Mit einem Knoten im Magen bog Lovis in den Feldweg ein, der von der Hauptstraße abging und zum Messner Hof führte. Sein froschgrüner VW Golf, Baujahr 1977 und damit dieselbe Altersklasse wie er selbst, rumpelte gnadenlos in jedes Schlagloch, und genau in der Kurve mit der gemeinen Steigung starb der Motor ab. Lovis drehte den Zündschlüssel einmal, zweimal, doch außer einem müden Husten gab der »Kübel«, wie er seinen Oldtimer liebevoll nannte, kein Lebenszeichen von sich.
Dann eben nicht, dachte Lovis. Er stieg aus, schlug die Autotür zu und fixierte sein Ziel mit zusammengekniffenen Augen. Ein paar Hundert Meter bergwärts lag der Messner Hof. Friedlich schmiegte er sich in eine schattige Mulde. Daneben verlief ein kleines Bächlein, das jetzt zur Schneeschmelze noch munter vor sich hinplätscherte. Im Sommer würde es ausgetrocknet sein. Bis an den Weg standen Apfelbäume, die Knospen schon ganz dick und heute von einer glänzenden Eisschicht umhüllt. In prallen Tropfen hingen kleine Eiszapfen von den Ästen. Wenn die Sonne gegen zehn Uhr hinter der Plose hervorkam, würden die Bäume wie verzaubert glitzern, und die Apfelwiese wäre wie aus einem Märchen anzuschauen.
Schnaufend wanderte Lovis den Feldweg hinauf zum Hof. Aus dem Stall klangen die typischen Geräusche der Morgenfütterung. Paul war also schon an der Arbeit. Einen kurzen Moment lang zögerte Lovis. Sollte er ihm beim Melken zur Hand gehen? Doch er entschied sich dagegen. Ein leerer Magen und Stallgeruch – das vertrug sich nicht. Er wandte sich dem Wohnhaus zu und stapfte den schmalen Weg hoch zum Eingang, wo er von einem schwanzwedelnden Bernhardiner freudig empfangen wurde.
»Na, Barnabas, alter Junge«, begrüßte er den betagten Hofhund und streichelte ihm über den Kopf. »Hast du auch Hunger?«
Barnabas vollführte eine Art Tanz, tappte von einer Pfote auf die andere und drehte sich wild im Kreis. Lovis interpretierte das als eindeutiges Ja. Er drückte die Klinke der Haustür herunter, und der Hund schoss wie der Blitz hinein, direkt auf seinen leeren Napf zu, der in dem dunklen Flur auf den Steinfliesen stand.
»Warte einen Moment.« Lovis füllte die Schüssel des Hofhundes mit Trockenfutter, das er in der Abstellkammer fand, und schmunzelte über die Begeisterung, mit der sich Barnabas über sein Fressen hermachte. Ein Grummeln erinnerte Lovis daran, dass auch sein eigener Magen leer war. Höchste Zeit für ein Frühstück.
Er fühlte sich wie ein Eindringling, als er di