1. Kapitel
Canary Wharf, London, 9. Juli 2018
Gentlemen. Ms Fairfax. Wir haben ein Problem.«
Der Bankpräsident ging mit lautlosen Schritten über den dicken Teppich zu seinem Platz am Kopf der langen polierten Tischplatte aus schwerem Walnussholz. Er ließ seinen Blick über die Anwesenden schweifen, und Charlotte hatte das Gefühl, er müsse sich vorkommen wie in einer Art Spiegelkabinett: zwei identische Reihen dunkelblauer Maßanzüge, zwei identische Reihen sauberer männlicher Haarschnitte – kurz im Nacken und an den Seiten –, gespreizte Oberschenkel und kräftige Hände, säuberlich auf den Tisch gelegt. Sie allein fiel aus dem Rahmen: langes schwarzes, mit einer Chanel-Schleife im Nacken zusammengebundenes Haar, diskret manikürte Fingernägel, schmale Schultern, beigefarbenes Kleid.
»Carlos Mendoza.«
Sogar sie kannte den Namen. Man brauchte nicht zur Bank zu gehören, um zu wissen, dass es sich hier um den größten Fisch des diskreten Geldhauses handelte, das nur die Reichsten der Reichen zu seinen Kunden zählte. Die Familie gehörte zum spanischen Hochadel, mit mehreren Herzogtümern, und besaß in Andalusien weite Landstriche. Die Mendozas hatten den Grundstock für ihr Vermögen ursprünglich mit der Zucht von Kampfstieren für die Arena gelegt, doch hatte man die Geschäfte über die Jahre ausgeweitet, stark in den Obstanbau investiert und seit Neuestem auch in die Medizintechnik. Charlotte hatte erst vor Kurzem ein Profil der Familie in einer Wirtschaftszeitung gelesen, und soweit sie sich erinnern konnte, betrug ihr Nettovermögen um die 750 Millionen Pfund.
»Ich habe vorhin einen Anruf von seinem Sohn Mateo erhalten. Der alte Knabe hat leider Gottes nicht mehr lange zu leben: Bauchspeicheldrüsenkrebs im Endstadium.« Er schnalzte mitfühlend, aber Charlotte hörte noch etwas anderes heraus: dass sein Tod äußerst ungelegen kam.
Hugh Farrer ließ sich auf seinen Platz am Kopfende des Tisches sinken und blickte in die Runde. Mit vierundfünfzig Jahren war er der bisher jüngste Präsident der Bank – und der bei Weitem rücksichtsloseste. Die Profite waren in den letzten achtundzwanzig Monaten, seit er im Amt war, um ein Drittel gestiegen, aber das hatte seinen Preis: Einundzwanzig Prozent der Belegschaft waren entlassen worden, und während der Hauptsitz des Unternehmens in London ausgebaut worden war, hatte er zugleich vier der auf ganz Europa verteilten Zweigstellen schließen lassen.
»Die Ärzte geben ihm noch einen Monat, vielleicht auch sechs Wochen. Uns bleibt also nicht mehr viel Zeit.«
Uns? Charlotte bemerkte, wie sich Schultern strafften, Rücken aufrichteten. Sie dagegen neigte abwartend den Kopf zur Seite.
Farrer holte ge