Hurk in Paradise Valley
Die nächste grössere Ortschaft für Franzi und mich wird Idyllwild sein. Als wir von Warner Springs losgehen, wissen wir, dass es etwa fünf bis sieben Tage dauern wird, bis wir dort ankommen werden. Es ist ein befreiendes Gefühl zu wissen, dass ich mich in diesen Tagen um nichts kümmern muss. Ich muss nur gehen, essen und für genügend Schlaf sorgen.
Franzi und ich sind Frühaufsteherinnen und es ist an jedem Morgen ein überwältigendes Gefühl, sein Zelt zu öffnen, diese frische, echte Luft einzuatmen, in stillem Übereinkommen seine Sachen zu packen, loszugehen und auf das Aufgehen der Sonne zu warten, auf einen neuen Tag. Als wir an diesem Morgen losgehen, herrscht Ruhe auf dem Campside. Die anderen Hiker sind in ihren Zelten, gönnen sich etwas mehr Schlaf, während wir im Halbdunkel bereits startklar sind. Wir folgen der Strasse nach rechts, wie auf der Karte, überqueren ein Tiergatter, in Richtung einer kleinen Wiese. Ich gehe voraus und als ich den Kopf hebe und abrupt stehen bleibe, läuft Franzi mir in den Rücken. Ich schaue an den Rand der Wiese, hoch zu dem kleinen Wäldchen. In der Dunkelheit erkenne ich gelbe Punkte. Andere Hiker?
Nein, Pferde, das müssen Reiter sein. Es tauchen immer mehr gelbe Punkte auf und irgendwann kann ich in der Dunkelheit die pechschwarzen Tiere erkennen. Schwarze Rinder, mehr als ein Dutzend, und sie kommen auf uns zu. Werden immer schneller und scheinen immer mehr zu werden. Mich packt die Panik, ich drehe mich um, schreie Franzi an, sie solle wegrennen, runter zum Zaun, zurück zur Strasse, so schnell wie möglich. Wir rennen runter, durch den Fluss, achten nicht darauf, dass wir knöcheltief durchs Wasser rennen, gehen weiter und durch das Tor auf die Strasse. Ich weiss, man sollte Ruhe bewahren. Ruhig bleiben, stehen bleiben. Aber ich bin mir nicht sicher, wie viele das hinkriegen würden, wenn eine Herde Rinder im Dunkeln auf einen zurennt. Wie dem auch sei, wir stehen wieder auf der Strasse. Auf der anderen Seite des Zauns und keine zehn Pferde bekommen uns nochmals auf diesen Weg durch die Rinderherde. Das bedeutet für uns: Planänderung. Wir studieren die Karte und halten Ausschau nach Alternativen. Und tatsächlich. Wir können der Strasse durchs Städtchen folgen, die Abzweigung auf den Hügel nehmen und müssten dort wieder auf den Trail treffen, der von der linken Seite herführt. Wir gehen also für die nächsten Meilen auf der Strasse und hoffen, dass wir dann tatsächlich wieder Trail-Markierungen vorfinden werden.
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Das Thema «Essen und Trinken» ist allgegenwärtig auf dem Trail. Weil man so oft an nichts anderes als Pommes und Pasta, Früchte und Gemüse oder eine kalte Cola denken kann. Man bekommt ihn kaum aus dem Kopf, diesen Gedanken an ein erfrischendes Getränk, wenn er sich einmal festgesetzt hat. Ebenfalls hoch im Kurs sind Burger. Und je näher wir der Stadt Idyllwild kommen, desto präsenter wird dieses Thema unter den Hikern. Immer wieder hört man den Namen «Paradise Valley». Die besten Burger soll es dort geben, in diesem Café an einer Kreuzung, nicht weit entfernt vom Trailhead, mitten im Nirgendwo. Bei unserem heutigen Campside treffen wir auf alte Bekannte.