: Walter Zechmeister
: St. Dorothea in Wien Die Augustiner Chorherren von 1414 bis 1534
: Morawa Lesezirkel
: 9783990576854
: 1
: CHF 8.70
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: Esoterik: Allgemeines, Nachschlagewerke
: German
: 760
: kein Kopierschutz
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: ePUB
Durch Herzog Albrecht V. von Österreich und dessen Kanzler Andreas Plank 1414 gegründet, entwickelte sich St. Dorothea bald zu einem führenden Vertreter der sogenannten Raudnitzer Klosterreform. Chorherren wurden in die neu gegründeten Klöster von Rottenmann, Wiener Neustadt und Schrattenthal sowie nach Glatz in Schlesien entsandt. Enge Kontakte mit Augustiner-Chorherren-Klöster in Österreich, Deutschland, Schlesien und Südtirol sind ebenfalls belegt. Die turbulente Geschichte des 15. Jahrhunderts spiegelt sich in der Klostergeschichte wider: Teilnahme des Propstes am Konzil von Basel, bei dem der Gegenpapst Felix V. gewählt wurde. Tätigkeit im Auftrag der niederösterreichischen Landstände, des Landesfürsten, der Kaiser Friedrichs III. und Maximilians I. sowie von Päpsten. Adelige wie Graf Niklas von Salm, der Verteidiger Wiens 1529, wählten die Klosterkirche als Grabstätte. Reiche Stiftungen von Bürgern und Adel bezeugten das Ansehen des Klosters. Der Kampf um die Vormundschaft über Ladislaus Postumus einschließlich des Krieges gegen den ungarischen Reichsverweser Johann Hunyadi, die Zwistigkeiten zwischen Friedrich III. und seinem Bruder Erzherzog Albrecht VI. um die Herrschaft in Österreich nach Ladislaus' Tod 1457, die Verheerungen durch König Matthias Corvinus von Ungarn, die wachsende Türkengefahr, damit verbunden die Verwüstung von Klosterbesitz und ständig steigende Abgaben führten schließlich zu Verschuldung, Verarmung und dem Verfall der Klosterzucht. Der neunte Propst wurde 1533 oder 1534 von Maximilian I. wegen Misswirtschaft abgesetzt und nach Stift Herzogenburg verbannt. Kaiser Josef II. hob St. Dorothea, damals das reichste Kloster Wiens nach dem Schottenstift, 1786 auf. Heute befindet sich an der Stelle von Kloster und Kirche das Auktionshaus Dorotheum.

Walter Zechmeister, geboren in St. Pölten, Studium der Germanistik und Klassischen Philologie (Latein). Unterricht an einer AHS und wissenschaftliche Arbeiten mit dem Schwerpunkt auf Editionen mittelalterlicher lateinischer Texte, unter anderem: - Zechmeister, Walter: Christani Campililiensis Opera poetica. Verlag Brepols, Turnholti 1992 (Corpus Christianorum, Continuatio mediaevalis 19A/B). - Zechmeister, Walter: Glossae de evangeliis dominicalibus. Glossen über die Sonntagsevangelien. Pseudo-Albertus-Magnus in der Bearbeitung eines Zisterziensers. Aus dem Codex Campililiensis 144 fol. 72ra-78ra. Ediert, übersetzt und kommentiert von W. Z. Verlag Bautz, Nordhausen 2004. - Zechmeister, Walter: Flosculus beatae virginis. Marienallegorien als Brief eines Zisterziensers. Verlag Bautz, Nordhausen 2015. Ediert, übersetzt und kommentiert von W. Z. Verlag Bautz, Nordhausen 2015.

A. Einleitung:

1. Die Themenstellung:

Herzog Albrecht II. von Österreich (1298-1358) hatte zwischen der Laderstraße und der Färberstraße bzw. -gasse (heute Wien 1., Spiegelgasse 16 und Dorotheergasse 17) spätestens 1353 eine kleine Kapelle zu Ehren der heiligen Jungfrauen Dorothea und Catharina sowie aller Himmelsbürger gestiftet. Mit der Unterstützung Herzog Albrechts V. von Österreich wandelte dessen Kanzler Andreas Plank, ehemaliger Kanzler Albrechts IV., Lehrer Albrechts V., Pfarrer der Doppelpfarre Gars-Eggenburg und seit 1406 Rektor der Kapelle, diese am 15. August 1414 in ein Kloster von Augustiner Chorherren um; so hatte es der im September 1404, kurz vor seinem 27. Geburtstag, verstorbene Herzog Albrecht IV. gewünscht (siehe B.1.001 Andreas Plank).

Dank der Großzügigkeit des Landesfürsten, Andreas Planks und später des ehemaligen Bischofs von Chiemsee Ludwig Ebmer entwickelte sich die Gründung zunächst ausgezeichnet und wurde mit seiner Observanz zu einem Vorbild für andere Klöster. Ungünstige politische und ökonomische Umstände, aber auch schlechte Wirtschaftsführung und Verfall der Klosterzucht brachten die Kanonie jedoch zu Anfang des 16. Jahrhunderts an den Rand des Zusammenbruchs; Kaiser Ferdinand I. setzte daher den neunten Propst Hieronymus Smidl 1533 oder 1534 ab. Diese historische Zäsur begründet den zeitlichen Rahmen der vorliegenden Arbeit.1

Ansätze zu einer Geschichte St. Dorotheas finden sich bereits Ende des 16. Jahrhunderts. 1584 erschien ein heute verschollenes Gedicht von Alexius Strauß2 und Adamus Latomus über die Klostergründung und die Abfolge der Pröpste St. Dorotheas im Druck:

"Origo fundationis et successio Praepositorum Coenobi Dorotheae Viennae Austriae. Carmine M. Alexi Straus et Adami Latomi. Viennae 1584."3

(Ursprung der Gründung und Abfolge der Pröpste des Klosters der Dorothea in Wien, Österreich, in einem Gedicht von Mag. Alexius Straus und Adamus Latomus. Wien 1584.)

Auch ein Propst Hieronymus Hayden (1671-1698) gewidmetes und 1765 gedrucktes Gedicht4 behandelte die Abfolge der Pröpste und deren Leistungen seit der Gründung. Darin wird Propst Hieronymus, der das Stift und den angrenzenden Freihof von Grund auf erneuert hatte, die Beseitigung der Schäden nach der Türkenbelagerung von 1683 innerhalb von kaum 10 Jahren gedankt. Der Augustiner-Eremit Xystus Schier (1727-1772) notierte in seinem Katalog der Werke von Autoren der Universität Wien (siehe unten), er habe dieses bis 1691 reichende Gedicht auf einem ausgebreiteten prachtvollen Schmuckblatt aus Seide in der Stiftsbibliothek gesehen; es sei dem Propst von Dechant und Kapitel gewidmet worden:

"Origo fundationis collegii Canonicorum Regularium ordinis S. Augustini ad S. Dorotheam cum catalogo Reverendissimorum DD. Praepositorum ab anno erectae Canoniae usque ad A. MDCXCI Carmine expressa et gloriosissimo Nomini Reverendissimi DD. Hieronymi Hayden Praepositi etc. inscripta a devotissimis filiis decano et capitulo Can. Reg. ad S. Doroth. Vienn