2. Beziehungsaufbau und Rapportstrategien
„Resonanz [ist] ein Schwingungsverhältnis, das uns mit der Welt um uns herum emotional verbindet. Sie ist wie ein Klebstoff, der verhindert, dass die Welt in hunderttausend unzusammenhängende Einzelteile, anders ausgedrückt, in neutrale, unzusammenhängende Informationen zerfällt. Resonanz ist das Element des Berührt- und Ergriffenseins. (…) [Z]ugleich spüre ich, dass ich andere erreiche und in der Welt etwas erreichen kann.
(Armbruster et al., 2015)
2.1 Dem Kind Rückmeldung geben über das, was man bereits von ihm weiß
Da der erste Kontakt mit dem Kind und den Eltern erfahrungsgemäß eine prägende Wirkung hat, kommt es in dieser Phase der Behandlung besonders darauf an, dem Betroffenen kongruent das Gefühl zu vermitteln, willkommen und interessant zu sein. „Get their Attention“ betont Kinderarzt Prof. Dr. Daniel P. Kohen, der als einer der international renommiertesten Begründer der Klinischen Hypnose für Kinder und Jugendliche nach Milton Erickson bezeichnet werden kann, in all seinen Workshops. Gemeint ist damit, die Aufmerksamkeit des Kindes für den Prozess zu gewinnen, es neugierig auf sich selbst und seine (unbewussten) Fähigkeiten zu machen sowie seinen Entwicklungsprozess zu aktivieren. Dem Kind in seinem Weltbild und persönlichen Referenzrahmen zu begegnen, seinen natürlichen Wunsch nach Wachstum und Meisterschaft anzusprechen ist vor allem sein Anliegen.Help children to help themselves ist seine grundlegende Idee von Hypnotherapie.
Dafür ist es hilfreich, zunächst etwas zu finden, was man an dem Kind mag, besonders oder anrührend findet. Das ist natürlich weniger ein Problem, wenn das Kind ohnehin sympathisch, aufgeweckt und zugewandt ist. Wenn aber ein Kind oder Jugendlicher auf den ersten Blick unsympathisch, provokant, desinteressiert, abweisend oder gelangweilt erscheint, bekommt diese Suche nach Ressourcen eine besondere Bedeutung.
Christoph ist übergewichtig, verweigert die Begrüßung, bemängelt sofort Staub am Boden und betont, dass er jetzt schon wisse, dass es hier langweilig ist. Er setzt sich hin, verschränkt die Arme und guckt zur Decke. Der Therapeut wartet eine Weile, betrachtet ihn und sagt: „Christoph, so heißt du doch, Christoph, oder?“
Keine Reaktion, außer deutliches Wippen auf dem Stuhl.
Therapeut:„Ich hab das mitbekommen, verstanden, dass du wahrscheinlich nicht selbst auf die Idee gekommen bist, hierherzukommen.“
Christoph:„Nee, echt nicht!“
Therapeut:„Und mir fällt auf, dass du ein genauer Beobachter bist. Und ehrlich. Kann man das so sagen von dir?“
Christoph(leicht irritiert, grinst etwas): „Könnte man so sagen, ja. (Und dann wieder etwas schnippisch:) Sehen aber nicht alle so als Vorteil.“
Therapeut:„Und ist das manchmal ein Problem?“
Christoph zuckt mit den Schultern.
Therapeut:„Ich persönlich, Christoph, finde es interessant zu erfahren, was du so mitbekommst, und vielleicht bist du auch ein bisschen stolz darauf, ein guter Beobachter zu sein. Ich kann mir vorstellen, dass es Spaß machen kann, sich mit dir zu unterhalten …“
Die Frage, ob das Kind wisse, wofür dieses Treffen gut sein soll, oder