Willkommen in Inspektor Jurys Welt – ein kurzes Who’s who
Im Mittelpunkt des Geschehens steht zweifellosRichardJury, Inspektor bei New Scotland Yard, seit einigen Jahren Superintendent, ein hochgewachsener, geheimnisumwitterter, etwas melancholischer Zeitgenosse mit umwerfendem Lächeln und charmanter Ausstrahlung, die ihre Wirkung auf die Damenwelt nicht verfehlt. Kurzen Affären durchaus nicht abgeneigt, hat Jury jedoch irgendwie kein rechtes Glück bei den Frauen, die sich ihm entweder spröde entziehen oder nach vielversprechenden Avancen wegsterben. Früh verwaist, wurde er als kleiner Junge von einem mitleidigen Onkel aufgenommen. Dessen Tochter, Jurys Cousine Sarah in Newcastle, einzige Verwandte und Bindeglied zur Vergangenheit, ist inzwischen aber auch verstorben. Den Halt, den ihm ein geordnetes Familienleben bieten könnte, findet Jury in einem recht bizarren Beziehungsgeflecht, unter anderem bei den Mitbewohnern in seinem bescheidenen Mietshaus im Nordlondoner Stadtteil Islington, der köstlichenCarol-Anne Palutski etwa, einem betörend hübschen Glamourgirl mit dem Herzen auf dem rechten Fleck, die ihn mit ihren unablässigen, irrlichternden Kommentaren geistig auf Trab hält, ihn immer wieder – und immer erfolglos – zu Ausflügen in die Londoner Gastronomie anstiftet, die aber auch ein eifersüchtig wachsames Auge auf die tatsächlichen oder eingebildeten Damenbekanntschaften des Superintendenten hat und dazu seinen angeblich nur sporadisch funktionierenden Anrufbeantworter in ihrem Sinn manipuliert.
In typisch britischer Gentleman-Manier ist Jury dem Verbrechen in all seinen Ausformungen auf der Spur und manövriert in spannenden Verhörduellen auch die ausgekochtesten Gegenspieler geschickt an die Wand. Besonders gut kann er mit Kindern umgehen, eine für seine Ermittlungen günstige Eigenschaft, die den meisten seiner Kollegen abgeht. MitBrian Macalvie, Divisional Commander der Polizei von Devon und Cornwall, einem ernsthaften, in seiner Detailversessenheit bisweilen geradezu pingelig wirkenden Kollegen, entwickelt Jury im Lauf der gemeinsam gelösten Fälle eine wahre, auch Wortgefechten nicht abholde Freundschaft.
Ein rechter Stachel im Fleische des Superintendenten ist dagegen sein »Chef«,Chief Superintendent Racer. Dieser versucht ständig querzuschießen und Jury mit Kriminalfällen auf allen möglichen Nebenschauplätzen von der eigentlich wichtigen Arbeit abzuhalten, die Ermittlungserfolge seines Untergebenen dann allerdings für sich zu reklamieren.
Treuester Gefährte bei der Verbrechensbekämpfung, stets zur Stelle, gelegentlich mäßigend eingreifend, wenn sich der ansonsten so beherrschte Jury einem unverschämt auftretenden Mordverdächtigen gegenüber doch einmal vergisst, istDetective Sergeant Alfred Wiggins, ein liebenswerter, ewig kränkelnder Hypochonder, rührend besorgt auch um das gesundheitliche Wohl seines Vorgesetzten. Auf ihn kann Jury nicht verzichten: Bei Zeugenbefragungen ist Wiggins großartig, nicht zuletzt durch seinen oft guten Draht zum jeweiligen Haus- und Küchenpersonal, wo er bei einer feinen Tasse Tee (oder zwei oder drei ...) eifrig alles ins gezückte Notizbuch kritzelt, was dann zum entscheidenden Hinweis führt.
WennMelrose Plant, der Achte Earl von Caverness und Zwölfte