Die Vorbereitungen
Mama.
Der Countdown läuft. Nur noch drei Wochen bis zum 14. Mai, um alles auf die Kette zu kriegen – und meine Projekte abzuschließen. Viel Programm für wenig Zeit. Denn ich brauche natürlich noch »Fleisch« für meine Reise nach Assisi – Infos, Anekdoten, Fakten.
Welche Orte hat mein Vater in Assisi gerne aufgesucht?
Wer waren seine Freunde dort?
Wann war er zum ersten Mal da, wann zum letzten Mal – und warum überhaupt Assisi?
Nur, weil man katholisch ist, muss man ja nicht ständig dort hinreisen. Da reicht auch einmal Rosenkranz beten in Südoldenburg.
So richtig viele Menschen fallen mir nicht ein, die etwas über meinen Vater erzählen können. Klar, Mama, und mein Bruder Andreas. Allerdings sind die Storys meiner Mutter über die Jahre wirklich bis ins Letzte durcherzählt, und Andreas weiß auch nicht viel mehr über Papas Zeit in Assisi als ich – also gar nichts. Es müsste jemand sein, der ihn als Kind und als Jugendlichen kannte – und da gibt es nur noch eine Person mit Hoheitswissen: Tante Lore! Keiner von uns hat sie seit den Achtzigern wiedergesehen. Aber vielleicht hat Mama noch Kontakt zu ihr!?
»Oh, schön, Busi! Das würde dein Papa toll finden. Er hat es dort so geliebt!«
Meine Mutter ist begeistert von meiner Idee, nach Assisi zu reisen, und legt direkt einen Story-Klassiker auf:
»Papas bester Freund war Antonello …«
»Ich weiß Mama!«
»… und er ist ein Jahr später nach der Messe, die für deinen Papa in Assisi gelesen wurde, auch an einem Herzinfarkt gestorben …«, setzt sie ihren Satz mit gesenkter Stimme ungehindert fort.
»Auch das weiß ich. Aber mich interessiert viel mehr, wie die zwei sich kennengelernt haben. Ich meine, was machte Papa in Assisi? Da ist man doch nicht einfach so. Da muss man doch einen Plan haben. Und warum taucht da plötzlich Antonello auf?«
Schweigen. Mama überlegt und kommt praktisch veranlagt, wie sie nun einmal ist, zur selben Erkenntnis wie ich: »Weißt du, wer dir bestimmt was dazu sagen könnte – Tante Lore!«
»Habe ich auch schon überlegt! Hast du Kontakt zu ihr?«
»Nein. Sie ist ja nicht mehr mit Onkel Klaus verheiratet.«
»Wann hast du sie denn das letzte Mal gesprochen?«
»Och, das ist ewig her. Vor dreißig Jahren vielleicht. Aber mit Klaus habe ich vor zwei Jahren gesprochen. Er meinte, Lore arbeite ehrenamtlich für die katholische Seelsorge.«
Nach dem Telefonat mit meiner Mutter reichen drei Klicks bei Google, um Kontakt zu meiner Tante herzustellen. Sie kümmert sich in einer katholischen Kirchengemeinde im Ruhrgebiet um Senioren. Ich rufe im Pfarrheim an, hinterlasse eine Nachricht für sie auf dem Anrufbeantworter. Au