EINS
Ein jähes Krachen, und auf einmal bin ich wach.
Sonnenlicht scheint mir auf die Hände. Sieht aus wie verschütteter Whiskey. Eine weiße Wand. Eine zerwühlte blaue Bettdecke. Der Stiefel in meinem Gesicht drückt meinen Kopf auf den Holzboden.
Aber nein. Das muss vom Kater kommen. Dauert eine Weile, bis mir das bewusst wird.
Mein Nikotinspiegel ist im Keller. Ich brauche dringend eine Zigarette und einen Schluck Wasser. Dann weiterschlafen und so tun, als wäre nichts passiert. Und bloß nichts überstürzen.
Ich höre Rauschen und Knacken. Dann eine Stimme: »10-36 Code 2, Zehnte Ecke C.« Autounfall, drei Blocks weiter Richtung Osten, keine Verletzten, Ausrücken nicht nötig.
Ich bin also in meinem Apartment. So weit, so gut.
Irgendwo vibriert mein Handy. Eigentlich vibriert der ganze Fußboden. Es fühlt sich an, als würde mir jemand Nägel in den Kopf schießen. Ich will mich aufsetzen, schaffe es aber erst beim zweiten Versuch. Jede Bewegung schmerzt. Das Handy liegt hinter dem Nachttisch. Muss beim Vibrieren runtergefallen sein. Davon bin ich wohl wach geworden. Ich habe drei Sprachnachrichten.
Erst mal brauche ich frische Luft. Ich vergewissere mich, dass ich meine Hose anhabe, und klettere durch das Fenster auf den Absatz der Feuerleiter. Draußen ist es bitterkalt, und mein Kopf wird ein bisschen klarer. Jedenfalls weiß ich wieder, wo ich bin. Das ist ja schon mal was.
Dem Stand der Sonne und den Menschenmassen auf der First Avenue nach zu urteilen, ist es etwa vier Uhr nachmittags. Und es ist so eiskalt, dass ich am liebsten wieder reinklettern würde, um meinen Hoodie zu holen. Aber mit dem Kater wird mir jede Bewegung zu viel.
In dem rostigen Gitter über der Feuerleiter steckt eine halb volle Wasserflasche. Die ist von mir, da bin ich mir ziemlich sicher. Ich öffne sie und trinke, während ich zuschaue, wie die Stadt ein- und ausatmet. Und ich zerbreche mir den Kopf darüber, was gestern Abend passiert ist.
Ich war in meinem Büro. Seit ein paar Wochen läuft irgendein Irrer hier rum, der es auf Frauen abgesehen hat. Begrapscht sie und haut dann ab. Aber erst, wenn alle Bars und Clubs geschlossen sind und sie allein nach Hause gehen. Und immer in der Nähe vom Tompkins Square Park.
Ich habe schon ein paar Aufpasser organisiert. Frauen, die zu Fuß nach Hause wollen, können anrufen und Begleitung anfordern. Hab auch einen Lockvogel losgeschickt: Ein hübsches Mädchen hat schon ein paarmal zwischen vier und fünf Uhr nachts ein paar Runden um den Park gedreht, mit Rückendeckung von einem Schlägertypen, der nicht lange fackelt. Feige, wie so ein Grapscher nun mal ist, reicht vermutlich ein einziger platzierter Schlag, und dann ha