: Elisabeth Herrmann
: Requiem für einen Freund Kriminalroman
: Goldmann
: 9783641214289
: Joachim Vernau
: 1
: CHF 8.90
:
: Gegenwartsliteratur (ab 1945)
: German
: 480
: Wasserzeichen
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
Eines Tages bekommt der Berliner Anwalt Joachim Vernau eine Betriebsprüfung. Zu seinem Erstaunen verbeißt sich der Beamte in eine Jahre alte Restaurantquittung - und liegt wenig später erschossen in Vernaus Büro. Die Polizei geht von Selbstmord aus, aber Vernau hegt Zweifel. Vor allem als er herausfindet, dass der Beamte heimlich im Fall einer prominenten Steuerfahnderin ermittelt hat, die unter mysteriösen Umständen ums Leben gekommen war. Ein Netz aus Korruption und Gewalt zieht sich bis in die höchsten Kreise Berlins - und Vernau gerät ins Visier der Schattenmänner, die jeden aus dem Weg räumen, der ihre Kreise stört ...

Elisabeth Herrmannwurde 1959 in Marburg/Lahn geboren. Nach ihrem Studium als Fernsehjournalistin arbeitete sie beim RBB, bevor sie mit ihrem Roman 'Das Kindermädchen' ihren Durchbruch erlebte. Fast alle ihre Bücher wurden oder werden derzeit verfilmt: Die Reihe um den Berliner Anwalt Joachim Vernau sehr erfolgreich vom ZDF mit Jan Josef Liefers. Elisabeth Herrmann erhielt den Radio-Bremen-Krimipreis, den Deutschen Krimipreis und den Glauser für den besten Jugendkrimi 2022. Sie lebt mit ihrer Tochter in Berlin und im Spreewald.

Hüte dich vor goldenen Löwen


1


Alttay klebte den ganzen Weg hinaus an uns wie ein Kaugummi am Schuh. Mit fliegenden Schößen überholte er mich sogar auf der Treppe und stellte sich mir in den Weg.

»Wisst ihr, an was ihr da grade dran seid? Das könnt ihr doch gar nicht überblicken. Wenn ihr einen Mörder deckt …«

Ich schob ihn ärgerlich zur Seite. Das hatte man davon, wenn man einen Gerichtsreporter ins Boot holte, der vom Pulitzerpreis träumte.

»Erst mal müssen wir uns anhören, was er zu sagen hat. Das kann alles auch einen ganz harmlosen Grund haben.«

»Jemand eliminiert alle Hinweise darauf, dass ihr an dem Abend zusammen wart! Ein Betriebsprüfer musste deshalb sterben! Weigert war Mord! Kapiert ihr das nicht? Sagt mir den Namen!«

»Ruhig, Brauner«, sagte Marie-Luise. »Ganz tief durchatmen.«

Wir passierten die Sicherheitsschleuse. Draußen zog Alttay hastig eine zerdrückte Kappe aus den Taschen seiner Jacke und setzte sie sich auf. Sie kleidete ihn definitiv nicht, aber er hatte ja andere Vorzüge.

»Jetzt rückt schon raus damit! Ihr wisst doch, alles wird streng vertraulich behandelt.«

»Dann machen wir einen Deal. Quid pro quo. Wer ist dein Passmann bei der WK?«

Ich trat sehr nahe an ihn heran. Marie-Luise kam auch dazu, steckte sich allerdings sofort ihre Zigarette an. Alttay warf einen vorsichtigen Blick zurück zum Gerichtseingang.

»Das … das geht nicht.«

»Wer versorgt dich aus dem Dezernat Wirtschaftskriminalität und Korruption mit Informationen?«

»Ich kann versuchen, ein Treffen zu arrangieren. Versuchen, okay? Was wollt ihr denn von ihm?«

Marie-Luise pustete den Qualm gegen den Wind. »Er soll sich umhören, woher der Tipp mit der Razzia an die Presse kam.«

»Oh. Er soll. Und natürlich tut er, was er soll.«

»Er soll uns alle Unterlagen von Weigert zur Verfügung stellen. Vor allem die Sache mit der CD interessiert mich.«

»Uns«, verbesserte ich sie.

»Uns, klar.«

»Welche CD?«, fragte Alttay. Und als wir nicht antworteten: »Welche CD?«

»Weigert wurden Informationen über Schwarzgeldkonten angeboten«, sagte Marie-Luise. »Auf einer Daten-CD. Aus der Schweiz. Ihr Verdacht war also nicht ganz so aus der Luft gegriffen, wie das manche Leute dargestellt haben.«

»Meinst du vielleicht mich damit?«

»Nein. Nein! Aber es muss eine undichte Stelle gegeben haben. In der Staatsanwaltschaft oder der WK. Wir brauchen den Namen.«

Alttay schloss den Reißverschluss seiner Jacke. Er hakte. Vielleicht war er auch einfach nur nervös und sorgte sich um seine Quelle.

»Das geht nicht, das wisst ihr doch ganz genau.«

»Dann hör dich um!«, bohrte ich.

Er ratschte den Verschluss hoch und klemmte sich dabei den Schal ein. Fluchend versuchte er mehrmals, irgendetwas zu retten, bis Marie-Luise ihm zur Hilfe kam.

Der Schal war erlöst. Er fuhr mit der Hand unter den Kragen, um alles etwas zu lockern. »Ich tu, was ich kann. In Ordnung? Ich melde mich. Und dann will ich den Namen von deinem Kumpel haben, der in der Tatnacht mit dir gesoffen hat.«

Er hob die Hand zum Gruß und trottete die Straße entlang. Irgendwie erschien mir das alles wie ein drittklassiger Menschenhandel.

»Wenn du das tust, ist Marquardt e