir im Rücken, seiner Programmierung nach treu ergeben, zugleich treu verschlagen, wie er durch den jahrelangen Umgang mit meiner Person eben gewachsen war.

»Matthew, die Dachterrasse haben Sie …«

»Die Marquise ist eingefahren, die Fische versorgt. Es soll bei dem einen Malheur geblieben sein!«

Mir stand der Sinn an diesem Tage mehr nach Wein, aber das konnte der gute Matthew nicht wissen. Ein Gedankenleser aus Drähten und Muttern, so einer wäre zu schön, also trank ich den allabendlichen Birnenschnaps. Weil ihn mir der Arzt nicht verordnet hatte, hatte ich es selbst tun müssen. Vornehm hatte Matthew seine Bedenken geäußert, vornehm hatte ich ihm den Mund verboten. Da war ohnehin nichts mehr zu retten.

Ich spürte den Magen, die Erschöpfung und damit einmal mehr das Ende. Das war weder neu noch überraschend. Erschreckend dagegen die streitlustige Stimmung, die ich einmal mehr in mir heranschwellen sah. »Matthew, Sie wissen, dass Sie im Altmetall landen?«

Es dauerte nicht einen Moment, bis mir die altvertraute Stimme – Stimm-Modul 187C-Männlich – antwortete: »Anders wird es nicht sein.«

»Anders wird es nicht sein? Ihre Ruhe möchte ich haben.«

Altvertraut, das war diese Stimme durchaus. Seit meinem Einstieg in den Lebensabend beschäftigte ich nun schon den Androiden mit eben dieser Stimme, diesem Äußeren und dieser verqueren Art und Weise. Es mochte am Herrn Vater liegen, dessen Verfall mir in tiefer Erinnerung geblieben war, dass ich mich für einen stillen Abgang entschieden hatte: Weiß Gott wie lange hatten wir uns um ihn gesorgt und später um ihn