: Barbara Fischer
: Lilith Baumweltensaga 1
: Periplaneta
: 9783959961486
: Edition Drachenfliege
: 2
: CHF 8.90
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: Fantastische Literatur
: German
: 396
: DRM
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
Gott ist eine Frau. Sie heißt Lilith und lebt in Asgard als Weltenchronistin in einer friedliebenden, aber wehrhaften Gemeinschaft rund um die Weltenesche Yggdrasil. Als Ariman, Liliths Zwillingsbruder, Asgard überfällt und den Weltenthron fordert, stellt sie sich ihm entgegen und gerät durch Verrat in der eigenen Familie in Lebensgefahr. Da verbünden sich die Baumwelten unter Führung der trinkfesten Eulenfrau Mahhara und einer ziemlich netten Hexe namens Kundrie und schlagen zurück. In 'Lilith' erhält der nordische Götterhimmel Verstärkung durch Figuren aus der sumerischen Mythologie und neue phantastische Wesen.

Barbara Fischer wurde in Weimar geboren, studierte Literaturwissenschaft, Ethnologie und Indonesische Philologie in Köln und schrieb danach u.a. fu?r die Deutsche Welle historische Feature. 2004 wird sie Dozentin fu?r Deutsch als Zweitsprache. Ihr Werdegang als Ku?nstlerin beginnt bereits in den späten 80er Jahren in der DDR. Seit 20 Jahren veröffentlicht sie immer wieder Texte und Gedichte in Literaturzeitschriften und Anthologien. 2014 erschien der Roman 'Liliths Weltenchronik', der 2019 erweitert und u?berarbeitet neu aufgelegt wurde. Weitere Baumweltenromane erscheinen 2020 und 2021. Barbara Fischer ist Mitglied im Haus der Frauengeschichte in Bonn und im Allerweltshaus e.V. in Köln.

1. Wie alles begann


Träge strömte Uradat Besar durch den kosmischen Urozean. Geheimnisse umwaberten den allumfassenden Schöpfergeist wie Nebel um Moorlöcher. Uradat Besar gehörte zur Gattung der Maulbrüter. Die Erscheinung war so wandelbar wie das Geschlecht. Gerade dümpelte sie oder er in Gestalt eines Walfischs durch die Urflut.

Eines Tages zum Fünf-Uhr-Tee biss Uradat Besar in einen Keks, setzte die Teetasse an den Mund und trank. Ein Nanopartikel kam aus dem Nichts angeschossen und blendete ihn oder sie. Er oder sie verschluckte sich, hustete und da passierte es. Sie oder er spuckte alles aus, was er oder sie im Maul hatte, Tee mit Sahne, Shortbread, Galaxien, taumelnde Spiralnebel, Sternenwirbel, schwarze Löcher, Haufen, Superhaufen, vier Schwestern, einen kleinen Stern, kurzum, alles, was je existiert hatte und existieren wird, samt verschiedener Zeitstrahlen in mehreren Paralleluniversen voller Unmöglichkeiten. Alles war fertig gebrütet. Und alles war gut. Alles? Alles, bis auf eine einzige unfertige Zelle, die ihren Weg aus dem riesigen Maul heraus fand, was sie nicht sollte.

Aber es war nur eine einzige unfertige Zelle unter all den großartigen Dingen, die er oder sie geschaffen hatte, tröstete sich Uradat Besar darüber hinweg, dass diese entschlüpft war. Der allumfassende Schöpfergeist betrachtete die vielen Universen und Welten und schwamm ganz zufrieden weiter.

Zufrieden war auch der kleine Stern, der es sich inmitten vieler anderer Sterne und Spiralnebel in einer Galaxie namens Milchstraße am Firmament bequem gemacht hatte. Sein Glück strahlte er hell ins Multiversum und beleuchtete nebenbei auch das Buch, das er Tag und Nacht in seinen spitzen Sternenfingern hielt und las. So fügten sich die Dinge, von Galaxie zu Galaxie und von Zeit zu Zeit.

Der kleine Stern studierte die „Intergalaktische Enzyklopädie“ des Doktor Broud von der Sternenakademie, des berühmtesten Wissenschaftlers des Andromeda-Nebels, einer Nachbargalaxie der Milchstraße. Der Doktor beschrieb in seiner Enzyklopädie alle bekannten taumelnden Spiralnebel, Sternenwirbel, schwarzen Löcher, Haufen, Superhaufen und Zeitstrahlen samt zugehörigen Sternen und Planeten in dem von ihm als „Multiversum“ bezeichneten Lebensraum mehrerer Paralleluniversen.

Da der Meister oder die Meisterin der Schöpfung anlässlich des Zwischenfalls mit dem Nanopartikel und der unmittelbar darauf folgenden Sturzgeburt keinen genauen Überblick über ihre oder seine Schöpfung mehr hatte, fühlte Doktor Broud sich nach einem längeren Fünf-Uhr-Tee-Gespräch mit Uradat Besar berufen, im Namen des Herrn oder der Frau, Namen, geographische Lage, Bewohner und alle Arten planetarischer Besonderheiten akribisch aufzulisten.

Der Doktor bereiste das vom allumfassenden Schöpfergeist Uradat Besar geschaffene Meisterwerk bis in seine letzten Winkel. Dann fasste er seine Forschung in dem Lexikon zusammen, das der kleine Stern der Milchstraße nun Seite für Seite verschlang. Geschichten über die unterschiedlichsten Lebensformen, klimatische Besonderheiten, Pflanzenwelten, aber auch Zeitlinien aller Art. Der kleine Stern liebte die gigantischen roten Eidechsen in den Donnersümpfen von Abdalla, die trotz ihrer Körpergröß