: Jenna Theiss
: Das Sissi-Feuerwerk Ein Ischl-Krimi
: Piper Verlag
: 9783492985567
: & Konarek ermitteln
: 1
: CHF 4.50
:
: Krimis, Thriller, Spionage
: German
: 370
: Wasserzeichen
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
Der zweite Fall für Chefinspektor Materna und Josi Konarek - mit vielen unerwarteten Wendungen und jeder Menge Bad Ischl- und Sissi-Feeling Eigentlich wollte Chefinspektor Paul Materna mit Freundin Josi in Bad Ischl nur Urlaub machen. Da stürzt bei dem großen Open-Air-Spektakel »Sissis Feuerwerk« eine als Kaiserin Elisabeth kostümierte Artistin ab und wird schwer verletzt. Als es Hinweise gibt, dass hinter dem Sturz ein Anschlag steckt, übernimmt Materna die Ermittlungen. Leider findet sich nicht die geringste Spur eines Motivs. Bald darauf wird ein weiteres Mitglied des »Feuerwerk«-Teams ermordet aufgefunden und an Urlaub ist für Josi und Paul nicht mehr zu denken... »Was für eine tolle Krimi-Neuentdeckung!«, glimrende.de, 11.07.2018 über »Der Sissi-Mord«, Maternas und Konareks ersten Fall

Jenna Theiss ist geboren und aufgewachsen, wo einst Kaiser Franz Joseph und die bis heute beliebte »Sissi« Sommerferien machten - in Bad Ischl im Salzkammergut, in unmittelbarer Nähe der Kaiservilla. In Salzburg studierte sie Psychologie, Pädagogik und Musik. Schließlich verschlug es sie nach Berlin, und sie arbeitete als Therapeutin, Dozentin und Musikerin. Heute lebt sie mit ihrem Mann und vielen Tieren auf einem alten Bauernhof im Berliner Umland. Neben Krimis schreibt sie - unter anderem Namen - auch Sachbücher und Artikel.  Schauplätze der Kriminalromane sind die alte Heimat: Chefinspektor Paul Materna und die Psychologin Josi Konarek ermitteln in Bad Ischl, die Kriminalinspektorin mit Superrecognizer-Fähigkeiten, Dina Stassny, und Chefinspektor Adrian Billinger in der geschichtsträchtigen Mozartstadt Salzburg. Website: https://www.jenna-theiss-krim s.com/

Samstag, 15. Juli


21.30 Uhr

Die junge Kaiserin schwebte langsam nach oben. Das Licht brach sich in ihrem Haarschmuck und ließ die kristallenen Sterne in allen Farben des Spektrums aufblitzen.

»A geh, so a Blödsinn«, ließ sich eine gedämpfte männliche Stimme ein paar Reihen hinter Josi vernehmen. »Die Sissi – zuerst am Seil und dann auch noch auf’m Trapez!«

»No ja, aber fesch ist sie schon«, stellte ein anderer Theaterbesucher fest, vermutlich der Sitznachbar.

»Psst«, zischte eine Dame, die ebenfalls im mittleren Block vor der großen Freilichtbühne saß. »Jetzt seien S’ doch amal ruhig!«

Auch Josi war kurz davor gewesen, eine entsprechende Bemerkung loszulassen. Die kommentierenden Nervensägen hatten sie aus der Traumwelt gerissen, in der sie gerade noch versunken gewesen war. Dabei hatte sie gar nicht erwartet, dass sie von der Aufführung so fasziniert sein würde. Schließlich hatte sie die letzten Wochen über die beiden Sissi-Doubles Yvonne und Antonella bei den artistischen Proben beobachtet, unzählige Fehlversuche miterlebt, den Schweiß und den schweren Atem der Artistinnen hautnah mitbekommen. Aber das mystische blaue Licht, die fantasievollen Kostüme und die Musik verzauberten sie – wie wohl die meisten Besucher dieser ganz besonderen Open-Air-Version der OperetteDas Feuerwerk. Der leicht morbide Charme des früheren kaiserlichen Sommersitzes, über dem der Duft des Juliabends hing, tat ein Übriges.

Fesch war sie wirklich, die Yvonne, wie sie da im hauchdünnen weißen Kleid auf der silbern glänzenden Stange sitzend nach oben glitt, während die bunte Gauklerschar zu ihren Füßen in alle Richtungen zerstob.

Die Musik wurde lebhafter. Yvonne-Sissi lachte laut auf, dann versetzte sie ihr Trapez in Schwung. Ihr langes Haar flog hinter ihr her.

Josi war die Nummer so vertraut, als hätte sie jede einzelne Bewegung inhaliert. Yvonne musste nervös sein, die Tricks wirkten nicht so leicht und fließend wie bei den Proben. Aber alles klappte.

Beifall brauste auf, einmal, noch einmal, bei jedem neuen Kunststück.

»Geh, wui!«, machte sich eine der Nervensägen erneut bemerkbar. Es folgte ein noch energischeres »Psssssst!« von der Dame, und diesmal auch ein giftiger Blick von Josi.

Yvonne war wieder zum Sitzen gekommen. Josi spürte ein Kribbeln in der Magengegend, das sich verstärkte, während die Schwünge immer weiter und kräftiger wurden.

Die Musik brach ab. Einen Augenblick lang war es so still, dass man sogar das leise Quietschen der Trapezaufhängung hören konnte. Dann setzte der Schlagzeuger zu einem Trommelwirbel an.

Josi ballte die Hände zu Fäusten, bis ihre Fingerknöchel weiß waren. Gleich würde Yvonne sich von der Stange lösen, um sich aus dem rasenden Flug heraus im letzten Moment mit den Füßen in den Seilen zu fangen.

»Jetzt!«, flüsterte Josi und hielt den Atem an.

Im selben Moment ließ die Artistin los.

Wie ein Geschoß ohne Ziel wurde ihr Körper durch die Luft katapultiert, klatschte auf der rechten Seitenbühne mit enormer Wucht auf den Bretterboden und blieb regungslos liegen.

»Yvonne! Nein!«, schrie Josi und rannte los.

Im Publikum brach nach einem Augenblick der Erstarrung Tumult aus. Zuschauer sprangen von ihren Sitzen hoch, einige kreischten laut auf.

Josi kämpfte sich zwischen den Menschen hindurch nach vorn.

»Dr. Roth, bitte«, hörte man eine Stimme von irgendwo aus dem Off. »Der diensthabende Arzt, Dr. Roth, bitte!«

Der Arzt war bereits unterwegs. Die Bereitschaftstasche unter dem Arm, nahm er die Stufen zur Bühne in zwei, drei kräftigen Sätzen.

Josi folgte ihm.

Einer der schwarz gekleideten Arbeiter trat ihr in den Weg. »Halt, hier können Sie nicht …«

»Ich kenne Yvonne. Lassen Sie mich bitte durch!«

Erstaunlicherweise trat der Mann zur Seite.

»He«, rief er einem Kollegen zu, der gerade an ihm vorbeiwollte. »Hilf mir mal.« Er deutete auf eine Kulisse, und die beiden schoben sie schnell vor die reglos auf dem Boden liegende Trapezakrobatin, sodass auch