: Jamie Brenner
: Das Erbe eines Sommers Roman
: Goldmann Verlag
: 9783641247270
: 1
: CHF 2.70
:
: Gegenwartsliteratur (ab 1945)
: German
: 496
: Wasserzeichen
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
Der neue Roman der US-Bestsellerautorin: Strandlektüre mit Sonnenscheingarantie

Sommer in Sag Harbor, Long Island. Für Emma, die im American Hotel die Gäste empfängt, bedeutet das Hochsaison. Auch ihr guter Freund, der Maler Henry Wyatt, kam einst als Sommergast – und blieb. Als er unerwartet stirbt, vermacht er seine Villa mitsamt allen Kunstwerken Emmas Tochter Penny. Diese ist ebenso überrascht wie Henrys einstige Geliebte Bea. Was hat er sich bei diesem Testament nur gedacht? Bald stößt Bea auf eine Spur: Offenbar hat Henry an verschiedenen Orten in Sag Harbor Zeichnungen hinterlassen. Zeichnungen, die eine Botschaft enthalten und ihrer aller Leben für immer verändern werden ...

Jamie Brenner entdeckte schon als Kind ihre Liebe zu Büchern. Später studierte sie Literaturwissenschaften und ging nach New York, um in der Verlagsbranche zu arbeiten. Heute ist sie selbst Autorin und kann sich keinen schöneren Beruf vorstellen. Jamie Brenner lebt mit ihrer Familie in New York.

Kapitel eins


An den Sommerwochenenden hatte man das Gefühl, das American Hotel in Sag Harbor sei der Nabel der Welt. Die Einheimischen kamen, um sich einen Drink zu genehmigen, und die Touristen in der Hoffnung, eins der acht Zimmer zu ergattern.

Es war der Freitag vor dem Memorial Day, also noch nicht offiziell Sommer, aber doch beinahe. Die Busse der Hampton-Jitney-Linie hielten direkt vor dem Hotel und spuckten stündlich eine neue Ladung Besucher aus Manhattan aus.

Emma Mapson, die in Sag Harbor geboren war, beobachtete schon lange, wie der sommerliche Touristenstrom von Jahr zu Jahr anschwoll. Sie hatte gesehen, wie immer noch schickere Restaurants und an der Main Street immer noch mehr Luxusboutiquen eröffnet worden waren. Eines aber war über die Jahre gleich geblieben, und das war das American Hotel. Der Kolonialbau aus rotem Backstein mit den antiken Holzmöbeln, den Gemälden mit maritimen Motiven an den Wänden und den Tiffany-Leuchtern sah noch genauso aus und fühlte sich auch noch genauso an wie zu der Zeit, als Emma ein junges Mädchen gewesen war. Im Empfangsbereich standen dieselbe abgewetzte Couch und derselbe Backgammontisch, an dem sie von ihrem Vater Backgammon gelernt und sie selbst es ihrer eigenen Tochter beigebracht hatte. Alles schien sie aufzufordern:Na los, genieß das Leben ein bisschen! So hatte es sich jedenfalls bisher angefühlt.

Eine Frau näherte sich dem Empfang und sagte: »Es gibt da ein paar Dinge, die mich an meinem Zimmer stören.«

»Oh, das tut mir leid«, erwiderte Emma, warf einen Blick auf das von Hand ausgefüllte Reservierungsbuch und versuchte herauszufinden, mit welchem Gast sie es zu tun hatte. »Was genau stört Sie denn?«

»Einfach alles!«, antwortete die Frau. »Es gibt keine einzige Steckdose, damit ich mein Telefon aufladen kann, es gibt keinen Fernseher und keinen Wandschrank.«

Emma setzte routiniert eine neutrale Miene auf. Zu verständnisvoll, und es kam einem Eingeständnis gleich, dass tatsächlich einiges im Argen lag; zu verwirrt, und der Gast fühlte sich provoziert. Eine ausdruckslose Miene war das Unverfänglichste.

»Ihr Name, Ma’am?«, fragte Emma.

»Stoward.« Sie sagte es so langsam und deutlich, als hätte sie es mit jemandem zu tun, der gerade erst lesen und schreiben gelernt hatte.

Emma sah die Einträge im Reservierungsbuch durch. Die Frau war im Cooper-Zimmer untergebracht. Es stimmte schon, einen Fernseher gab es dort nicht, genauso wenig wie in allen anderen Zimmern. Und einen Wandschrank gab es auch nicht, aber dafür einen großen antiken Schrank. Steckdosen allerdings hatte es genug. Ihr war völlig schleierhaft, wieso die Frau keine finden konnte.

»Mrs Stoward, ich …« Emma schaute auf. Ihr Blick fiel auf einen vertrauten dunklen Lockenkopf auf der andere