: Carla Berling
: Klammerblues um zwölf Roman
: Heyne Verlag
: 9783641258184
: 1
: CHF 5.40
:
: Erzählende Literatur
: German
: 272
: Wasserzeichen
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
Fee, 57, befindet sich im Ausnahmezustand: Ihr Gatte Teddy ist ungeplant gestorben! Nun hängt sie auf dem Sofa rum und übersteht die Tage nur mit Chips, Prosecco, Musik und Seriengucken. Am Ende eines einsamen Silvesterabends steht plötzlich Nachbarin Claudine vor der Tür. Die energische Sechzigjährige bringt Fees Dasein mit ihrer Lebenslust durcheinander. Sie macht sogar den absurden Vorschlag, mit ihr und der 72-jährigen Mary, die für den Seniorentriathlon trainiert und sehr frei über die Liebe denkt, eine WG zu gründen. Fee stürzt sich ins Leben, stolpert über die Leine eines hustenden Mopses, verknallt sich in Winnetou - und schneidet endlich alte Zöpfe ab!

Felicitas Fuchs ist das Pseudonym der Erfolgsautorin Carla Berling, die sich mit Krimis, Komödien und temperamentvollen Lesungen ein großes Publikum erobert hat. Schon bevor sie sich ganz dem Schreiben widmete, war sie als Reporterin und Pressefotografin immer sehr nah an den Menschen und ihren Schicksalen. Für ihre historischen Familienromane lässt sie sich gern von Geschichten aus dem wahren Leben inspirieren. Mit ihrer Mütter-Trilogie gelang ihr auf Anhieb ein SPIEGEL-Bestsellererfolg.

Prolog

Manchmal, so wird das Unvorhersehbare gern erklärt, kann der Flügelschlag eines Schmetterlings einen Tornado auf der anderen Seite der Erdkugel auslösen.

Bei mir war es ein hustender Mops.

Am Eifelplatz radelte ich durch die Allee in der Mitteder Volksgartenstraße, querte die Kreuzung Vorgebirgsstraße und nahm den Fuß- und Radweg in der Rolandstraße.

Plötzlich hustete ein paar Meter vor mir, rechts, im Gras, ein fetter schwarzer Mops. Er hustete so erbärmlich, dass ich dachte, er würde kollabieren und dabei verrecken.Daher übersah ich die Jojo-Leine, an der dieser Mops hing, und stürzte mit Karacho hin. Dennoch kam der Schotter auf dem Weg wie in Zeitlupe auf mein Gesicht zu. Ich spürte plötzlich einen stechenden Schmerz am Kinn und am Schienbein, der mir direkt ins Gehirn schoss. Dann wurde mir schwarz vor Augen.

Als ich zu mir kam, krakeelte der Köter noch lauter, offenbar direkt neben meinem Schädel. Langsam erkannte ich das Husten als hysterisches Gekläff, und als ich die Augen aufschlug, blickte ich in Winnetous Gesicht.

Okay, es war eher ein nordischer Winnetou. Er hatte langes weißes Haar, in der Mitte gescheitelt, im Nacken offenbar zum Zopf gebunden. Seine Augen waren tiefseeblau, mit breiten dunklen Brauen. Ich lächelte selig. Pierre Brice lebte. Und er trug ein gelbes Hawaiihemd mit pinkfarbenen Palmen, aus dessen Ausschnitt üppige graue Brustwolle quoll.

Rasch schloss ich die Augen wieder.

Das Kreischen des Hundes gellte in meinen Ohren lauter und lauter und entfachte weiße Blitze hinter meiner Stirn.

Ruhig bleiben. Atmen. Du lebst. Du liegst. Kann bitte einer den Hund erschießen, wollte ich sagen, aber es kam nur ein Gurgeln aus meiner trockenen Kehle.Sortiere. Denk immer nur einen Gedanken nach dem anderen.

»Taxi! Ruhe!«, rief jemand.

Was denn nun? Wollte einer ein Taxi oder seine Ruhe?

Mein Verstand sagte mir:Ich liege also auf dem Boden. Ich bin gestürzt. Mit dem Rad. Über die Leine des Hundes. Mir ist ein Mann erschienen, der wie Winnetou aussieht.

Noch mal rief die Stimme: »Taxi, aus!«

Okay, dachte ich, irgendwas ist im Gehirn kaputt. Offenbar war ich auf den Kopf geknallt und halluzinierte.

»Können Sie mich hören, hallo, bitte öffnen Sie die Augen, schauen Sie mich an, soll ich einen Krankenwagen rufen?«

Die Stimme … Es war die, die eben ein Taxi gerufen hatte, und sie klang wie Jesus aus dem Off. Ich blinzelte vorsichtig.

Jesses, Winnetou war immer noch da und klopfte nun sogar mit den Fingerspitzen sanft auf meine Wangen.

Ich konzentrierte mich aufs Atmen. Einatmen, anhalten, einundzwanzig, zweiundzwanzig, dreiundzwanzig, ausatmen.

Meine Lebensgeister kehrten zurück, ic