: Siegfried Mrochen, Hiltrud Bierbaum-Luttermann
: Klinische Hypnose und Hypnotherapie mit Kindern und Jugendlichen
: Junfermann Verlag
: 9783955719203
: 1
: CHF 32.60
:
: Angewandte Psychologie
: German
: 208
: kein Kopierschutz
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
Natürliche kindliche Trancezustände kreativ nutzen Hypnotherapie und klinische Hypnose mit Kindern und Jugendlichen zielen auf Selbstheilungskompetenzen und die Kraft von Imagination ab. Ob in direkter hypnotischer Trance oder durch Nutzen natürlicher Phänomene wie dem kindlichen Spiel, Tagträumen oder Neugier werden die Kinder mit sich und ihren Ressourcen in Kontakt gebracht. Dieses Buch - vermittelt hypnotherapeutische Herangehensweisen und - verdeutlicht, dass Hypnotherapie nicht nur ein 'Tool' ist. - Es geht um ein ganzheitliches Konzept mit einer klienten- und entwicklungsorientierten sowie systemischen Grundhaltung und den damit verbundenen Prämissen. - Berücksichtigt werden zudem die therapeutische Arbeitsallianz und die Wirkung von Sprache sowie das individuelle Weltbild der kleinen und jugendlichen Patienten. 'Das Buch ist ein Wurf. (...) Unaufgeregt, gelassen, bescheiden, exakt und reichhaltig. Kein Schnickschnack. Das Ergebnis erfolgreicher Arbeit nahezu im Stillen auf meist kleinen Bühnen. Wie es sich für Pioniere gehört.' (Dr. med. Siegfried Joel, Kinderarzt)

Hiltrud Bierbaum-Luttermann ist Psychologische Psychotherapeutin in Berlin-Schöneberg. Zu ihren Arbeitsschwerpunkten gehören u.a. die stellvertretende Leitung der Institutsambulanz DGVT/KJP Berlin und die Organisation der M.E.G.-Regionalstelle für Kinderhypnotherapie in Berlin. Prof. Dr. Dr. Siegfried Mrochen ist Kinder- und Jugendlichen-Psychotherapeut (VT) sowie Universitätsprofessor (im Ruhestand) für Beratung im Kinder-, Jugend- und Familienhilfekontext der Universität Siegen.

2. Beziehungsaufbau und Rapportstrategien


„Resonanz [ist] ein Schwingungsverhältnis, das uns mit der Welt um uns herum emotional verbindet. Sie ist wie ein Klebstoff, der verhindert, dass die Welt in hunderttausend unzusammenhängende Einzelteile, anders ausgedrückt, in neutrale, unzusammenhängende Informationen zerfällt. Resonanz ist das Element des Berührt- und Ergriffenseins. (…) [Z]ugleich spüre ich, dass ich andere erreiche und in der Welt etwas erreichen kann.

(Armbruster et al., 2015)

2.1 Dem Kind Rückmeldung geben über das, was man bereits von ihm weiß


Da der erste Kontakt mit dem Kind und den Eltern erfahrungsgemäß eine prägende Wirkung hat, kommt es in dieser Phase der Behandlung besonders darauf an, dem Betroffenen kongruent das Gefühl zu vermitteln, willkommen und interessant zu sein. „Get their Attention“ betont Kinderarzt Prof. Dr. Daniel P. Kohen, der als einer der international renommiertesten Begründer der Klinischen Hypnose für Kinder und Jugendliche nach Milton Erickson bezeichnet werden kann, in all seinen Workshops. Gemeint ist damit, die Aufmerksamkeit des Kindes für den Prozess zu gewinnen, es neugierig auf sich selbst und seine (unbewussten) Fähigkeiten zu machen sowie seinen Entwicklungsprozess zu aktivieren. Dem Kind in seinem Weltbild und persönlichen Referenzrahmen zu begegnen, seinen natürlichen Wunsch nach Wachstum und Meisterschaft anzusprechen ist vor allem sein Anliegen.Help children to help themselves ist seine grundlegende Idee von Hypnotherapie.

Dafür ist es hilfreich, zunächst etwas zu finden, was man an dem Kind mag, besonders oder anrührend findet. Das ist natürlich weniger ein Problem, wenn das Kind ohnehin sympathisch, aufgeweckt und zugewandt ist. Wenn aber ein Kind oder Jugendlicher auf den ersten Blick unsympathisch, provokant, desinteressiert, abweisend oder gelangweilt erscheint, bekommt diese Suche nach Ressourcen eine besondere Bedeutung.

Christoph ist übergewichtig, verweigert die Begrüßung, bemängelt sofort Staub am Boden und betont, dass er jetzt schon wisse, dass es hier langweilig ist. Er setzt sich hin, verschränkt die Arme und guckt zur Decke. Der Therapeut wartet eine Weile, betrachtet ihn und sagt: „Christoph, so heißt du doch, Christoph, oder?“

Keine Reaktion, außer deutliches Wippen auf dem Stuhl.

Therapeut:„Ich hab das mitbekommen, verstanden, dass du wahrscheinlich nicht selbst auf die Idee gekommen bist, hierherzukommen.“

Christoph:„Nee, echt nicht!“

Therapeut:„Und mir fällt auf, dass du ein genauer Beobachter bist. Und ehrlich. Kann man das so sagen von dir?“

Christoph(leicht irritiert, grinst etwas): „Könnte man so sagen, ja. (Und dann wieder etwas schnippisch:) Sehen aber nicht alle so als Vorteil.“

Therapeut:„Und ist das manchmal ein Problem?“

Christoph zuckt mit den Schultern.

Therapeut:„Ich persönlich, Christoph, finde es interessant zu erfahren, was du so mitbekommst, und vielleicht bist du auch ein bisschen stolz darauf, ein guter Beobachter zu sein. Ich kann mir vorstellen, dass es Spaß machen kann, sich mit dir zu unterhalten …“

Die Frage, ob das Kind wisse, wofür dieses Treffen gut sein soll, oder