: Claudia Speer
: Der Normanne und die belagerte Stadt Historischer Roman
: Burgenwelt Verlag
: 9783943531893
: 1
: CHF 4.40
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: Historische Romane und Erzählungen
: German
Dezember 1197. Der Normanne Guy of Gisborne tut alles, um seine Verbannung aus England rückgängig zu machen. Mit Excalibur in seinem Besitz, glaubt er den englischen König überzeugen zu können. Doch die Reise zu Richard Löwenherz birgt zahlreiche Gefahren. Um sich zu wappnen, will der Ritter zunächst in Strazpurc überwintern, wo er dank der hübschen Heiler Miriam schnell in eine peinliche Situation gerät. Doch das ist nicht sein größtes Problem. Auch für Jakob, Gisbornes getreuen und etwas naiven Knappen, läuft es nicht wie erhofft. Auf dem Weg zu seiner Familie, von der er sich vor der Überfahrt nach England verabschieden möchte, legt er sich unfreiwillig mit einem teutschen Ritter an und steckt auf einmal knietief in Schwierigkeiten. Zu allem Übel ist Guy und Jakob zudem ein dunkler Schatten auf den Fersen, der den Beiden aus rätselhaften Gründen nach dem Leben trachtet ... Mit 'Der Normanne und die belagerte Stadt' schickt Claudia Speer ihre Protagonisten Guy of Gisborne und Jakob auf ein weiteres spannendes und gefährliches Abenteuer. Wird der Normanne diesmal endlich heimkehren dürfen?

Die 1967 geborene Autorin Claudia Speer hat sich ganz unkonventionell bei einem Workshop ins Schreiben verliebt. Schnell stellte sich mit Veröffentlichungen in Anthologien und bei der Teilnahme an Literaturwettbewerben auch der Erfolg ein. Nach den erfolgreichen Vorgängern »Der Auftrag des Normannen« und »Der Normanne, der Knappe und das verschenkte Schwert« geht im dritten Band über den verschrobenen Ritter Guy of Gisborne und seinen Schreiberling Jakob die mit Witz und Spannung gespickte Reise weiter.

3 - Reisebekanntschaften

 

Nachdem Jakob Illinchen hinter sich gelassen und die Furt überquert hatte, die unterhalb des kegelförmigen Burgbergs lag, wandte er sich weiter nach Südosten. Der Schnee knirschte unter den Tritten des Grauen. Er verklebte in den beschlagenen Hufen zu Stollen, die sich immer wieder lösten und das arme Tier ins Stolpern brachten. Jakob hielt an, schüttelte die Kapuze aus und bewegte die tauben Zehen in den Stiefeln. In den Fingern brannte das einströmende Blut. Der Graue fand keinen Gefallen an diesem Ritt und musste getrieben werden, was Jakob warmhielt und gleichzeitig ermüdete. Er stieg ab und führte den Hengst ein Stück. Der Schnee reichte ihm bis zu den Waden. Wenn es weiter schneite, empfahl es sich, eine Unterkunft zu suchen.

Seine Gedanken schweiften nach Etiningem zurück. Was Gisborne jetzt wohl tat? Sicher saß er in einer geheizten Schankstube bei einem warmen Bier. Er dachte an die Kämpfe, die sie ausgestanden hatten. Der Normanne schien unbesiegbar zu sein. Das zarte Pflänzchen der Bewunderung tat sich allerdings schwer, an der schroffen Art des Ritters zu wachsen. Gisborne vergrub das gute Herz unter einem Berg von Launen. Die letzte Ausgeburt seines bizarren Geistes machte Jakob zum Knappen.

Es war vielleicht nicht klug, doch Jakob fand Gefallen an diesem Gedanken, obwohl der Abt des Klosters, in dem er die halbe Kindheit verbracht hatte, bemüht gewesen war, ihm Demut einzuprügeln. ‚Der Mensch ist an den Platz geboren, wo Gott ihn braucht. Nach Früchten zu trachten, die an höheren Ästen hängen, ist des Teufels, Junge.‘ Konnte Gott seine Meinung nicht ändern? Jakobs Absichten waren lauter.

Mit Swidbertingen passierte er einen weiteren Ort. Er fragte höflich nach Wasser und Heu für das Pferd und ritt alsbald durch die dortige Furt, da sich das steile Ufer der Glems sonst nirgends gefahrlos bewältigen ließ.

Es dämmerte, ehe er Candistatt erreichte, und die ersten Häuser, an die er klopfte, öffneten ihre Türen nicht mehr. Einer der Bauern drehte eine letzte Runde über den Hof. Jakob sprach ihn an und der Mann begegnete ihm freundlich und bot ihm einen Schlafplatz an. »Wo wollt Ihr hin, Herr?«

»Heim – nach Augsburg.« Das fühlte sich seltsam an. Nicht nur weil er dort seinem Vater viel zu erklären hatte, sondern auch, weil ihm die Begleitung des Normannen fehlte. Damals, als er aus Augsburg und vor dem Mönchsgelübde geflohen war, hätte er sich nicht träumen lassen, welche Wendungen das Leben ihm bescherte. Jetzt ritt er auf einem Hengst mit einem Kurzschwert an der Seite, stolz erhobenen Hauptes den Vater besuchen.

Jakob rieb den Grauen trocken und schleppte die Satteltaschen zur Kochstelle, wo die Familie bei einer Suppe beisammensaß. Ihm schlug die Wärme eines halb abgebrannten Feuers entgegen. Er kramte ein Stück Brot samt Käse aus der Tasche.

»Gott soll es Euch vergelten.« Die Frau des Bauern nahm das Geschenk an, teilte jedem etwas davon zu und reichte Schalen mit dampfender Suppe an sie weiter.

»Du stehst also in den Diensten eines Ritters?«, vergewisserte sich der Bauer. Die Kinder und ein alter Mann beäugten ihn gleichermaßen neugierig wie misstrauisch. »Ja, so ist es.«

»Ich sag, der ischt ein Pferdedieb!«, krächzte der hutzelige Alte unvermittelt unter seiner Decke hervor.

»Ist gut, Vadder, nicht jeder, der ein schönes Pferd reitet, ist ein Dieb.« Einer der größeren Söhne schnatterte los. »Wir haben hier erst vor zwei Tagen einen Pferdedieb