A. Einleitung:
1. Die Themenstellung:
Herzog Albrecht II. von Österreich (1298-1358) hatte zwischen der Laderstraße und der Färberstraße bzw. -gasse (heute Wien 1., Spiegelgasse 16 und Dorotheergasse 17) spätestens 1353 eine kleine Kapelle zu Ehren der heiligen Jungfrauen Dorothea und Catharina sowie aller Himmelsbürger gestiftet. Mit der Unterstützung Herzog Albrechts V. von Österreich wandelte dessen Kanzler Andreas Plank, ehemaliger Kanzler Albrechts IV., Lehrer Albrechts V., Pfarrer der Doppelpfarre Gars-Eggenburg und seit 1406 Rektor der Kapelle, diese am 15. August 1414 in ein Kloster von Augustiner Chorherren um; so hatte es der im September 1404, kurz vor seinem 27. Geburtstag, verstorbene Herzog Albrecht IV. gewünscht (siehe B.1.001 Andreas Plank).
Dank der Großzügigkeit des Landesfürsten, Andreas Planks und später des ehemaligen Bischofs von Chiemsee Ludwig Ebmer entwickelte sich die Gründung zunächst ausgezeichnet und wurde mit seiner Observanz zu einem Vorbild für andere Klöster. Ungünstige politische und ökonomische Umstände, aber auch schlechte Wirtschaftsführung und Verfall der Klosterzucht brachten die Kanonie jedoch zu Anfang des 16. Jahrhunderts an den Rand des Zusammenbruchs; Kaiser Ferdinand I. setzte daher den neunten Propst Hieronymus Smidl 1533 oder 1534 ab. Diese historische Zäsur begründet den zeitlichen Rahmen der vorliegenden Arbeit.1
Ansätze zu einer Geschichte St. Dorotheas finden sich bereits Ende des 16. Jahrhunderts. 1584 erschien ein heute verschollenes Gedicht von Alexius Strauß2 und Adamus Latomus über die Klostergründung und die Abfolge der Pröpste St. Dorotheas im Druck:
"Origo fundationis et successio Praepositorum Coenobi Dorotheae Viennae Austriae. Carmine M. Alexi Straus et Adami Latomi. Viennae 1584."3
(Ursprung der Gründung und Abfolge der Pröpste des Klosters der Dorothea in Wien, Österreich, in einem Gedicht von Mag. Alexius Straus und Adamus Latomus. Wien 1584.)
Auch ein Propst Hieronymus Hayden (1671-1698) gewidmetes und 1765 gedrucktes Gedicht4 behandelte die Abfolge der Pröpste und deren Leistungen seit der Gründung. Darin wird Propst Hieronymus, der das Stift und den angrenzenden Freihof von Grund auf erneuert hatte, die Beseitigung der Schäden nach der Türkenbelagerung von 1683 innerhalb von kaum 10 Jahren gedankt. Der Augustiner-Eremit Xystus Schier (1727-1772) notierte in seinem Katalog der Werke von Autoren der Universität Wien (siehe unten), er habe dieses bis 1691 reichende Gedicht auf einem ausgebreiteten prachtvollen Schmuckblatt aus Seide in der Stiftsbibliothek gesehen; es sei dem Propst von Dechant und Kapitel gewidmet worden:
"Origo fundationis collegii Canonicorum Regularium ordinis S. Augustini ad S. Dorotheam cum catalogo Reverendissimorum DD. Praepositorum ab anno erectae Canoniae usque ad A. MDCXCI Carmine expressa et gloriosissimo Nomini Reverendissimi DD. Hieronymi Hayden Praepositi etc. inscripta a devotissimis filiis decano et capitulo Can. Reg. ad S. Doroth. Vienn