1. Kapitel
Megan
Ein Luftloch zog die Maschine abrupt nach unten und einige Passagiere schrien panisch auf. Ich gehörte dazu.
Geschockt krallte ich mich in meine Armlehnen, bis sich das Flugzeug stabilisiert hatte. Das fehlte mir noch! Nicht nur, dass ich zwei Jobs innerhalb eines halben Jahres verloren hatte, jetzt drohte mir auch noch, in einem Flugzeug abzustürzen? Wie viel Unglück konnte eine einzelne Frau anziehen? Tja, wenn sieMegan Newman hieß, offensichtlich sehr viel.
Ich atmete hektisch ein und aus, versuchte aber, dabei nicht zu laut zu sein und mich gleichzeitig mit guten Gedanken abzulenken. Wenn ich nun schon sterben musste, dann wollte ich wenigstens an etwas Schönes denken. Blöd nur, dass ich von Natur aus Pessimistin war, und mir alles, nur keine schönen Erinnerungen kamen …
Denn: Mein Leben war verkorkst. Von vorne bis hinten.
Dabei hatte es sich durchaus vielversprechend entwickelt. Leicht hatte ich es zwar nie gehabt, aber nach meiner schwierigen Kindheit hatte mit meinem High-School-Abschlussdie Chance auf mich gewartet: ein Studienplatz mit einem Stipendium. Zwar nur ein halbes Stipendium, aber ich hatte – als Erste in der Familie – eine reelle Chance aufs College zu gehen. Ich wollte Pharmazie studieren! Und ich war echt stolz drauf gewesen! Medikamente erforschen und herstellen, Menschen helfen – genau da wollte ich hin. Zugegeben, ganz schön hohe Ziele für ein Mädel aus der Bronx.
Aber ich war zäh und ehrgeizig. Alles, was ich bis dato erreicht hatte, hatte ich mir selbst erarbeitet. Ich hatte sogar einen gut bezahlten Job bei Humphreys in L.A. abgestaubt, dem großen Pharma-Konzern. Halbtags. Als Werkstudentin. So konnte ich die Finanzierungslücke zu meinem Stipendium schließen.
Der beste Job, den ich je ausgeübt hatte. Jackpot. Geld für mein Studiumund Berufserfahrung. Gut bezahlt, interessant und man hatte mir vertraut, mir Verantwortung übertragen, auch, weil ich immer gute Leistungen im Studium erbrachte und ich viele Kurse im Bereich Pharmaproduktion belegt hatte. Ich wurde nicht mehr als Nur-Werkstudentin gesehen, sondern erfüllte die Aufgaben einer Assistentin.
Ich konnte praktische Erfahrungen sammeln, mich fortbilden und zugleich ins Marketingfeld hineinschnuppern. Aber wie es im Leben der Newmans eben so ist: Was gut anfängt, endet in einer Katastrophe.
Ich hatte zwar geglaubt, dass sich mit meinem Auszug alles irgendwie einrenken und ich zur Ruhe kommen würde, dass ich von nun an alles besser machen würde als unsere völlig verpeilte Mum, die es vorzog, nachts um die Häuser zu streifen, anstatt sich um ihre Kinder zu kümmern. Weil ich eine echte Chance bekommen hatte! Die ich mir selbst erarbeitet hatte. Doch Fehlanzeige! Ich hatte natürlich das Newman-Gen, das dominant vererbt wurde, und somit machte ich mir alles selbst kaputt.
Erneut ruckelte die Maschine und mir wurde flau im Magen. Noch waren aber die Atemmasken nicht heruntergefallen, es konnte also noch nicht so schlimm sein, versuchte ich die Situation rational einzuordnen, um meine aufkeimende Panik in den Griff zu bekommen. Ernsthaft – ich wollte jetzt nicht draufgehen! Nicht so!
Ich hatte da noch einiges gerade zu biegen, nachdem ich es so versaut hatte.
Versaut war das richtige Stichwort – eine Affäre mit meinem Boss, Damon Humphreys, hatte meinen Untergang eingeleitet! Damit hatte ich alles zerstört, was ich mir vorher aufgebaut hatte. Und zwar mit der Zielstrebigkeit und -genauigkeit eines Biathlon-Schützen. Dabei hatte ich mich zuerst mit Händen und Füßen gegen die Avancen meines – zugegebenermaßen sehr attraktiven – Chefs gewehrt. Wirklich! Doch seine Blicke, seine Andeutungen hatten mich verrückt gemacht. Und noch dazu hatte ich mich unglaublich geschmeichelt gefühlt. Ich, von ganz unten, er, von ganz oben. Es war einf