: Olivia Potts
: Das Leben neu backen Wie Trauer, Liebe und Kuchen mein Leben veränderten
: Wunderraum
: 9783641249892
: 1
: CHF 10.80
:
: Erzählende Literatur
: German
: 416
: Wasserzeichen
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
»Darf ich mich vorstellen: Olivia Potts, Journalistin, Foodbloggerin und Patissière. In meinem Buch erzähle ich davon, wie mir Torten, Brotteig und Zuckerguss dabei halfen den Tod meiner Mutter zu verarbeiten.«
»Das Leben neu backen« ist die bewegende, humorvolle und lebensbejahende Geschichte einer jungen Frau, die ihre Trauer besiegt, ihre große Liebe findet und in dem Backen unwiderstehlicher Kuchen ihre neue Berufung findet. Dieser Weg wird begleitet von vielen köstlichen Rezepten zum Nachbacken: Shepherd’s Pie, Bananen-Rolo-Brot, Lemon Curd, Pizza, Sodabrot mit Käse, Mums Minestrone, Cantuccini, Schoko-Maracuja-Pavlova, Flan mit Safran, Himbeersoufflé mit Erdnussbutter-Crème-Anglaise- üllung ,Schokokuchen mit flüssigem Kern, Ochsenschwanz-Marmite-Pithivi r, Chai-Birne-Tarte-Tatin, Windbeutel mit Earl-Grey-Füllung, Gesalzener Milchschokolade-Praliné-Crisp und Lebkuchen.

Olivia Potts ist Patissière und betreibt den Cateringservice FEAST. Vor einigen Jahren entschied sie sich, die Anwaltsrobe an den Nagel zu hängen und eine Ausbildung an der Kochschule »Le Cordon Bleu« zu beginnen. Sie schreibt Foodkolumnen für verschiedene englische Zeitungen und Magazine und lebt in London. »Das Leben neu backen« ist ihr erstes Buch.

1

Wenn ein geliebter Mensch stirbt, geschieht etwas Seltsames. Was immer auch in diesem Moment passiert, erzeugt ein besonderes Echo. Vielleicht hat man sich gerade eine Folge der eigenen Lieblingsserie angesehen, oder man war auf dem Weg zum Pilatestraining. Oder man hat gerade eine bestimmte Sorte Schokoladenkekse gekauft.

Es muss nicht einmal etwas Besonderes gewesen sein; meistens ist es sogar etwas ganz Alltägliches. Der Tod hat ein Händchen dafür, in ganz gewöhnlichen Situationen aufzutauchen. Doch es sind gerade diese gewöhnlichen Situationen, die den Großteil unseres Lebens ausmachen. Und so nehmen wir wahrscheinlich genau diese alltägliche Tätigkeit, ohne es eigentlich zu wollen, irgendwann wieder auf und durchleben dadurch den Moment des Todes immer und immer wieder. Es wird mit jedem Mal schwerer, die Lieblingsserie anzuschauen; Pilates verliert seinen Reiz.

Mit der Zeit klingt die Trauer ein wenig ab, aus dem Stich, der uns den Atem raubt, wird ein dumpfer Schmerz; sie steht nicht mehr vor uns und versperrt uns die Sicht, sondern tritt einen Schritt hinter uns, ist gegenwärtig, verwirrend, aber unauffällig. Doch am Ende sind es genau die Schokoladenkekse, die uns immer wieder direkt zu diesem Moment zurückkatapultieren, auf eine Weise, die uns den Atem raubt und uns immer wieder das Herz bricht.

Wenn man an diesem Punkt ist, scheint es vernünftig, diese mit dunklen Erinnerungen behafteten Situationen und Tätigkeiten zu meiden, das Problem zu lösen, indem man so schnell wie möglich davor flieht. Man findet eine neue Lieblingsserie, die dieselben Bedürfnisse stillt; Pilates kann ohnehin niemand ausstehen, und es gibt andere Kekse. Problematisch wird es dann, wenn man zur eigenen Überraschung feststellt, dass es genau diese von Trauer überschatteten Tätigkeiten sind, mit denen man sich für den Rest seines Lebens beschäftigen will.

Als meine Mutter starb, war ich gerade in der Küche. Allerdings war ich damals bei Weitem keine Köchin. Ich kochte gar nicht. Ich ernährte mich von Sandwiches bekannter Fast-Food-Ketten, von gefüllter Pasta aus dem Supermarkt und von mehr Kebabs, als ich zugeben mochte. Meine seltenen Ausflüge in die Küche führten zu zusammengefallenen Kuchen, verbrannten Keksen und pampigen Eintöpfen. Aber ich hatte vor Kurzem einen Mann kennengelernt – einen Mann, der ganz scharf aufs Kochen war und den ich unbedingt beeindrucken wollte. An einem Wochenende schlug er vor, gemeinsam für Freunde zu kochen. Und ich dachte noch:Oh Gott, das klingt nach einer furchtbaren Idee! Aber ich sagte: »Klingt großartig!« Und so stand ich plötzlich in einer Küche, die nicht mir gehörte, und backte zusammen mit einem Mann, den ich kaum kannte, einen Kuchen.

Währenddessen starb 442 Kilometer entfernt meine Mutter. Am Vormittag hatte ich noch mit ihr telefoniert. Ich hatte ihr von diesem Mann erzählt und davon, was ich für seine Schwächen hielt: Er war sich nicht sicher, ob er Kinder wollte, und er war kürzlich wieder Vegetarier geworden – etwas, was ich unerklärlicherweise als Affront empfand. »Mach dir keine Sorgen, Liebes«, erwiderte meine Mutter. »Bring ihn mit nach Hause, damit er deine Mutter kennenlernt: Ich werde auf dein gebärfreudiges Becken hinweisen und meinen Shepherd’s Pie für ihn backen. Das bringt ihn wieder in die Spur. Als ich deinen Vater kennenlernte, trug er einen blauen Samtanzug. Alles lässt sich zurechtbiegen«, schloss sie. Ich lachte und erwiderte, dass sic